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Kieler Woche International : Spanien ist mehr als Stierkampf und Flamenco

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Maria und Fernando Alvarez begeistern seit 29 Jahren die Besucher des Internationalen Marktes mit Spezialitäten aus ihrer Heimat.

shz.de von
erstellt am 22.Jun.2015 | 06:00 Uhr

Kiel | Mit flinken Fingern greift sich Maria Alvarez einen Fisch, nimmt ihn aus, trennt den kleinen Kopf ab und legt ihn in zu den anderen Filets auf den Haufen. Dann greift sie sich den nächsten Fisch, dann noch einen. Stundenlang geht das so, bis endlich alle Sardellen ausgenommen sind. Je nachdem, wie gut die „Boquerones“ sich verkaufen, werden am Ende der Kieler Woche bis zu 12  000 Stück durch ihre geübten Finger gewandert sein.

Zusammen mit ihrem Mann Fernando betreibt sie schon seit 1986 den Spanischen Stand auf dem Internationalen Markt. Auch in diesem Jahr sind die Beiden wieder dabei und dafür extra aus Spanien angereist. Für ihre hausgemachte Sardellenfilets, die fein gewürzte Chorizo-Wurst, die Paella und andere Spezialitäten aus ihrer Heimat, die sie den Gästen anbieten, muss eine Menge vorbereitet werden.

Zwei Wochen vor Beginn der KiWo steht Maria Alvarez deshalb in der Küche, nimmt aus, legt ein, schnippelt, hackt, würzt und mariniert. „In der Küche ist meine Frau die Chefin“, sagt Fernando Alvarez und grinst. Er selbst sei mehr für den organisatorischen Teil zuständig.

Zum Beispiel dafür, dass die Ware, die er extra aus seiner Heimat Galizien mitbringt, auch rechtzeitig angeliefert wird. Warum kauft er die Lebensmittel nicht alle hier, beim spanischen Großhändler? „Da kaufe ich nur einen kleinen Teil der Ware. Aber ich möchte gerne Sachen anbieten, die die Leute hier nicht kaufen können“, sagt er. Die Chorizo lässt er in Spanien sogar nach eigenem Rezept herstellen.

Auch den Knoblauch und die Zitronen zum Einlegen der „Boquerones“ bringt er von zu Hause mit. „Die schmecken einfach besser, der Knoblauch ist nicht so ranzig und die Zitronen sind viel intensiver“, sagt er und hält sich eine aufgeschnittene Zitrone unter die Nase. Die duftet ziemlich gut, genau wie die eingelegten Sardellen, die auf dem Tisch stehen. „Die werden erst ausgenommen, dann in Essig eingelegt und später in Olivenöl, Knoblauch, Zitronensaft und Petersilie mariniert“, erklärt Maria Alvarez.

Die zwei bis drei Wochen in Kiel sind für die zwei Galizier eher Stress als Urlaub. Zu den Vorbereitungen kommen während der KiWo noch bis zu 16 Stunden hinterm Tresen, und das zehn Tage lang „Wir bereiten alles frisch zu, deshalb ist es sehr viel Arbeit“, sagt Maria. Die Kunden wissen den Aufwand zu schätzen. Die meisten davon sind Stammgäste, die schon seit Jahren an den Spanischen Stand kommen. „Einige kenne ich schon, seit sie klein sind. Die kommen immer wieder her, auch wenn sie gar nicht mehr in Kiel wohnen“, sagt Fernando Alvarez. Sogar aus Australien oder Neuseeland hatte er schon Kunden. Kein Wunder, dass bei all dem Stress auch immer ein Schnack mit den Gästen drin ist.

Hilfe haben die Zwei von ihrem Sohn Rafael und seiner Frau Perihan, die beide in Kiel leben und ihre Wohnung für ein paar Wochen zur Produktionsstätte umfunktionieren. Die Zwei arbeiten nicht nur selbst am Stand mit, sondern sollen ihn bald übernehmen. Mit seinen 64 Jahren sei es langsam Zeit, etwas kürzer zu treten, findet Fernando.

Vor fast 30 Jahren, als er und seine Frau noch in Kiel lebten, war er Leiter des Spanischen Zentrum. Wichtig ist ihm deshalb auch, dass nicht nur kulinarische, sondern auch ein kulturelle Spezialitäten auf dem Internationalen Markt präsentiert werden – so wie zum Beispiel die galizische Dudelsackband Maquia. „Die Menschen sollen sehen, dass Spanien nicht nur Stierkampf und Flamenco ist.“

Ein Video zur Vielfalt auf dem Internationalen Markt gibt es hier.

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