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KiWo 2017 : Mit Slider: Die Kieler Woche gestern und heute

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Tanz, Sport, Autorennen: Die Kieler Woche hatte schon früh ein vielschichtiges Programm zu bieten. Aber wie sah das genau aus? Eine Fototour durch verschiedene Jahrzehnte - bis heute.

shz.de von
erstellt am 24.Jun.2017 | 20:41 Uhr

Wie hat sich die Kieler Woche verändert? Um das herauszufinden will ich Fotos aus vergangenen Zeiten zeigen und die Originalschauplätze aufsuchen. Dann werde ich Bilder machen und sie den alten Aufnahmen gegenüberstellen. „Klingt spannend“, findet der Mitarbeiter aus dem Stadtarchiv, das mir die Daten zu den Originalen zur Verfüging stellt. „Klingt nach viel Arbeit“, findet ein Arbeitskollege.

Das jüngste Foto ist von 1978 und zeigt eine Sportvorführung in den Bismarckanlagen, die heute Hiroshimapark heißen. Das älteste Bild wurde 1904 aufgenommen. Es zeigt die Einweihung des Krupp-Denkmals im Garten des Kaiserlichen Yacht-Clubs. „Schon in der Kaiserzeit war die Kieler Woche ein ganz glanzvolles Ereignis, das auch damals schon internationales Publikum anzog“, erzählt Katrin Seiler-Kroll, Sammlungsleiterin des Stadt- und Schifffahrtsmuseums. Bevor ich mich auf die Suche mache, telefoniere ich mit ihr und lasse mir erklären, wie sich die Kieler Woche entwickelt hat. 1882 startete hier die erste Segelregatta, damals noch ohne den Namen Kieler Woche. Schon früh entwickelte sich die Veranstaltung zu einem Großereignis, sagt Seiler-Kroll. „Das lag daran, dass der Kaiser regelmäßig anwesend war. Die Kieler Woche war damals auch ein gesellschaftliches Ereignis, bei dem sich höhere Gesellschaftsschichten gerne zeigten.“

<p>Einweihung Krupp-Denkmals zur Eröffnung der Kieler Woche</p><p>1904.</p>

Einweihung Krupp-Denkmals zur Eröffnung der Kieler Woche

1904.

Foto: Stadtarchiv Kiel, 1.1 Fotosammlung

Ich gebe mir einen Tag Zeit, um die Orte zu finden. Die Zeit ist knapp bemessen. Aus dem Internet ziehe ich mir eine Karte und markiere Stellen, an denen ich die Originalorte vermute. Ein paar Mal müssen mir Kollegen helfen, die die Stadt kennen. Mein erstes Ziel ist der Kleine Kiel.

Das Bild aus dem Jahr 1954 zeigt Erwachsene und Kinder, die auf dem Kleinen Kiel Modellboote zu Wasser lassen. Die Männer tragen Hemd und Bügelfaltenhose, die Haare sind mit Pomade sorgsam frisiert. Im Hintergrund erkennt man die Kieler Sparkasse. Die steht heute immernoch da, aber die Menschen, die ich hier treffe, sind weniger akkurat angezogen. Auch die Bepflanzung hat sich stark verändert. Heute gibt es hier mehr Bäume und an der Böschung wachsen Uferpflanzen. „Das hat die Stadt pflanzen lassen, damit mehr Sauerstoff in den See kommt. Damit das Wasser nicht umkippt“, erzählt mir ein Kieler.

 

In den 50er Jahren veränderte sich die Kieler Woche. Nun seien mehr Sportveranstaltungen abseits des Segelns gezeigt worden, erklärt Seiler-Kroll. Das habe auch damit zu tun, dass das Segeln ein kostenintensives Hobby war, das sich nur eine bestimmte Gesellschaftsschicht leisten konnte. Schon ab den 20er Jahren habe sich die Kieler Woche mehr zu einem Fest für alle entwickelt; die verschiedenen Sportveranstaltungen in den 50ern trugen zu der Entwicklung bei. So haben sich auch Schulen und Vereine beteiligt und gemeinsame Vorführungen veranstaltet.

<p>Sport- und Musikschau in den</p><p>Bismarckanlagen zur Kieler Woche 1978</p>

Sport- und Musikschau in den

Bismarckanlagen zur Kieler Woche 1978

Foto: Stadtarchiv Kiel, 2.3 Magnussen

Eines meiner Bilder zeigt eine Tanzveranstaltung von 1952 auf den Bismarkanlagen. Seit 1987 heißt dieser Ort Hiroshimapark. Das Foto zeigt junge Menschen, eher Kinder als Erwachsene, die sich um einen Bündel Fahnen im Kreis drehen. Die Mädchen tragen weite Röcke, die übers Knie reichen, und flache Schuhe, viele haben ihre Haare zu Zöpfen geflochten und um den Kopf geschlungen. Die Jungs tanzen in Stoffhose, T-Shirt oder Hemd; einer trägt eine bayerische Lederhose. Im Hintergrund sieht man auf dem Foto den Kirchturm von St. Nikolaus, dessen Fassade heute hinter einem Gerüstaufbau verschwindet. Auch hier hat sich die Vegetation verändert. Bäume wurden gepflanzt oder sind größer geworden, sodass die Fassaden der Häuser verschwinden.  

Ich laufe zurück zum Kleinen Kiel und suche den nächsten Standort. Mein Vorlagebild stammt aus dem Jahr 1971 und zeigt Kinder und Erwachsene bei der Schleswig-Holsteinischen Mädchen- und Jungenruderregatta. Der Ort ist nicht so leicht zu finden. Die Sparkasse identifizere ich noch, aber egal wie ich mich hinstelle - die Perspektive passt nicht. Ich frage einen Passanten. Wir rätseln. Dann schickt er mich zu der anderen Seite des Sees. Ich soll am Wasser langlaufen, bis ich ein Denkmal sehe. Passt. Ein anderer Passant kommt mir entgegen. Könnte das hier sein? Ja, das ist definitiv hier, erzählt er. Er kann sich sogar an die Kinderregatta erinnern. „Sehen Sie die Stege auf dem Foto? Die wurden extra für diese Veranstaltung gebaut.“

 

Auf meiner Tour verlasse ich die 70er Jahre wieder und begebe mich zurück in die 50er. Mein nächstes Bild wurde 1952 aufgenommen. Es zeigt den Start des Hafenkurses, ein Autorennen, das in der Feldstraße begann. Nähere Informationen zu den genauen Ort habe ich nicht. „Nun, die Feldstraße ist lang. Da suchen Sie mal schön“, antwortet mir eine Passantin. Auch die Kollegen aus Kiel wissen nicht weiter. „Lustig, da gibts die Straßenbahn noch“, sagt eine. Ich frage mich durch, bekomme aber keinen heißen Tipp. "Fragen Sie mal im Altersheim. Da kann sich vielleicht noch jemand erinnern", rät mir eine Frau. Ich mache mich auf den Weg, dann meldet sich eine Kollegin. Sie hat in der Facebookgruppe „Du wohnst schon lange in Kiel, wenn ...“ um Rat gefragt und vielversprechende Antworten bekommen. Bei der Hebbelschule, Feldstraße 177, soll das Rennen gestartet sein. Ich fahre hin und finde eine Stelle, die passen könnte. Allerdings ist das nur ein Gefühl. Es gibt keine Orientierungspunkte auf dem Originalbild, keine eindeutlig zu identifizierenden Gebäude oder Landschaftsformation.

Es ist Abend geworden und ich muss abbrechen. Gerade die Suche in der Feldstraße war sehr kompliziert.

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