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Kieler Woche 2015 : Milow verrät: Er joggt heimlich auf der KiWo

vom

Zwei shz.de Reporterinnen treffen Milow vor seinem Konzert. Warum er sich besonders mit Kiel verbunden fühlt.

shz.de von
erstellt am 25.Jun.2015 | 20:35 Uhr

Kiel | Zum zweiten Mal ist der belgische Songwriter Milow in Kiel zu Gast. Auf der Kieler Woche spielt er besonders gern, weil er hier auch Fans erreicht, die kein Geld für seine Konzerte bezahlen müssen. shz.de-Reporterin Julia Hahnke traf den belgischen Musiker vor seinem Auftritt zum Interview.

Bist du zum ersten Mal in Kiel?

Nein, ich bin zum zweiten Mal hier. Ich habe bereits 2010 auf der gleichen Bühne auf der Kieler Woche auftreten können. Wisst ihr wieso ich mich daran erinnere? Es war das erste Mal, dass jemand im Publikum geweint hat, als ich auf die Bühne kam. Erst war ich irritiert, doch dann natürlich sehr geschmeichelt. Das habe ich so noch nie gesehen. Ich fragte mich: Oh, da stimmt was nicht, doch alles war in Ordnung: Sie war nur einfach sehr glücklich. Das war besonders für mich. Auf dieser Bühne hat man einen guten Überblick über das Publikum - hier sehe ich auch die Boote und den Hafen, das ist unglaublich schön.

Bist du gern hier? Hast du ein Boot? Liebst du segeln?

Ich liebe Boote, habe aber selbst keins. Vor einem Jahr spielte ich ein Konzert auf Mykonos (Griechenland). Das war das letzte Mal, dass ich auf einem Boot war. Es war ein wunderschöner Tag mit tollem Wetter. Am Nachmittag genossen wir das und mieteten uns ein Boot. Es war nicht so viel los, sodass wir ein größeres Boot bekamen als wir wollten. Dann haben wir eine sehr entspannte Bootsfahrt übers Mittelmeer gemacht. Auch unser Kapitän war sehr witzig. Ich liebe Segeln. Ich bin in meiner Kindheit bereits viel gesegelt.

Hast du dir bereits ein Fischbrötchen Kiel gegönnt?

Nein, noch nicht, aber ich bin am Nachmittag hier auf der Kieler Woche joggen gewesen, aber niemand hat mich erkannt, was ich ganz angenehm fand.

Hast du eine verrückte Geschichte mit einem Fan erlebt?

Es gibt viele gute Fan-Geschichten. Seit ich 2009 mit dem Touren angefangen habe, fragte ich mich immer mehr wieso Menschen eigentlich zu meinen Konzerten kommen. Ich finde es verrückt, dass Menschen stundenlang warten, um mich zu sehen. Sie warten teilweise Stunden darauf mich zu sehen. Ich kann es immer noch nicht fassen wenn ich es manchmal sehe. Na klar, sie wollen einen guten Platz bekommen. Das ist so cool und verrückt. Ich weiß nicht, wie sie es machen, ob sie krank spielen oder Urlaub nehmen. Das ist besonders cool in Deutschland, denn hier sind die Entfernungen so weit. Die Leute reisen weit bis zu meinen Konzerten. Aus Belgien bin ich kleinere Distanzen gewohnt. Das finde ich ganz schön verrückt.

Erhälst du viele verrückte Fan-Geschenke wie BH’s oder Heiratsanträge?

Heiratsanträge passieren schon mal. Es ist natürlich nicht ernst gemeint, es ist Spaß. Ich mag es wenn meine Fans so lustige Sachen tun.

Was ist das Beste daran „berühmt“ zu sein?

Ich finde nicht, dass ich berühmt bin. Meine Musik wird zwar von vielen Menschen gehört, aber trotzdem würden viele Menschen mein Gesicht nicht mit dieser Musik verknüpfen. Wie gesagt, die Menschen erkennen mich nicht direkt, wenn ich joggen gehe. Ich mag das richtig gern, denn ich möchte noch in den Supermarkt gehen ohne erkannt zu werden. Es war nie mein Ziel erkannt zu werden, deshalb lebe ich im Moment auch so gern in L.A. Hier werde ich noch weniger erkannt. Dort gibt es viel berühmtere Gesichter als mich. Am besten am Job gefällt mir allerdings der Erfolg. Es gibt Menschen, die sind super berühmt, aber nicht unbedingt erfolgreich. Ich kann das machen, was mir Spaß macht. Zum Beispiel habe ich gerade ein neues Album aufgenommen und hatte hierbei keine Einschränkungen in Hinblick auf das Budget oder die Zeit. Deshalb konnte ich mich komplett auf die Musik konzentrieren. Ich mache das, was ich am meisten lieben. Eigentlich mache ich zehn Jobs auf einmal. Ich schreibe Lieder, singe sie, performe sie, mache Musikvideos, denke über die Lichtshow nach, treffe tolle Musiker. Es ist ein großes Geschenk nur die Dinge zu tun, die ich tun möchte. Wenn ich zum Beispiel keine Lust auf dieses Interview hätte, würde ich es nicht tun.

