Kieler Woche Poetry-Slam : Schlagabtausch der modernen Poeten

Im Ratsdienergarten am Start: David Friedrich:
Im Ratsdienergarten am Start: David Friedrich:

Die Elite der Wort-Künstler kämpft am Dienstagabend um den Sieg beim Poetry Slam. Die Teilnehmer reisen unter anderem aus Spanien und den USA an.

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23. Juni 2015, 11:30 Uhr

Heute Abend steigt auf der Jungen Bühne im Ratsdienergarten der große Poetry Slam der Kieler Woche. Moderiert wird er wie schon in den Vorjahren von Björn Högsdal. Hier arbeitet er als Autor und Kulturveranstalter. Mit knapp 200 Auftritten im Jahr ist er ein sehr aktiver Poetry Slammer.

Ab 20 Uhr kündigt er eine Reihe von bekannten Slampoeten, national wie international, an. Neben Gästen aus den USA oder Spanien tritt unter anderem auch Lisa Eckhart an. Die 22-Jährige kommt aus Graz und slammt erst seit knapp einem Jahr. „Davor habe ich mich nach meinem Studium erfolglos an Schauspielschulen beworben“, erzählt sie. Das war in Berlin. Studiert hat sie übrigens in Frankreich, und zwar Germanistik. Von Poetry Slams habe sie lange nichts gewusst: „Bei uns in den tiefsten Bergen in Österreich war das nicht so präsent,ein Bekannter hat mir zufällig was davon erzählt.“ Zuerst dachte sie, es handele sich um Stand Up-Programme. „Aber dass dem nicht so ist, habe ich ganz schnell gemerkt. Nach meinen gescheiterten Versuchen als Schauspielerin habe ich hierbei eine Bühne gefunden, auf der ich meine eigenen Texte einer großen Plattform präsentieren kann.“ Inzwischen ist das Slammen zu ihrer momentanen Hauptbeschäftigung geworden. In ihren Texten geht es meistens um Gesellschaftskritik, die „immer irgendwie dabei ist“. Sie stellt jedoch klar: „Ich will nicht, dass meine Texte einem roten Faden folgen. Außer dem Reim, der immer dabei ist. Hauptsache, es gibt einen Bruch.“ Für sie kommt es nicht darauf an, immer gut anzukommen: „Natürlich, was will man mehr, als performen und die Leute finden es gut. Aber auch wenn etwas nicht gut gefunden wird, ist es nicht schlimm.“ Kiel ist für die Österreicherin im übrigen kein ganz neues Pflaster: „Im Januar war ich bereits bei einem Poetry Slam in der Pumpe.“

Eine vergleichsweise kurze Anreise hat der in Hamburg lebende David Friedrich (Foto). Der 23-Jährige ist Slam-Poet, Moderator und Schauspieler. In München geboren begann er bereits als 15-Jähriger mit dem Dichten und Auftreten. „Angefangen habe ich als Teenager eigentlich mit Rap, aber ich bin nicht so musikalisch. Darüber habe ich dann zum Poetry Slam gefunden“, sagt er. Dort habe er dann sofort „Blut geleckt“. Nach den bayerischen U20-Meisterschaften stand er dreimal im Finale der deutschen U20-Meisterschaften im Poetry Slam. 2011 zog es Friedrich in die Hansestadt, wo er 2013 und 2014 Stadtmeister wurde. Mittlerweile kann er von dem Slammen auch finanziell leben.

Ein spezielles Themengebiet deckt der angehende Sozialpädagoge dabei nicht ab: „Ich schreibe über Dinge, die mich beschäftigen. Das ist immer eine Mischung aus eigenen Problemen, Problemen der Mitmenschen oder auch kritischen, politischen Situationen.“ Das seien in letzter Zeit unter anderem die Flüchtlingspolitik, Pegida sowie Toleranz und Homophobie gewesen. Worum es heute Abend geht? „Meine neuesten drei Texte handeln von ‚Realness’ sowie vom modernen Fortschritt, bei dem die Gesellschaft jedoch immer weniger moralisch handelt. Der dritte ist eine fiktive Liebesgeschichte, die sich aber nicht ganz ernst nehmen will.“

Was davon beim Kieler Woche Slam präsentiert wird, ist am Dienstagabend ab 20 Uhr zu hören. Der Eintritt ist frei.

>Auf der Jungen Bühne im Ratsdienergarten treten neben David Friedrich und Lisa Eckhart auf: Sebastian Rabsahl (Bochum), Tobi Kunze (Hannover), Mike McGee (USA), Dani Orviz (Barcelona), Mona Harry (Hamburg), Mriri (Wien) und Andy Strauß (Münster).

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