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Kiwo-Nebenwirkung : Wie Anwohner mit dem Kieler-Woche-Lärm leben

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Beschallung auf den Bühnen in der City lässt Anwohner in der Kieler Woche vor Mitternacht schwer in den Schlaf finden. Die Stadt greift bei Verstößen gegen die Sperrstunde rigoros durch.

shz.de von
erstellt am 26.Jun.2015 | 06:00 Uhr

Kiel | Schatzi, schenk mir ein Foto…“, dröhnt es aus den Lautsprechern. Die Menge an der Bühne am Alten Markt grölt bei dem Ballermann-Hit kurz vor Mitternacht lautstark mit. Marie Nietzsch dagegen ist nicht nach Feiern zumute. Die 22-jährige Jura-Studentin wohnt nur wenige Meter entfernt und würde gern schlafen – doch daran ist bei dem Lärm in ihrem WG-Zimmer nicht zu denken. Das Messgerät pendelt sich bei geöffnetem Fenster zwischen 85 und 91 Dezibel ein. Zum Vergleich: In einem normalen Schlafzimmer beträgt die Lautstärke etwa 30 Dezibel.

„Der Bass dröhnt jeden Abend als wenn ich direkt an der Bühne stehen würde“, sagt Marie Nietzsch. „Die Wohnung ist relativ hellhörig.“ Daher ist sie froh, auch auf der Kieler Woche zu arbeiten und nicht jeden Abend dem Partylärm ausgesetzt zu sein. „Ich frage mich echt, wie unsere Nachbarn und die übrigen Anwohner das dauerhaft aushalten.“ Für sie funktioniere das nur nach dem Prinzip „Augen zu und durch“, berichtet eine ältere Anwohnerin der Kehdenstraße.

Schlafen unmöglich: Der Geräuschpegel im Schlafzimmer von Marie Nietzsch ist enorm.
Schlafen unmöglich: Der Geräuschpegel im Schlafzimmer von Marie Nietzsch ist enorm. Foto: Käfer
 

„Wir sind gewiss keine Kiwo-Gegner oder Spaßbremsen“, sagt Marie, die mit ihrer Schwester Michelle zusammen wohnt. „Wenn es nach mir geht, könnte die Kieler Woche das ganze Jahr über sein, bloß die laute Musik stört auf Dauer.“ Zumindest bis Mitternacht. „Während der Kieler Woche ist für die Musikbeschallung montags bis sonntags um 24 Uhr Sperrstunde“, sagt Stadtsprecherin Verena Dittrich. Die Getränkebuden dürfen freitags und sonnabends bis 1 Uhr öffnen, unter der Woche bis Mitternacht. Dittrich: „Eine Sicherheitsfirma überwacht im Auftrag des Kieler-Woche-Büros die Einhaltung der Sperrzeiten.“ Das klappe am Alten Markt dieses Jahr sehr gut, räumt Marie ein. „Spätestens fünf Minuten nach 0 Uhr ist die Musik aus.“ Im vergangenen Jahr sei das noch anders gewesen, erklärt sie. „Da wurde noch deutlich länger gespielt, vielleicht greift die Stadt dieses Jahr härter durch.“

Das bestätigt Dittrich indirekt. „Beschwerden über Musiklautstärke sind bisher nicht eingegangen“, sagt sie. „Dies könnte auf die Kontrollen der vergangenen Jahre und die verhängten Bußgelder zurückzuführen sein.“

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