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Kieler Woche 2017 : Sonnencreme statt Regenschirm: Der Wetter-Mythos wackelt

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Mythos, Klischee oder nur ein psychologischer Streich? Warum das Wetter auf der Kieler Woche allgemein als mies gilt und warum dieses Jahr alles anders werden könnte.

shz.de von
erstellt am 17.Jun.2017 | 10:34 Uhr

Dicke Tropfen prasseln auf die Dächer der Buden, Pfützen wachsen auf dem Boden und eine kalte Brise rauscht über die Kiellinie. „Typisches Kieler-Woche-Wetter“, raunen dann die Besucher des Volksfestes. Das Wetter auf der Kieler Woche ist ein Aufreger, der jeden Smalltalk belebt und längst zum Klassiker geworden ist. Eine Institution, ein Mysterium oder zumindest ein hartnäckiges Klischee. Doch stimmt der Mythos vom schlechten Wetter überhaupt? Und wenn ja, wird diesmal alles anders?

Wenn eine bestimmte Wetterlage fast schon zur Redewendung mutiert ist, sind auch die Wissenschaftler nicht weit, die die Wahrheit hinter den Gerüchten erforschen. Tatsächlich untersuchte der Meteorologe Martin Molkentin im Jahr 2015 das Wetter im Zeitraum der Kieler Woche. Molkentin wollte für seine Diplomarbeit den „klimatologisch günstigen Zeitraum zur Austragung der Kieler Woche“ finden.

Ergebnis: Besseres Wetter gäbe es im  Juli. Problem: Traditionell findet die Kieler Woche kurz vorher in der letzten, vollständigen Juni-Woche statt. Und Traditionen sind nun mal Traditionen, auch wenn die Wissenschaft etwas anderes empfiehlt.

Wenn das schöne Wetter nicht zur Kieler Woche kommt und der Termin nicht zum schönen Wetter verschoben werden darf, muss woanders nach einer Lösung für besseres Wetter gesucht werden. Etwa im Kopf der Kieler-Woche-Gäste. Denn vielleicht ist das Wetter überhaupt nicht so schlecht, wie die meisten Besucher glauben. Vielleicht spielt ein psychologischer Effekt den Menschen einen Streich und korrumpiert das kollektive Kieler-Woche-Gedächtnis.

Einen Hinweis darauf geben die Wetterdaten der vergangenen Jahre. Besonders die Regentage zeigen eine bemerkenswerte Entwicklung. Zur Kieler Woche im Jahr 2011 fiel zwischen Montag und Freitag kaum ein Tropfen vom Himmel, dafür regnete es an den beiden Wochenenden. Ein Jahr später regnete es vom letzten Kieler-Woche-Freitag durchgängig bis Sonntag. Ebenso 2013: Zum letzten Wochenende schüttete es wieder wie aus Eimern, doch die Werktage blieben weitgehend verschont.

Verregnete Wochenenden, trockene Arbeitstage, dieser Trend setzte sich auch die folgenden Jahre fort. 2014 war der letzte Sonnabend der regenreichste Tag der gesamten Kieler Woche. 2015 kam es unter der Woche erneut kaum zu Niederschlägen, doch am letzten Sonntag wurden die Besucher nochmal kräftig durchnässt. Und auch im vergangenen Jahr war der Niederschlag am letzten Wochenende wieder am stärksten.

Wenn Regen am letzten Wochenende die Erinnerung an die ganze Woche prägt, nennt die Psychologie dies den „Peak-and-Rule-Effect“. Auf Deutsch: Längere Ereignisse werden im Nachhinein vor allem nach besonderen Einzelereignissen und Ereignissen am Ende beurteilt. Angewendet auf die Kieler Woche heißt das: Wenn ein Besucher fast tagelang unter strahlender Sonne an der Kiellinie spaziert, aber zum Abschluss von einem heftigen Wolkenbruch durchnässt wird, erzählt er später, das Wetter sei insgesamt schlecht gewesen.

Ob das Abschluss-Wochenende in diesem Jahr von Regen verschont bleibt, kann man noch nicht sagen. Der Auftakt aber ist vielversprechend.

„Es wird ungewöhnlich freundlich“, kündigt Experte Sebastian Wache an. Das  Hoch „Concha“ beschert den Besuchern bestes Sommerfest-Wetter: Heute bis zu 20 Grad, morgen bis zu 25 und am Montag sogar bis zu 30. Regen? Voraussichtlich Fehlanzeige. Sonnencreme statt Regenschirm heißt die Devise – und das könnte bis Donnerstag so bleiben. Und da Kieler-Woche-Besucher wie alle anderen Menschen schlecht darin sind, den Durchschnitt abzuschätzen, und sich stattdessen eher an außergewöhnliche Ereignisse wie  ein starkes Gewitter oder heißen Sonnenschein erinnern, könnte das Wetter-Fazit dieses Jahr tatsächlich positiv ausfallen. Außer am Ende regnet es, dann hätte der Mythos wieder einmal gesiegt.

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