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Nikolas Häckel : Prominenter Sanitäter: Sylts Bürgermeister arbeitet auf der Kieler Woche 2015

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Schreibtisch des Bürgermeisters im Westerländer Rathaus bleibt diese Woche leer: Nikolas Häckel fährt Rettungswagen auf der Kieler Woche. Für ihn ist das Ehrenamt Erholung pur.

shz.de von
erstellt am 20.Jun.2015 | 17:33 Uhr

Kiel/Sylt | Es ist seine Leidenschaft, die er sich auch als Sylter Bürgermeister nicht nehmen lässt: Nikolas Häckel ist in diesen Tagen als Sanitäter auf der Kieler Woche im Einsatz. Der Verwaltungschef der Inselgemeinde, der erst seit Anfang Mai im Amt ist, ist seit seinem zwölften Lebensjahr beim Roten Kreuz aktiv und ausgebildeter Rettungssanitäter mit Zusatzqualifikationen zum Gruppen- und Zugführer. Auf der Kieler Woche versorgt er zehn Tage lang wechselweise die Verletzten, fährt den Rettungswagen und koordiniert die Einsätze der Helfer. „Für mich ist das pure Erholung. Die Arbeit ist zwar körperlich sehr anstrengend, aber unter den Kollegen baut sich eine ganz tolle Stimmung auf”, sagt Häckel. Am Ende kehre er mit einer „Grundeuphorie” an seinen Schreibtisch im Sylter Rathaus zurück.

Für den 41-Jährigen ist der Rettungseinsatz auf der Kieler Woche nicht der einzige: Seit vielen Jahren schon fährt er auch zum Kölner Karneval und zum Münchener Oktoberfest, um dort seine DRK-Kollegen zu unterstützen. Fast sein gesamter Jahresurlaub geht dafür drauf. „Die Kieler Woche ist als regionale Veranstaltung natürlich etwas Besonderes”, sagt der gebürtige Sylter, der vor seinem Amtsantritt als Bauamtsleiter in Kronshagen arbeitete und daher eine besondere Verbindung zu Kiel pflegt. Zum 13. Mal ist er als Sanitäter auf dem Volksfest in der Landeshauptstadt im Einsatz.

„Kein Jahr war wie das andere”, sagt er im Rückblick. Vor einigen Jahren habe der Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen den Helfern stark zu schaffen gemacht. Das habe inzwischen wieder nachgelassen. Der schlimmste Unfall, bei dem Häckel im Einsatz war, sei der Sturz einer Besucherin von einem Klettergerüst gewesen. Größte Herausforderung sei allerdings nicht die Versorgung der Schwerverletzten, sondern die seelsorgerische Betreuung der umstehenden Gäste gewesen.

Auch auf Sylt sitzt Häckel übrigens mindestens zwei Mal im Monat auf dem Rettungswagen, eine weitere Schicht fährt er regelmäßig in Kiel. „Man muss ja in der Übung bleiben.”

Unter den Sylter Lokalpolitikern wurden bereits kritische Stimmen laut. Als neuer Bürgermeister müsse er die volle Aufmerksamkeit seiner Gemeinde widmen, hieß es. Häckel begegnet solchen Vorwürfen gelassen: „Es wird zwar einerseits verlangt, dass ich mich auf mein Amt konzentriere. Auf der anderen Seite erwartet die Bevölkerung aber auch, dass sich Amtsträger sozial engagieren.” Er bleibe auch als Bürgermeister weiterhin Mensch und werde sich ehrenamtlich einsetzen. Das geschehe ja ohnehin in seinem regulären Jahresurlaub. “Für die Kieler Woche bleibe ich fünf Arbeitstage meinem Schreibtisch fern. Das ist vertretbar.”

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