Kieler Woche 2018 : Schlemmen ohne schlechtes Gewissen – Ernährungsberatung auf dem Internationalen Markt

<p>Probieren sich durch ein paar exotische Stände: DAK-Ernährungsberaterin Silke Willms und Andreas Olbertz</p>

Probieren sich durch ein paar exotische Stände: DAK-Ernährungsberaterin Silke Willms und Andreas Olbertz

Die Auswahl ist riesig. Ein kleiner Bummel mit einer Ökotrophologin zu den zahlreichen Fressbuden auf dem Rathausmarkt.

Andreas Olbertz. von
20. Juni 2018, 16:10 Uhr

Kiel | Essen auf der Kieler Woche, da haben die Besucher die Qual der Wahl. Kann man da ruhigen Gewissens zugreifen oder sprengt die Kalorienschwemme früher den Hosenbund und bringt einen später um?

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Silke Willms, Ernährungsberaterin bei der DAK, winkt ab: „Wir haben 50 Jahre lang keinen Erfolg gehabt, den Leuten ein schlechtes Gewissen einzureden. Sie werden trotzdem immer dicker. Ich kann keine Kalorien zählen und will es auch nicht.“ Essen ist für die Fachfrau der Krankenkasse etwas zutiefst Sinnliches. Nicht nur das Auge isst sprichwörtlich mit. Silke Wilms: „Beim Kauen sind auch die Ohren direkt beteiligt.“ Alle Sinne werden angesprochen. „Essen ist nicht nur das, was ich mir einverleibe“, sagt sie.

Im Gegenteil. Nichts sei schlimmer, als quasi nebenher bei der Arbeit zu futtern. „Essen hat traditionell Menschen zusammengebracht“, erklärt Silke Wilms: „Es muss satt machen, es muss aber auch schmecken und Freude machen.“ Und wenn das dann noch in schönem Ambiente an einem gedeckten Tisch stattfindet, spielen Kalorien kaum noch eine Rolle. Gleiches gelte für geselliges Essen im Freundeskreis auf der Kiwo. Silke Willms: „Wenn Sie etwas durch und durch glücklich fühlen, was soll daran falsch sein?“

Was verträgt der deutsche Magen?

„Kochen ist aufwändig“, weiß die DAK-Expertin aus Erfahrung: „Ich komme gestresst von der Arbeit und soll dann noch kochen? Da hat sich in der Gesellschaft viel verändert. Für Freizeit bleibt immer weniger Zeit.“ Es sei erwiesen, dass der Geschmackssinn von Ungeborenen bereits im Mutterleib geprägt wird von dem, was die Mutter zu sich nimmt. Sie setzt deshalb auf traditionelle und natürliche Ernährung mit Nahrungsmitteln aus der Region. Willms: „Mit Kartoffeln, Gemüse, Fleisch und Soße sind meine Großeltern noch 80 Jahre alt geworden.“

Auf dem Internationalen Markt präsentiert aber die ganze Welt ihre traditionellen Gerichte. Ist der Deutsche Magen dafür überhaupt geeignet? Gesundheitsexpertin Willms rät zur Entspannung: „Die Stände sind zehn Tage hier — da kann ich ruhig mal. Exotische Sachen wie Rentierfleisch sind da schon okay. Es muss allerdings nicht jeden Tag sein.“

Von Irland bis nach Ruanda – das Votum der Expertin:

 

Erster Halt beim Bummel mit Ernährungsberaterin Silke Willms über den Internationalen Markt ist der Irische Stand hinter dem Opernhaus. Christa Räsener steht dort an zwei Kochplatten. „Mit Liebe kochen, dann schmeckt es auch“, lautet ihr Motto. Eigentlich ist das Irish Stew erst am nächsten Tag so richtig gut durchgezogen. Aber so viel Zeit hat sie nicht, vier Stunden müssen reichen. Deshalb gilt: Wenn ihr großer Topf leer ist, ist erst mal Schluss. Die Suppe erfüllt genau die Ansprüche der DAK-Expertin an natürliches Essen: „Einmal quer durch den Garten und noch etwas mehr.“

Was gibt es nicht alles am Ruandischen Stand: Kamel, Zebra und Krokodilfleisch. „Doch“, versichert die Verkäuferin: „das wird in Ruanda wirklich gegessen. Allerdings nicht als Burger.“ Wir entscheiden uns für den Probierteller mit zwei unterschiedlichen Gerichten drauf. Und sind enttäuscht. Vom Ingwer ist kaum etwas zu schmecken, das Gemüse ist labberig weich, keine Geschmacksexplosion.

Finnin Minna Laakkonen präsentiert den fertigen Lachs.
Andreas Olbertz
Finnin Minna Laakkonen präsentiert den fertigen Lachs.
 

Minna Laakkonen ist waschechte Finnin, spricht aber fließend Deutsch. Sie ist für den Feuerlachs zuständig. Sie bestätigt, dass es sich dabei tatsächlich um ein traditionell finnisches Gericht handele. „Allerdings mehr als Freizeitspaß“, erklärt sie. Bei etwa 70 Grad werde der Fisch langsam über der Flamme gegart. Der Finne esse dazu Kartoffeln sowie Pilze und Beeren aus dem Wald.

Am österreichischen Stand kommen Germknödel ins Visier. „Teuer aber gut“, findet ein Besucher am Stand. Uns erscheint das aber als Nachtisch dann doch zu mächtig.

Die Ernährungsfachfrau will Alkohol nicht schön reden, aber ein Schnaps zur Verdauung ... „wenn da wirklich gute Kräuter drin sind und nicht nur Aromen, ist dagegen nichts einzuwenden.“

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