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Internationaler Markt : Kunsthaar und "Rentier-Blut"

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Wer über den Internationalen Markt auf dem Rathausplatz schlendert, begibt sich auf eine Weltreise der Sinne und Genüsse. 31 Länder präsentieren dort ihre kulinarischen und handwerklichen Spezialitäten.

Kiel | Rot-weiß in den Farben Dänemarks gekleidet steht Bärbel Bockholt aus Hamburg vor einem Bündel Fensterbilder aus Pappkarton. Sie friemelt konzentriert die dünnen Bändchen zum Aufhängen auseinander. Der Wind hat sie allesamt verhakt. Das Geschäft läuft schlecht für die Hamburgerin. Ihre handgefertigten Kerzen in schillernden Farben, Mini-Kobolde und Fensterbilder aus Dänemark sind Ladenhüter auf dem Internationalen Markt vor dem Kieler Rathaus. "Kaum jemand bleibt stehen" sagt sie, "Kerzen sind keine Sommerartikel". Eigentlich weiß sie das und ist deswegen damit normalerweise nur im Winterhalbjahr auf Messen und auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs. Auf der Kieler Woche ist Bärbel Bockholt das erste Mal. "Ich habs ausprobiert", sagt sie. Aber im nächsten Jahr wird sie wohl nicht wiederkommen.
Umso besser läuft das Geschäft für Raul de la Cruz. In seiner mexikanischen Heimat ist der Tourismus nicht sehr ausgeprägt. Seit sechs Jahren kommt der Mexikaner mit dem farbenfrohen Hut daher gerne für die Kieler Woche nach Deutschland. Er produziert Handarbeit aus winzigen bunten Perlen, überwiegend Schmuck. "Das hier ist zum Beispiel Arbeit von drei Tagen", sagt sein Freund Vincent Reyes und zeigt auf eine aufwendig gestaltete Halskette in kräftigem Grün und eingearbeiteten orangefarbenen Blumen.
"Wir laufen seit Stunden durch den Regen, um so einen Stand zu finden"

Ihr Handwerk präsentiert auch Agnes Muhundwangeyo aus Rwanda. Sie flechtet Rasta-Zöpfe. Vor Regen geschützt sitzt sie unter dem Zeltdach. Vor ihr im Wind wehen dicke Kunsthaarbündel in blau, pink, orange oder lila. Geduldig wartet sie auf Kundschaft. Normalerweise, wenn es nicht stürmt und regnet, sitzt Agnes Muhundwangeyo draußen vorm Rwanda-Zelt. Dort ziehen die bunten, wehenden Haare und die temperamentvolle, fröhliche Frau automatisch mehr Blicke auf sich. Doch dann wird es voll in dem kleinen Zelt. Die fünfjährige Klara Köchlin kommt mit ihrer Großmutter Gudrun Hunecke aus Molfsee herein. "Wir laufen hier seit Stunden durch den Regen, um so einen Stand zu finden", sagt Gudrun Hunecke. Nach der Farbauswahl - im Trend liegen zurzeit die Deutschlandfarben - nimmt Klara Platz auf dem Frisierstuhl. In Windeseile flechtet Agnes Muhundwangeyo ihr mit flinken Fingern einen rosa-lilafarbenen Zopf ins Haar. Freundin Jessica Berning (10) aus Münster bekommt anschließend einen grün-gelben ins Haar gezaubert. Beide sind begeistert.
Dann hat der Regen für einen Augenblick nachgelassen, und der Marktbesuch kann weiter gehen. Die Polizei-Bigband Schleswig-Holstein heizt derweil den umherschlendernden Gästen mit ihrem "Keep Swingin"-Programm und fetzigen Klängen ein. "Gleich werden wir etwas essen, natürlich etwas, das wir nicht kennen. Ich glaube, ich probiere mal etwas aus Fernost," sagt Gudrun Hunecke.
Die Auswahl an kulinarischen Köstlichkeiten ist breit gefächert auf dem Internationalen Markt und lässt einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Das Angebot reicht von Mittsommer-Milch, "Rentier-Blut" und Polar-Rollen am Finnland-Stand bis zu gegrillter Paprika-Wurst ("Chorizos") und Muscheln aus Spanien. Die zum Beispiel hat Standbetreiber Fernando Alvarez direkt von seinem Schwager aus Spanien importiert, einem Muschelzüchter. "Er hat sie alle selbst eingesammelt", sagt Alvarez, der seit 1986 zur Kieler Woche nach Deutschland kommt. Daneben stehen die handfiletierten spanischen Sardinen, und der Duft von Paella kitzelt in der Nase. "Die Chorizos sind der Renner", sagt Alvarez, "dafür kommen die Segler aus ganz Europa extra an meinen Stand."

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erstellt am 24.Jun.2008 | 08:20 Uhr

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