Das erste Wochenende : Verregneter Start für das "tollste Fest"

Die Jüngsten eröffneten im strömenden Regen das Kieler Woche Tanzfieber. Foto: Smit
Die Jüngsten eröffneten im strömenden Regen das Kieler Woche Tanzfieber. Foto: Smit

Tausende Besucher trotzen dem Regen am ersten Wochenende der Kieler Woche / Sportliche Höchstleistungen auch an Land

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20. Juni 2011, 08:35 Uhr

Kiel | Der Regen schreckt die Besucher nicht: Die 117. Kieler Woche ist in vollem Gang. Während die Segler auf den Regattabahnen um Punkte für Olympia 2012 kämpften, zogen der sportliche Wettstreit an Land, Musik und Kultur an den ersten Tagen rund 400 000 Menschen an. Bereits Freitagabend war der Zugang zur Hörn zeitweise mit langen Wartezeiten verbunden. Die offizielle Eröffnung am Sonnabend lockte mehr als 8000 Zuschauer auf den Rathausplatz.
Das mag auch an THW-Kapitän Marcus Ahlm gelegen haben - der Schwede übernahm in diesem Jahr das traditionelle Anglasen. Die Stadt sei stolz, dass er diesen Part übernommen hat, sagte Oberbürgermeister Torsten Albig. "Der THW ist die beste Handballmannschaft der Welt. Die Bürgermeisterkette trage ich mit Stolz, aber den Schal des THW mit noch größerem", so Albig. Ahlm zeigte sich bescheiden und versprach, die Meisterschale im nächsten Jahr von Hamburg zurück an die Förde zu holen.
Besonders begrüßt wurde Ministerpräsident Peter Harry Carstensen: Eine Gruppe von Studenten aus Lübeck reckte - wie bei der Eröffnung 2010 - gelbe Protestplakate in die Höhe und erinnerte so an die von der schwarz-gelben Regierung geplante Schließung der Uni Lübeck, die durch vielfältigen Protest abgewendet werden konnte.
Wakeboarder zum ersten Mal dabei
Dass die Kieler Woche "das tollste Fest der Welt ist", wie Albig erklärte, belegten gleich mehrere Veranstaltungen am Wochenende. So machen zum ersten Mal in diesem Jahr Wakeboarder die Stadt unsicher. Am Alten Bootshafen haben sie einen Wasserskilift installiert und präsentieren die rasante Trendsportart. In einer Kombination aus Wellenreiten und Wasserski, werden die Fahrer beim Wakeboarden vom Lift auf ihrem Brett über das Wasser gezogen. Für die Profis gibt es Rampen, auf denen sie waghalsige, meterhohe Sprünge und Drehungen vollführen. Wer Lust hat das "Snowboarden auf dem Wasser" einmal kennen zu lernen, ist die gesamte Woche über eingeladen sich selbst auf das Brett zu stellen. Jeden Tag von 11.30 bis 20 Uhr laden die Veranstalter zu Schnupperkursen ein. Das gesamte Equipment, vom Helm über den Neoprenanzug bis hin zum Handtuch wird gestellt.
Ähnlich "cool" war auch wieder der Ocean Jump am Germaniahafen. Bereits im dritten Jahr kämpften 16 fahrverrückte Skater um den Weltmeistertitel. Vom "weißen Monster", einer zwölf Meter hohen Rampe, stürzten sie sich auf Skateboards mit Surfsegeln und BMX-Rädern in die Förde. Das wichtigste dabei: Wer vollführt die schönsten und gewagtesten Backflips, Loopings und Drehungen? Je nach Kreativität und Höhe der Sprünge verteilte die Jury ihre Punkte. Vor allem die Windskater ernteten große Anerkennung für ihre Sprünge. Florian Jung, der Weltmeister von 2010, setzte sich mit einem Frontloop an die Rangspitze. Wegen des starken Regenfalls musste das Finale gestern um zwei Stunden nach hinten verschoben werden. Die eingeschworene Fangemeinde, die inzwischen eine eigene Gruppe bei Facebook gegründet hat, ließ sich davon nicht beirren. Dicht gedrängt, bestaunten sie von den Rängen des Hafenbeckens aus das rege Treiben in der Luft.
Hart ging es beim Schietwetter Cup zu, den das Rugby Team Kiel zum 21. Mal aufgelegt hatte. Die Gäste kamen aus ganz Norddeutschland, aus Dänemark und Holland, aber auch aus Polen, Estland, England und Schottland. Insgesamt nahmen 19 Herren- und sechs Damenmannschaften an dem Turnier teil. Am Ende holte sich das Freddy Team - eine in Europa stationierte Armee-Mannschaft aus Fidschi - den Pokal und siegte vor der Mannschaft aus Potsdam. Dritter wurde das Team aus Riga/Lettland vor St. Pauli. Bei den Damen setzte sich die Mannschaft aus Danzig/Polen gegen die Damen aus Riga durch. Hier landete St. Pauli auf Platz drei vor den Kielern. Organisator und Spartenleiter Eric Joppien zeigte sich mit dem Turnierverlauf sehr zufrieden. "Es ist wieder absolut super gelaufen", sagte er. "Es ist ein harter Sport, aber sobald abgepfiffen wird, wird gemeinsam gefeiert."
Tanzfieber: Alle waren gekommen - trotz Regens
Großen Applaus gab es beim Kieler Woche-Tanzfieber allein dafür, dass trotz des Regens alle Kinder gekommen waren. 80 junge Tänzer im Alter von drei bis sechs Jahre sprangen gut gelaunt über die Tanzfläche vor der großen Bühne auf dem Rathausmarkt, machten Wechselhüpfer und Seitgalopp zum "Pippi Langstrumpf"-Lied und ließen sich die gute Laune vom Wetter nicht verderben. Zum sechsten Mal hatten die Kieler Tanzschulen Gemind, Knobloch und Ströhemann-Brink & Peter zum "Tanzfieber" geladen, boten verschiedene Vorführungen, aber auch Animation sowie den Streetdance und den Disco Fox-Cup. Durch das Programm führte Hip Hop Spezialist "Sunny" Oliver Radig.
Können sie starten oder nicht? - Bis kurz vor dem Seifenkistenrennen, war es nicht klar, ob die selbst gebauten Gefährte der 33 Teilnehmer die Bergstraße runterbrausen würden. "Das Bremsen auf der regennassen Straße war das Problem", erklärte Mitorganisatorin Martina Petersen von der Förde Sparkasse. Am Ende gingen jedoch alle 33 Seifenkisten an den Start. Den Sieg fuhr Alexander Friedrichs (14) aus Meldorf mit einer Zeit von 1:21 ein. Sein Bruder Sebastian (12) landete mit 1:23 auf Platz drei. Den zweiten Platz sicherte sich Josephine Buntrock (10) aus Lübeck. Zur schönsten Kiste kürte das Publikum den Flieger von Marlo Prösch (9) aus Kiel.

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