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Kieler Woche 2017 : Protest der Traditionsschiffer: 75 Segler liegen bei Windjammer-Parade still

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Die Segler drücken ihren Unmut über eine geplante Sicherheitsrichtlinie aus. Dadurch entsteht ein ungewohntes Bild.

 

Kiel | Am Morgen der Windjammerparade kräuselt sich das Wasser der Kieler Förde im Regen. Was an Land für Unmut sorgen würde, hat die Besatzung des Dreimasttopsegelschoners „Thor Heyerdahl“, der die Parade der Großsegler anführt, schnell als „bestes Segelwetter“ identifiziert. Die Windjammerparade, bei der jährlich rund hundert traditionelle Großsegler im Verbund zum Marinedenkmal in Laboe fahren, ist ein Höhepunkt der Kieler Woche.

Die Windjammer-Parade wurde überschattet von einem Protest gegen eine neue Verordnung des Bundesverkehrsministeriums zu den Traditionsschiffen. Die Auflagen, beziehungsweise die geforderten Umrüstungen der alten Schiffe, sind für deren Betreiber finanziell teilweise nicht stemmbar. Das würde sich auch auf Veranstaltungen wie die Windjammer-Parade und andere Treffen von Traditionsseglern in SH wie etwa die Rumregatta in Flensburg auswirken. Bei dem Protest geht es daher auch um den Erhalt eines kulturellen Erbes.

Alles wie immer - dieser Eindruck drängt sich auf, als die „Thor Heyerdahl“ den Anker lichtet und die Führung übernimmt. Doch als die ersten 20 Schiffe ihre Wartepositionen am Ostufer der Kieler Förde verlassen haben, bietet sich den Tausenden Zuschauern an der Uferpromenade ein ungewohntes Bild: Als hätten sie ihren Einsatz verpasst, halten die Besatzungen der „Nachhut“ - rund 75 Schiffe - still. Und in der Parade, in der sich die Windjammer sonst wie Perlen einer Kette aneinanderreihen, tut sich eine weithin sichtbare Lücke auf. Von Deck der „Thor Heyerdahl“ sind die Segel der nachfolgenden Schiffe durch den Nieselregen bald nur noch als Bildpunkte in der Ferne auszumachen.

Hinter der Aktion steckt eine Art Meuterei. Die Aktion solle ein Zeichen setzen gegen die vom Bundesverkehrsministerium geplante Sicherheitsverordnung für Traditionsschiffe, erklärt der Vorsitzende des Betreibervereins „Thor Heyerdahl“, Michael Saitner. „Die Aktion soll zeigen, dass in Zukunft sehr viele Schiffe fehlen werden, wenn die Verordnung in Kraft tritt.“ Sie sieht schärfere Sicherheits- und höhere Ausbildungsanforderungen an die Besatzung historischer Schiffe vor. Betroffen seien alle etwa 110 Traditionsschiffe in Norddeutschland, sagen Experten. Ihnen drohe die Stilllegung.

Aus Sicht des Ministeriums unter Alexander Dobrindt (CSU) soll die Verordnung vor allem die Sicherheit von Passagieren erhöhen. Ein Ombudsmann soll zwischen den Traditionsschiffern und dem Ministerium vermitteln, um im Zweifel Einzellösungen für Schiffe zu finden. An der Sorge der Schiffer ändert das nichts. „Wir arbeiten längst auf einem hohen Sicherheits- und Ausbildungsniveau“, sagt Saitner. „Unsere Besatzung umfasst rund 400 Menschen.“ Schon jetzt seien die Ehrenämtler bis zu zehn Tage im Jahr mit Fort- und Weiterbildungen beschäftigt. „Mit der Sicherheitsverordnung kämen 20 weitere hinzu. Ich kann unseren Leuten nicht vermitteln, dass sie ihren ganzen Jahresurlaub dafür einplanen müssen.“ Nach der neuen Verordnung würden Spezialkurse fällig: „Da sprechen wir von Kurskosten von mehreren tausend Euro pro Nase. Selbst wenn wir dafür Gelder bekämen, kriegen wir natürlich den Kaltaufwand niemals hin.“ Doch auch ohne dass die neue Verordnung bereits in Kraft ist, fehlen bei der Windjammerparade in diesem Jahr viele Großsegler.

Zum ersten Mal fiel das laut Veranstaltern größte Segelevent der Welt in diesem Jahr mit der Regatta „Sail den Helder“ zusammen - Schiffe wie die „Sedov“ und die „Kruzenstern“ entschieden sich, in den Niederlanden zu starten. „Sowas kann natürlich immer passieren, zumal die Großsegler in Den Helder auch Antrittsgelder bekommen. Die viel größere Bedrohung ist die Verordnung von Herrn Dobrindt“, sagt der Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD), der den Protest der Traditionsschiffer unterstützt.

Eine Kieler Woche ohne Windjammerparade kann er sich trotz allem nicht vorstellen. „Im nächsten Jahr haben wir hoffentlich wieder die Gorch Fock dabei, möglicherweise sogar ihr Schwesterschiff. Aber im Moment überwiegen doch bei vielen Traditionsschiffern die Sorgenfalten.“

Alles rund um die Kieler Woche 2017 lesen Sie auch in unserem Liveblog.

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erstellt am 24.Jun.2017 | 14:09 Uhr

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