Kieler Woche 2018 : Metal Yoga auf der Kiwo — Luftgitarre und Headbanging zur Entspannung

Hoch das Bein: Luftgitarren-Metal-Yoga mit Saskia Thode.

Hoch das Bein: Luftgitarren-Metal-Yoga mit Saskia Thode.

Im Rockcamp bietet Saskia Thode Metal Yoga zum Ausprobieren an.

Andreas Olbertz. von
18. Juni 2018, 15:56 Uhr

Kiel | „Fick diiiiich“, grölt die „Vorturnerin“ ins Mikro und das versprengte Häufchen vor der Bühne stimmt etwas verhalten mit ein: „Fick diiiiiich!“ Dazu bangen sie ihre Köpfe und wippen die „Pommesgabel“ im Takt zur Musik in die Höhe. Metal Yoga steht auf dem Programm im Rockcamp der Kiwo.

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„Vielleicht muss man etwas verrückt sein“, erklärt Saskia Thode. Wie sie Metal Yoga erfunden hat? „ Da sind meine Leidenschaften zusammen gekommen.“ Die Ausbildung zur Yoga-Lehrerin absolvierte die junge Norddeutsche, die seit einiger Zeit in Brooklyn lebt, vor vier Jahren. Metalhead ist sie, seit sie zehn war. Ihre Eltern nahmen sie schon früh zu Festivals mit.  Und so hat sie zusammengeführt, was nach Saskias Ansicht zusammen gehört.

Die Pommesgabel gehört beim Metal Yoga natürlich dazu.
Andreas Olbertz

Die Pommesgabel gehört beim Metal Yoga natürlich dazu.

80 Prozent der Kurse, die sie in New York gibt, sind klassisches Yoga — noch, denn der Trend geht in Richtung Metal Yoga. Aktuell ist sie für drei Monate auf Sommertournee durch Europa. Ein Veranstalter hat sie für Kreuzfahrten, Festivals und eben die Kieler Woche gebucht. Die Kunden in New York kommen und gehen nach dem Kurs gleich wieder. Eine wie Saskia Thode, von oben bis unten tätowiert, wird schon mal schnell mit Vorurteilen konfrontiert. Kann so eine überhaupt Yoga-Kurse leiten? Sie kann. Beim Metal Yoga ist das sowieso anders. Vorurteile? Gibt’s nicht. Da kommen auch jene, die sonst eher selten auf der Yogamatte anzutreffen sind: Männer, Homo- und Transsexuelle, da ist die Musik von Anfang an ein Element, das Gemeinschaft stiftet. Und Metal Yoga kann noch mehr.  „Yoga wird immer so hell gesehen, voller Licht, Liebe und Esoterik“, so die Lehrerin. „Aber wir haben zwei Seiten in uns. In unserem sozialen Umfeld ist es schwer, die dunkle auch mal raus zu lassen.“ Da befreit es, im Chor „fick diiiiich“ zu grölen und Geräusche zu machen, die sich nach kollektivem Übergeben anhören. Alles muss raus.

Voller Körpereinsatz beim Metal Yoga auf der Bühne im Rockcamp.
Andreas Olbertz

Voller Körpereinsatz beim Metal Yoga auf der Bühne im Rockcamp.

 

Metal Yoga ist sehr dynamisch. Zum Teil integriert Saskia Thode Luftgitarren-Elemente in das Work-Out. Da kommen die Teilnehmer ordentlich ins Schwitzen. „Irgendwann tun die Muskeln weh, dann muss man aufhören“, findet Metalhead Ralf und rollt seine Matte zusammen. „Ich finde es lustig, es war interessant, das mal probiert zu haben, aber das ist nichts, was ich regelmäßig machen möchte“, lautet sein Fazit nach einer guten halben Stunde.

„Ich finde es lustig, es war interessant, das mal probiert zu haben, aber das ist nichts, was ich regelmäßig machen möchte“, lautet das Fazit von Ralf, Helfer der Wacken-Foundation.
Andreas Olbertz

„Ich finde es lustig, es war interessant, das mal probiert zu haben, aber das ist nichts, was ich regelmäßig machen möchte“, lautet das Fazit von Ralf, Helfer der Wacken-Foundation.

 

„Das Satanskind muss raus“, brüllt Saskia in Mikro und macht die dazu passenden Bewegungen vor.  „Es fließt ganz viel Blut. Das wischen wir weg.“ Als dann im Verlauf des Workouts das Satanskind geschlachtet wird und seine Gedärme rausgerissen werden sollen, reicht es Helena und Sofie.  „Das ist mir zu viel Hass hier“, sagt Helena. Ihre Freundin ergänzt: „Ich mag ausgefallene Arten von Yoga wie Bieryoga, aber das hier ... etwas mehr Liebe wäre gut.“

Für Bianca Gell ist das kein Problem: „So ist Metal eben, so sind doch auch die Songs.“ Die 50-Jährige macht seit zehn Jahren Yoga. Die Metal-Version macht sie zum ersten Mal, deswegen ist sie extra ins Rockcamp gekommen. „Eine coole Idee“, schwärmt sie. Figuren wie die „Heldin“ oder den „herabblickenden Hund“ hat sie widererkannt.

Saskia Thode verwendet auch klassische Yoga-Figuren in ihrem Workout.
Andreas Olbertz

Saskia Thode verwendet auch klassische Yoga-Figuren in ihrem Workout.

 

Saskia Thode bestätigt, dass sie sich im Prinzip an die klassischen Abläufe hält. Der entspannende Teil ist bei ihr dann eben nicht mit esoterischer Dudelmusik. „Wir Metaheads entspannen halt bei Hardcore-Mucke.“

Wer Metal Yoga ausprobieren möchte, hat dazu Freitag, 22. Juni, 14 Uhr im Rockcamp die Gelegenheit. Matten stellt Saskia Thode zur Verfügung.

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