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Kieler Woche 2015 : Ocean Jump: Spannung, Sport und ein bisschen Wahnsinn

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Surfer und Biker liefern sich beim Ocean Jump einen spektakulären Wettkampf. Alexander Lehmann, der „Godfather“ dieser Funsportart, verrät im Interview wie alles angefangen hat.

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erstellt am 21.Jun.2015 | 16:02 Uhr

Kiel | Mit 40 Kilometern pro Stunde rast Alexander Lehmann die Rampe herunter. Beim Absprung-Punkt schraubt er sich mitsamt Skateboard und Windsurf-Segel hoch in die Luft, reißt eine Hand vom Baum und vollführt eine Drehung – bevor er hart auf dem Wasser aufklatscht. Die Musik aus den Boxen wummert, hunderte Zuschauer am Bootshafen bejubeln begeistert den ersten Sprung der Qualifikation für die Weltmeisterschaft im Ocean Jump am Sonnabend. Diese Funsportart gibt es nur in Kiel – und die Wettbewerbe, bei denen Surfer und Biker auf einer zehn Meter hohen Rampe rasante Geschwindigkeiten erreichen und ihrem Publikum die waghalsigsten Manöver in der Luft zeigen, gibt es ausschließlich auf der Kieler Woche.

Alexander Lehmann hat den Ocean Jump vor zehn Jahren erfunden.
Alexander Lehmann hat den Ocean Jump vor zehn Jahren erfunden. Foto: Cornelia Pfeifer

Alexander Lehmann ist der „Godfather“ und Erfinder dieser Sportart, wie die Moderatoren nicht müde werden zu betonen. Dieses Jahr ist er gestern außerdem auch noch Weltmeister geworden. Diesen Titel teilt er sich mit dem punktgleichen Mattis Hansen auf dem Bike – so etwas hat es in der Geschichte des Ocean Jump noch nicht gegeben.  

Vor zehn Jahren  hat alles mit der Frage angefangen, wer „cooler“ ist: Windsurfer oder Mountainbiker? Alexander Lehmann ist Geschäftsführer seines eigenen Funsport-Verlags, Terra Oceanis. „Irgendwann kamen wir auf die Idee, diese Frage in einem Wettbewerb auszufechten.“ Gesagt, getan: Noch im selben Jahr stand zum ersten Mal eine Rampe an der Hörn, aufgebaut zwischen zwei VW-Bullis. Mountainbiker und Windskater – also Windsurfer auf einem Skateboard  – zeigten abwechselnd ihre besten Tricks beim Sprung ins kalte Wasser der Kieler Förde.  Eine neue Funsportart war geboren und zog mit den Jahren immer mehr Zuschauer an. Wenn die Sportler bei der Nachtshow im Licht einer Lasershow springen, kommen schon mal über 10000 Menschen zusammen. In diesem Jahr findet das Event – zum zehnjährigen Jubiläum – erstmals im Bootshafen statt. Aber auch sonst hat sich seit der Premiere im Jahr 2005 einiges verändert: „Das war eigentlich Wahnsinn – wir sind ohne irgendwelche Sicherheitsausrüstung einfach in Shorts gesprungen“, erinnert sich Alexander Lehmann.

Damals gab es gleich mehrere Trommelfellrisse durch den harten Aufprall aufs Wasser – „bis wir auf die Idee gekommen sind, Helme mit Ohrenschutz zu benutzen.“ Dazu sind mittlerweile zahlreiche andere Sicherheitsmaßnahmen wie Schutzwesten und Neoprenanzüge gekommen. „Und natürlich darf bei uns nicht jeder springen. Das sind alles Semi-Profis im Windsurfen und Biken.“

Alexander Lehmann zeigt waghalsige Sprünge.
Alexander Lehmann zeigt waghalsige Sprünge. Foto: Cornelia Pfeifer

Mit seinen 42 Jahren ist Alexander Lehmann mit Abstand der älteste Teilnehmer. Der Großteil ist zwischen 20 und 26 Jahren alt. „Nach der letzten Siegerehrung meinte jemand zu mir: Du weißt schon, dass du deutlich älter bist als alle anderen? Aber ich fühle mich nicht alt und 2012 habe ich auch noch den Weltmeister-Titel geholt“, erzählt Lehmann grinsend. Natürlich gehöre auch ein gewisses Maß Wahnsinn zu diesem Sport, „aber ich genieße es total.“ Und dann gehört auch noch eine große Portion Siegeswille dazu. Als hätte er seinen Sieg schon erahnt, sagt Lehmann: „Wenn ich unter ferner liefen fahren würde, hätte ich schon längst aufgehört. Mein realistisches Ziel ist es, Weltmeister zu werden. Käme ich nicht ins Finale unter die besten Acht, wäre das mein letzter Ocean Jump.“

In diesem Jahr sind 19 Teilnehmer dabei, fünfmal steigt einer nach dem anderen mitsamt Equipment die schmale Leiter des Turms herauf, rast die Rampe herunter und vollführt Vor- und Rückwärtssalti in der Luft.  Im Prinzip sind die Tricks dieselben, die die Surfer auch auf dem Wasser und die Biker auf ihren Rampen machen. Üben kann den Ocean Jump aber trotzdem niemand, die Performance vor dem Publikum muss sofort stimmen. Und der Auftritt vor hunderten oder sogar tausenden von Menschen ist es auch, der der Veranstaltung für Lehmann den eigentlichen Kick gibt.

 

Die Biker schrauben sich hoch in die Luft.
Die Biker schrauben sich hoch in die Luft. Foto: Cornelia Pfeifer

„Als Funsportler treten wir ja nur sehr selten vor Publikum auf. Selbst bei den großen Surfevents auf Sylt oder in St. Peter-Ording sind die Zuschauer ja immer weit entfernt.“ Dieser Moment, wenn das Publikum den Sportlern zujubelt, sei der Hammer. „Da läuft es einem kalt den Rücken herunter, das pusht einen total.“

Mit dabei sind jedes Mal auch Alexander Lehmanns Eltern, Joachim und Renate Lehmann. „Ich habe Alexander das Surfen beigebracht, als er fünf Jahre alt war“, erzählt Joachim Lehmann stolz. Er findet es toll, was sein Sohn mit seinem Verlag, dem Ocean Jump und in diesem Jahr auch mit dem ganzen Funsport-Areal am Bootshafen auf die Beine gestellt hat. „Aber am wichtigsten ist, dass er heile runter kommt. Er ist ja auch nicht mehr der Jüngste. Immerhin weiß ich, dass er sein Brett beherrscht.“

Die Frage, wer „cooler“ ist, hat Lehmann als passionierte Windsurfer für sich schon lange geklärt: „Natürlich die Surfer“.

Das WM-Finale findet am ersten Sonntag der Kieler Woche ab 18 Uhr statt. Zwei weitere Ocean Jump Nightshows gibt es am Donnerstag und Samstag ab 23 Uhr.

Mehr zur Kieler Woche auf www.shz.de/kielerwoche.

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