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Regatta-Wetter : Vorhersagen unter Hockdruck - Erdmann ist der Wettermann

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Wie windig ist es auf der Förde? Müssen Wettfahrten ausfallen? Oder gibt es Flaute? All das weiß Meteorologe Hilger Erdmann in Schilksee.

shz.de von
erstellt am 26.Jun.2008 | 08:53 Uhr

Segeln ist Kieler Woche und Wetter ist Erdmann - so einfach lassen sich manche Zusammenhänge auf den Punkt bringen. Wenn morgens die Aktiven über die Lautsprecher informiert werden, dass die Wettervorhersage um 8.45 Uhr stattfindet, hat Hilger Erdmann schon unter Hochdruck gearbeitet und den ersten Teil seines Jobs hinter sich. Alle Wetterdaten, die für die Vorhersage von Belang sind, liegen ausgewertet bereit, die Isobaren-Karten sind gedruckt. Die Infos für die Segler und die Wettfahrtleiter liegen aus.
Den "Wetterfrosch" gibt Erdmann seit 24 Jahren bei der Kieler Woche. "Im nächsten Jahr ist Jubiläum, ob ich dann noch weitermache, steht noch nicht fest", sagt der Diplom-Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst (DWD) aus Hamburg und es liegt ein wenig Stolz in einer Stimme. Die Anfänge in Schilksee? Blitzartig holt Erdmann aus: "Das war am 23. Juni 1983 zwischen 14 Und 16 Uhr. In einem Hochdruckgebiet mit zwei bis drei Windstärken. Keine Wolken. Plötzlich dreht der Wind auf Nordost zwischen sieben und acht Beaufort", erinnert er sich, als wäre es gestern - Donnerwetter. "Das gab natürlich jede Menge Kleinholz auf dem Wasser".
Die Wetterwarnung aus Hamburg kam damals zu spät in Schilksee an. Die Technik war zu langsam. Seit diesem Vorfall wird Wetter vor Ort gemacht. Erdmann wurde gefragt - Erdmann macht es.

Inzwischen werden die Vorhersagen immer genauer. "Früher gab es noch relativ einfache Modelle. Vieles wurde zu Fuß gerechnet", erklärt der in Jork im Alten Land lebende Wetterfachmann. "Heute sind die Rechnerleistung viel, viel höher, die Maschenweite viel geringer", sagt der Mann, der sich selbst zu einer aussterbenden Spezies zählt - den Synoptikern. Diese betrachten - vereinfacht gesagt - das Gesamte (Synoptik: Zusammenschau). "Als Synoptiker hat man Vorteile bei der Fehlerabschätzung der Modelle", sagt Erdmann. "Und wenn die Vorhersage stimmt", freut man sich. Na ja, mal kann es vorkommen, dass die Vorhersagen vielleicht nicht immer hundertprozentig stimmt. Ein nicht genannt werden wollender OK-Jollen-Segler aus Kiel wetterte mächtig: "Angekündigt waren drei Beaufort, draußen blies es mit fünf. Der angesichts der Vorhersage gewählte Dress-Code mit kurzer Hose war definitiv die falsche Wahl".
Es geht aber auch punktgenau: Am vergangenen Sonntag gab Erdmann für 18 Uhr eine Gewitterwarnung heraus, um 18.05 Uhr donnerte und blitze es - Potzblitz. Gestern hellte sich das Gesicht von Hilger Erdmann besonders auf. Wie in jedem Jahr, seit dem der Diplom-Meteorologe, in Schilksee Wetter macht, wird Geburtstag gefeiert. Zum 64. wurde bei der Wettfahrtleiter-Sitzung und beim Journalisten-Frühstück des schleswig-holsteinischen Journalistenverbandes gratuliert. Danach ging es zur Tagesordnung über, weil Erdmann "kein großer Feier-Mensch" ist - Erdmann ist Wetter.

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