zur Navigation springen

Kieler Woche 2015 : Windjammerparade – das sind die besten Plätze für Zuschauer

vom
Aus der Onlineredaktion

Wo lassen sich die Segler am besten beobachten? Und wie wird die Windjammerparade organisiert? Ein Gespräch mit einem Lotsen.

shz.de von
erstellt am 27.Jun.2015 | 09:25 Uhr

Kiel | Über 100 Traditionssegler und hunderte kleinere Schiffe fahren gemeinsam auf der Förde: Die Windjammerparade ist nicht nur der maritime Höhepunkt der Kieler Woche, sie ist auch eine logistische Herausforderung. Damit alles glatt und sicher abläuft, wenn die Parade am Samstag um 11 Uhr startet, gibt es ein striktes „Drehbuch“, das „Captains Handbook“. Außerdem sind auf den wichtigsten Schiffen Profis am Steuer – Lotsen der Lotsenbrüderschaft „Nordostsee-Kanal II“.

Hier kann man bei der Windjammerparade digital mitseglen.

Einer von ihnen ist Ulrich Diekmann. Der Lotse wird am  die „Roald Amundsen“ durch die Förde steuern. Auch auf den sieben Führungsschiffen der in Blöcken gegliederten Parade werden Lotsen die Kapitäne unterstützen. „Unser Ältermann steuert die Gorch Fock als Leitschiff der Parade. Das hat schon eine gewisse Tradition“, sagt Martin Finnberg, zweiter Ältermann (gewählter Sprecher) der Lotsenbrüderschaft. Die anderen Schiffe werden ausgeschrieben. Die Kollegen können sich freiwillig melden. Sind es mehr als es Schiffe gibt, wird gelost. „Das klappt aber ganz gut. Einige freuen sich über das besondere Ereignis. Andere sind froh, wenn sie damit nichts zu tun haben müssen.“

Denn ganz stressfrei ist der Job nicht. Zwar geht alles im „Schneckentempo“ vor sich, daher ist die Gefahr von Unfällen nicht so groß, erklärt Finnberg, aber ganz einfach zu fahren sind die großen, oft alten Segler nicht. „Das ist anders als bei einem Schiff, das unter Motor läuft.“ Sie müssten mehr tun, um die Geschwindigkeit zu halten und den Seitendrift beachten. „Das ist ganz schön figelinsch“, sagt Lotse Ulrich Diekmann. Man müsse schon sehr aufpassen. Vor allem bei den kleineren Segelschiffen komme es immer wieder zu Karambolagen. „Zu Kollisionen mit den Großen kommt es selten. Im letzten Moment siegt meist doch der Überlebensinstinkt der Freizeit-Skipper“, sagt Finnberg.

Ein weiteres Problem: Viele der Großsegler sind bei der Parade brechend voll, da alle Schiffe möglichst viele Gäste mitnehmen. „Die stehen schon mal im Weg rum“, sagt Finnberg. Und: Es gibt viel mehr „Kleinverkehr“ auf der Förde. Dass sei aber kein Phänomen der Parade, sondern während der ganzen Kieler Woche so, berichtet Finnberg. Die Kapitäne der anderen Traditionsschiffe, die nicht als Führungsschiffe fahren, bräuchten daher auch keine Lotsen. Sie sind an die Bedingungen und den Trubel meist schon gewöhnt, weil sei während der Kieler Woche bereits Tagesausfahrten gemacht haben.

Das Drehbuch gibt das Wasser- und Schiffahrtsamt Lübeck vor. Dort wird die Fahrt durch das Hafenamt Kiel beantragt und dann die Sperrung des viel befahrenen Nord-Ostsee-Kanals angeordnet. Die Schleuse in Holtenau wird für bis zu zwei Stunden gesperrt. Etwa 10 bis 20 größere Frachtschiffe warten dann auf einen Schlag an der Schleuse zum Kanal. Den Stau wieder aufzulösen, ist eine weitere logistische Aufgabe im Zusammenhang mit der Windjammerparade. „Das muss man mit Augenmaß tun“, erklärt Finnberg. „Es bringt nichts sechs bis sieben große Schiffe in kurzer Folge in einer Richtung durchzuschleusen. Dann gibt es in Brunsbüttel abends den nächsten Stau.“

Finnberg selbst wird am Samstag wie im vergangenen Jahr nicht als Lotse auf einem Führungsschiff sein, sondern steht auf Abruf für die Berufsschiffe bereit. Im vergangenen Jahr lotste er einen osteuropäischen Frachter durch die Förde. Der Kapitän beäugte nach der Freigabe der Strecke den wuseligen Verkehr durch den Finnberg ganz langsam hindurch steuerte. Nach einiger Zeit fragt der Kapitän, ob das denn nicht mal weniger werden würde. Finnberg antwortet: „Ja, die kehren bald um.“ Der Kapitän entgegenete: „Dein Glück, sonst hättest du mit nach St. Petersburg gemusst.“

Beginn der Windjammerparade ist am Samstag um 11 Uhr. Die Schiffe werden bis etwa 13 Uhr auf der Förde fahren.

Mehr zur Kieler Woche auf www.shz.de/kielerwoche.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen