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Kieler Woche Matrose : Wo er auftaucht, wird gelacht

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Wenn Kieler Woche ist, geht sein Gesicht um die ganze Welt. Doch wer ist der Stelzenmann im Matrosenanzug? - Ein Portrait.

Kiel | Er stammt aus dem Saarland und hat noch nicht eine Seemeile unter Segeln hinter sich gebracht. Dennoch ist Harald Roos der bekannteste Matrose der Welt. Auf der Kieler Woche ist der Stelzenmann nicht nur ein Hingucker, sondern auch Symbol für Kleinkunst der Extra-Klasse.
Wo er mit Köfferchen und Pfeife auftaucht, ist lachen garantiert. Dabei bedarf es nicht vieler Worte. "Wenn ich versuche, mich irgendwo hinzusetzen, gibt es immer einen Tumult", sagt Roos. Bei der Frage "Ist da noch frei?" lachten sich die Leute schon kaputt. Niemand halte es für möglich, dass er es schaffe. Doch für jemanden, der schon 15 Jahre lang im Stelzenlauf trainiert ist, eine Leichtigkeit. Die Lacher hat er auch auf seiner Seite, wenn er ältere Besucherinnen fragt, ob sie mit ihm "upn Swutsch" gehen wollen, wenn er Landgang hat. "Die jüngeren wollen gern meinen Hut haben", sagt der 45-Jährige. Aber bei seiner Größe von fast drei Metern kämen sie an den Gott sei Dank nicht ran.
Die Füße müssen auf jedes Foto
Staunende Blicke erntet er mit seinen Knotenkünsten, die nicht immer rein seemännisch, sondern auch trickreich sind, und seinen Zauberstücken. Das komme nicht nur bei den Kindern an, sondern auch bei den erwachsenen Festivalbesuchern, hat Roos festgestellt. Die ließen sich auch gern mit ihm fotografieren, insbesondere "richtige Seemänner", berichtet Roos. Sich zu verständigen, sei aber manchmal nicht ganz einfach. Bei einigen Nationalitäten dauert es länger zu erklären, dass er großen Wert darauf legt, dass seine Füße mit auf dem Bild sind. "Sonst könnte ich ja auch auf einem Stuhl stehen", gibt der Kleinkünstler, der außerhalb der Kieler Woche als Klinik-Clown im Einsatz ist, zu bedenken.
Vor acht Jahren kam der gelernte Krankengymnast an den Matrosen-Job. Die Figur war zur Bootsmesse in Düsseldorf als Hingucker und Werbefigur für die Landeshauptstadt entwickelt worden. Weil sie in Nordrhein-Westfalen gut ankam, sollte sie auch bei der Kieler Woche zu sehen sein. Die ist für Roos etwas Besonderes. "Da hatte ich 1987 meine ersten Auftritte als Kleinkünstler", erklärt er. Den Spaß, in die Rolle zu schlüpfen, hat er noch nicht verloren. Obwohl die Figur stark eingeschränkt sei, keine Eigenschaften, keine Geschichte habe. Und auch keinen Namen, was die Kontaktaufnahme manchmal etwas schwierig gestalte, sagt Roos. "Ich frage die Leute gern, wie sie heißen", verrät er. "Und wenn sie mich fragen, kann ich nichts antworten. Ich bin halt der Matrose", sagt Roos, den mancher Besucher einfach als "Popeye" oder "Hein Blöd" anspricht.
Selbst bei Hamburgs Bürgermeister standfest auf den Stelzen
Nicht zu wissen, wie die Festivalbesucher ihm gegenübertreten, das sei spannend. "Es ist ganz unterschiedlich, was die Leute sich für Späße ausdenken, wenn sie mich sehen", berichtet Roos und erinnert sich an den Versuch von Hamburgs Oberbürgermeister Ole von Beust, ihn von den Stelzen schubsen zu wollen. "Das ist ihm aber nicht gelungen", so Roos. Unvergessen bleibt auch der gemeinsame Besuch der Kiellinie mit Comedian Kalle Pohl. Roos: "Er so klein und ich so groß. Das war ganz nett." Und obwohl sich viele Situationen wiederholten, mache es Spaß, auf die gleichen Erlebnisse immer wieder verschieden reagieren zu können, schwärmt Roos. "Meinetwegen kann es auf ewig weitergehen."

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erstellt am 23.Jun.2008 | 09:42 Uhr

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