Hast du über irgendwelche Stereotypen über Norddeutsche gehört?

Ich habe davon gehört, dass sie als Publikum eher kühl sein sollen. Das habe ich bei meinen Auftritten hier allerdings noch nie erlebt. Es gibt natürlich regionale Unterschiede. Beispielsweise ist es schwieriger das Publikum in Berlin zu begeistern, aber das passiert mir auch manchmal in den Niederlanden. Sofern man seine eigene Fan-Base in einer Stadt hat, funktionieren solche Stereotypen eh nicht mehr.

In einem Interview hast du gesagt, dass die europäischen Fans zu nett sind?

Hab ich wirklich zu nett gesagt? Wie kann man zu nett sein? Ich mag es neue Lieder an Orten auszutesten, an denen mich die Leute noch nicht besonders kennen. Deshalb bin ich richtig gern hier. Nicht jeder der Besucher würde für meine Konzerte Geld bezahlen. Hier kommen einfach spontan Leute vorbei und genießen die Musik. So kann ich sie von mir und meinen Liedern überzeugen. Wenn ich vor meinen Fans neue Lieder austeste, sind die mir meistens sehr positiv zugewandt. Deshalb ist es besser vor einem unbekannten Publikum zu testen, ob neue Songs gut ankommen. Dabei bekomme ich ein gutes Gespür für die Reaktionen. Es ist so etwas wie ein innerer Kampf um die Frage: Wie schaffe ich etwas das gut genug ist? Zum Beispiel werden wir im August zum ersten Mal einen Gig in Bulgarien spielen. Ich habe keine Ahnung, wie oft ich dort gehört werde.

Was macht einen guten Song für dich aus?

Das wichtigste für mich ist die Intuition. Musik ist eine super subjektive Sache. Es gibt einen engen Kreis von Menschen, die ich frage, wenn ich unsicher über meine Musik bin. Natürlich kann ich nicht jedem gefallen. Zu diesem Kreis Menschen gehören einige meiner Musiker, die mich seit sieben Jahren musikalisch begleiten. Mir ist besonders wichtig, dass es Menschen sind, die mich kennen bevor ich den „Durchbruch“ hatte. Heute ist es wirklich schwieriger zu wissen, ob sie mich wirklich mögen oder nur so tun.

Was ist der größte Unterschied zwischen deiner Heimat und L.A.?

In L.A. muss ich keine Socken tragen. Der größte Unterschied ist für mich der Fokus auf das Musikmachen. Wenn ich hier bin, mache ich das auch, allerdings geht es hier mehr ums touren, proben und so weiter. Es geht weniger um das Erschaffen von etwas Neuem. Da drüben lasse ich mich seltener ablenken. Ich mag auch die Veränderung, denn immer wenn ich wieder nach Europa komme, sehe ich etwas mit ganz anderen Augen. Das ist das schöne am Reisen: Man begibt sich aus seiner Komfortzone.

Was steht auf der To-Do Liste?

Es gibt noch Orte, an die ich gerne reisen möchte wie Südafrika, Australien, Japan. Eins meiner größten Ziele ist auch, mit der Musik weiterzumachen. Es ist schwer seinen Durchbruch zu haben, aber es ist noch viel härter auf der Erfolgsspur zu bleiben. Ich versuche als Künstler zu wachsen. Ich liebe diese Herausforderung.

Hat sich dein Leben verändert?

Die Zeit ist so unfassbar schnell vergangen. Man ist ständig unterwegs, trifft aber tolle Menschen und erlebt verrückte Abenteuer. Auf einem persönlichen Ebene: Vorher hatte ich viele Zweifel an meiner Musik und suchte auch meinen Platz. Der Erfolg gab mir mehr Vertrauen in mich selbst. So sehr, dass ich weitermachen kann mit dem was ich tue. Ich habe einen Weg gefunden mich auszudrücken. Früher war ich pessimistischer.

Hast du Pläne für 2015?

Wir spielen 15 Konzerte in diesem Sommer. Zum ersten Mal seit Jahren werde ich auch fünf Konzerte in Belgien spielen. Darauf freue ich mich schon. Dann mache ich eine Solo-Tour im Dezember und Januar. Inzwischen hoffe ich mit dem Album fertig zu werden. Herauskommen soll es Ende Januar 2016. Dahinter steckt viel Arbeit, aber ich bin bereits aufgeregt, denn es gibt neue musikalische Elemente wie Hip Hop-Beats.

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