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Kieler-Woche-Programm 2016 : Kiwo-Hoftheater: Große Welt in kleinem Zelt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Hoftheater im Hiroshimapark wird zehn Jahre alt. Die Lieblingsstücke werden aufgeführt.

Kiel | Kleine Figuren von Menschenhand geführt, wecken große Emotionen. Sie erzählen Geschichten, die ihr Publikum den wilden Trubel der Kieler Woche vergessen lässt. Das Hoftheater im Hiroshimapark ist seit zehn Jahren der Gegenpol zu den lauten Konzerten, schnellen Fahrgeschäften und rasanten Regatten. Die erste Veranstaltungsreihe zu Kieler-Woche hatte den Titel „Die ganze Welt in einem Zelt“.

„Damals hieß es, die kleinen, leisen Attraktionen funktionieren auf der Kieler Woche nicht, wir haben bewiesen, dass es sehr wohl geht“, sagt Andreas Schauder (44), künstlerischer Leiter des Hoftheater. „Das freut mich persönlich sehr.“ Deshalb ist es für ihn eines der schönsten Komplimente, wenn ihn hochkarätige Künstler anschreiben, weil sie im Park im Zelt auftreten wollen. „Im ersten Jahr haben sie noch gezweifelt.“

Das Hoftheater sei eine Herzensangelegenheit von allen, die daran mitarbeiten. Jeder gebe etwas mehr, als er eigentlich müsste. Auf diesem Weg würden sie es schaffen, alles zu ermöglichen, was sie sich vorgenommen haben. „Nur Begeisterung führt zu Begeisterung. Wir wollen die Zuschauer damit anstecken.“

Deshalb wird das Zehnjährige des Hoftheaters auch nicht mit Sonderaktionen gefeiert, sondern mit einem Highlightprogramm aus zehn Jahren. „Dabei haben wir nicht danach ausgewählt, welche Stücke technisch am hochwertigsten waren. Es sind einfach die Lieblingsgeschichten, die eine besonderen Stimmung haben.“ Darunter persönliche Favoriten von Andreas Schauder, dem Publikum, dem Techniker des Hoftheaters und anderen des Kieler-Woche Teams.

Der 44-Jährige mag besonders die Stücke, die Kinder und Eltern begeistern. „Wenn die Kleinen ganz gebannt dem Figurenspieler zu sehen und auf einer zweiten, gern ironischen Ebene, die Erwachsenen angesprochenen werden, das finde ich klasse.“ Unter den Lieblingsstücken seien Geschichten mit Figuren, die sehr detailreich sind und in denen viel Technik und Mechanik steckt. „Einige Puppen wirken so lebendig, dass ich glaube, die gehen gleich raus und holen sich eine Wurst.“ Gleiches gilt auch für Figuren, die sich kaum bewegen und einfacher gebaut seien. „Die Künstler hauchen ihnen in ihrem Spiel Leben und Emotionen ein“, sagt Schauder.

Der Kieler Marc Schnittger ist seit Anfang des Hoftheaters dabei. Er trat schon auf, als das Zelt noch im Hinterhof der Kieler Nachrichten stand und das Programm noch deutlich kleiner war. Schnittger zeigt „Jonas und der Engel“ (23. Juni), eine Abenteuergeschichte für Kinder ab fünf Jahren und Erwachsene. „Er gehört zu den ganz Großen und ist der Gott der Details.“ Es sei kaum vorstellbar, wie viel Arbeit der Künstler in seine Kulisse stecke. Schnittger baut so präzise, dass der eigentlich unscheinbar Stein aus der Kulisse der Figur genau auf den Kopf fällt.

Der Figurenspieler ist es auch, der mit „Handlungen“ ein Stück für Erwachsene auf die Bühne im Hiroshimapark bringt. Das Szenenprogramm handelt von menschlichen Wunschträume, Widersprüche und Unzulänglichkeiten. „Das Figurentheater für Erwachsene anzubieten, war beim ersten Mal nur ein Experiment. Auch da gab es Zweifler, doch zum Auftritt kamen rund 300 Gäste und wir hatten nur 150 Plätze.“

Leo Mosler vom Figurentheater Bremen „Mensch Puppe!“ gehört ebenfalls zu den Lieblingen des Hoftheater-Teams. Er zeigt die Geschichte von Schaf Fiede Anders (20. Juni). Fiete ist einsam, weil er anders ist als seine Artgenossen. Deshalb macht er sich auf die Suche nach einem Ort an dem anders richtig ist. „Moslers Spiel wirkt auf den ersten Blick improvisiert, ist aber super intensiv.“ Den Hut zieht Schauder zudem vor dem Erfahrenen „fabula“-Theater und der dazugehörigen Werkstatt aus Idstedt. Dort wurden auch Großfiguren wie Bernd das Brot, Tabaluga und das Maskottchen der SG Flensburg-Handewitt gebaut. „Winnie will woanders schlafen“ heißt das Figurentheaterstück für Kinder, das sie am Mittwoch, 22. Juni, präsentieren. Es handelt von dem kleinen Hasen Winnie, der einen ungestörten, aber nicht einsamen Platz zum Übernachten sucht.

„Solange ich es einrichten kann, sehe ich mir die Stücke selbst“, sagt Andreas Schauder. Bei den Aufführungen gebe es immer wieder etwas Neues zu entdecken. „Das liegt nicht nur daran, dass die Künstler die Kieler Woche mit Ihren Stücken bereichern, sondern auch daran, dass ihre besondere Atmosphäre in die Stücke der Figurenspieler mit einfließt.“

Termine
„Handlungen“: Mittwoch, 22. Juni, um 20, 21 und 22 Uhr. Vorstellungen der Figurentheater für Kinder:  Sonntag, 19. Juni, bis Sonntag, 26. Juni, jeden Nachmittag um 14.45, 16 und 17.15 Uhr. Der Eintritt ist immer frei.
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erstellt am 24.Jun.2016 | 15:34 Uhr

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