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Kieler Woche 2016 : Sexuelle Belästigung: Keine Angsträume auf der Kiwo

vom
Aus der Onlineredaktion

Szenen wie in Köln, Hamburg oder Darmstadt soll es an der Förde nicht geben. Mobile Strahler oder ein Security Point kommen aber nicht zum Einsatz.

Kiel | Der letzte Fall liegt nicht lange zurück: Während des Schlossgrabenfestes Ende Mai in Darmstadt sollen junge Frauen von Männern in kleinen Gruppen umzingelt, begrapscht und belästigt worden sein. Knapp 30 Frauen haben sich laut Polizei gemeldet und von sexuellen Belästigungen berichtet. Sofort wurden Erinnerungen an die Vorfälle in der Silvesternacht in Köln und Hamburg wach.

Hunderte Frauen wurden in der Nacht des 31. Dezember 2015 in Köln und Hamburg belästigt, beraubt und teils sogar vergewaltigt. Dabei kreisten die Täter die Frauen in Gruppen ein. Bis Mitte Mai lagen in Köln laut Staatsanwaltschaft 1171 Strafanzeigen vor, davon 491 wegen sexueller Übergriffe. In Hamburg waren laut Polizei 243 Strafanzeigen von 403 Frauen eingegangen.

In Kiel hat Schleswig-Holsteins größtes Volksfest begonnen: die Kieler Woche. Knapp vier Millionen Menschen werden von Sonnabend, 18., bis Sonntag, 26. Juni, an der Förde erwartet. Das bedeutet: dichtes Gedränge entlang der Kiellinie und an der Hörn – die Täter in der Nacht des 31. Dezember und in Darmstadt nutzten genau das aus.

„Nicht erst seit den Anschlägen von Paris und Brüssel und den Ereignissen der Silvesternacht in Köln sind wir uns der großen Bedeutung des Themas Sicherheit in Bezug auf die Kieler Woche bewusst", erklärt Arne Ivers, Pressereferent der Stadt Kiel. Erfahrungen mit Szenen wie in Köln, Hamburg oder Darmstadt hat man in Kiel indes nicht.

Zwei Anzeigen wegen sexueller Belästigung während der Kieler Woche gingen im vergangenen Jahr laut Matthias Arends, Sprecher der Polizeidirektion Kiel, ein. Eine der Taten geschah im Bereich des Diskothekenzentrums Bergstraße. Eine Anzeige ging außerdem schon am ersten Kieler-Woche-Wochenende 2016 bei der Polizei ein.

Das Thema der sexuellen Belästigung werde sehr ernst genommen, sagt Ivers. Das Sicherheitskonzept werde seit Jahren an die aktuellen Gegebenheiten angepasst. Aber was heißt das konkret?

Kiel setzt auf Zusammenarbeit

Kiel setzt auf Zusammenarbeit. So sollen die Veranstalter auf den Flächen gemeinsam dafür sorgen, dass sich die Sicherheit – insbesondere für Frauen – erhöht. „Alle Veranstalter wurden in einer gemeinsamen Infoveranstaltung von Polizei und Stadt aufgefordert, bei Auffälligkeiten die Polizei zu informieren und Geschädigten Schutz in sicheren Bereichen zu gewähren“, sagt Ivers.

Zudem erhöht die Polizei ihre Präsenz: Statt wie im vergangenen Jahr vier sind diesmal fünf mobile Wachen im Veranstaltungsbereich – am Beginn der Kiellinie, am Bootshafen, Bahnhofsvorplatz, an der Hörn sowie in Schilksee - unterwegs. Die Mannstärke hängt von der Lage ab: „An den schwächeren Einsatztagen werden 120 Beamte, an stärkeren Einsatztagen zwischen 180 und 200 Beamte täglich aus Kiel und von der Hundertschaft aus Eutin eingesetzt“, erklärt Arends.

Wer sich bedroht fühlt, soll die 110 wählen

Aufmerksame Veranstalter und Polizeipräsenz – reicht das? Die Stadt Köln fand: nein. Während des diesjährigen Karnevals führte sie erstmals spezielle Sicherheitsmaßnahmen ein. So wurden dunkle Ecken mit mobilen Strahlern ausgeleuchtet und gab es einen Security Point, wohin sich Frauen und Mädchen wenden konnten.

Einige Festivalveranstalter geben Notrufnummern für Frauen heraus, unter denen sich Opfer von Belästigung oder Nötigung umgehend melden können. Eine solche Nummer wird es während der Kieler Woche nicht geben. „Wir empfehlen die Notfallnummer 110 (bzw. 112) anzuwählen oder direkt die Securities auf den Flächen anzusprechen“, sagt Ivers.

„Dunkle Ecken gibt es faktisch nicht“

Auch mobile Strahler werden im Veranstaltungsbereich nicht zum Einsatz kommen. Ivers sagt: „Dunkle Ecken gibt es faktisch nicht. Man kann sich von der Hörn bis zum Riesenrad an der Kiellinie bewegen, ohne während der Veranstaltungszeiten sogenannte Angsträume durchqueren zu müssen.“ Außerdem gebe es noch einen weiteren Unterschied zum Kölner Karneval: Während der Kieler Woche ist es deutlich länger hell.

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erstellt am 19.Jun.2016 | 12:21 Uhr

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