Traditionsschiffe meiden Kieler Hafen : Windjammerparade: Traditionssegler kritisieren Kosten auf der Kieler Woche

Die „Alexander von Humboldt II“ liegt zur Zeit fernab der KiWo im Flensburger Hafen.

Die „Alexander von Humboldt II“ liegt zur Zeit fernab der KiWo im Flensburger Hafen.

Wegen hoher Gebühren für Liegeplätze und Müllentsorgung blieben viele Schiffe dem Kieler-Woche-Spektakel fern.

Annika Kühl von
24. Juni 2018, 18:58 Uhr

Kiel | Die Windjammerparade ist das Spektakel der Kieler Woche. Doch irgendetwas fehlte an diesem Wochenende- und zwar nicht nur das gute Wetter. Viele Zuschauer warteten vergeblich auf ihre Lieblingsschiffe, unter anderem auch auf das aus der „Becks“-Werbung bekannte Traditionsschiff „Alexander von Humboldt II“. Die ruht in Flensburg im Hafen und hatte die Teilnahme an der Windjammerparade verweigert. Was ist da los?

 

Jens Middendorf, der Nautik-Vorstand der „Alexander von Humboldt II“, erklärt das Fernbleiben seines Schiffes damit, dass die Stadt Kiel Traditionssegler nicht angemessen würdigen würden. „Zu einem so großen Festival wie der Kieler Woche gehört eine ordentliche Einladung. Auf eine Einladung sollte auch der Besuch an Bord einer Person des Ausrichters folgen".

Er kritisiert zudem, dass seinem Schiff bei der vergangenen Kiwo-Teilnahme ein schlechter Liegeplatz zugewiesen worden sei: „Ein eingezäunter Platz, direkt am Fährpier. Besucher konnten kaum ans Schiff kommen, und Lieferungen von Proviant und Getränken mussten von der Straße zum Schiff getragen werden, da ein LKW nicht ans Schiff fahren durfte. Ebenso gab es Probleme mit der Müllentsorgung."

Bei anderen Festivals wie der Sail Bremerhaven, dem Hamburger Hafengeburtstag oder der Hanse Sail Rostock werde so etwas per Ausnahmegenehmigung geregelt. „Dass wir für diesen Liegeplatz wie auch für Lotsen und Festmacher auch noch horrende Liegegebühren entrichten mussten, hat uns dazu bewogen, nicht mehr an der Kieler Woche teilzunehmen", so Middendorf weiter.

Und die „Alexander von Humboldt II“ war nicht der einzige Traditionssegler, der in diesem Jahr fehlte: „In diesem Jahr habe ich ehrlich gesagt einige Schiffe vermisst“, sagt Gerhard Hillebrand, Kapitän der Amphitrite. Der Sartorikai, an dem die Traditionsschiffe vor Anker liegen, sei die halbe Kieler Woche fast leer gewesen. „Viele Schiffe sind einfach nur vorbeigefahren oder erst für die Windjammerparade gekommen“, berichtet Hillebrand.

Gründe für den Boykott: „Die Liegeplatzgebühren sind einfach sehr hoch, genauso wie die Gebühren für die Müllentsorgung“, sagt der Kapitän. Zudem „gibt es nur wenige Events für Traditionssegler auf der Kieler Woche.“ Dabei liegt der Ursprung der Kieler Woche in den Segelwettbewerben.

 

Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer betont unterdessen: „Wir überlegen schon seit längerem, wie wir Kiel während der Kieler Woche und das ganze Jahr hindurch für die Traditionssegler attraktiver machen können.“ Laut Kapitän Hillebrand wäre wieder mehr Austausch zwischen den Crews wünschenswert. „Ich stelle mir vor, dass man zum Beispiel Wettbewerbe zwischen den einzelnen Crews veranstalten könnte.“

„Vor zirka fünf Jahren haben wir außerdem beispielsweise noch ein gemeinsames Frühstück veranstaltet, bei dem wir die Crew unseres Nachbarbootes eingeladen haben.“ Doch seit einigen Jahren sei die Kieler Woche keine besonders vielfältige Veranstaltung mehr für Traditionssegler.

In der Stadt ist man um Lösungen bemüht. „Bei den Gebühren bereiten wir für die Ratsversammlung derzeit ein abgestimmtes Konzept vor, das sowohl für die Traditionsschiffe mit Heimathafen Kiel, als auch für die zur Kieler Woche kommenden Schiffe Erleichterungen vorsieht.“

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