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Kieler Woche 2016 : Joris vor seinem Kiwo-Konzert: „Mein Humor ist norddeutsch”

vom
Aus der Onlineredaktion

Viele Mädels fiebern seinem Auftritt entgegen. shz.de hat Joris vorab getroffen.

Kiel | Newcomer Joris landete mit „Herz über Kopf” den Hit des Jahres 2015. Er ist einer der Top-Acts auf der diesjährigen Kieler Woche. Im Interview spricht der 26-Jährige über seine musikalische Kindheit und verrät, für wen er „Bis ans Ende der Welt” geschrieben hat.

Heute Abend um 19 Uhr stehst du auf der RSH-Bühne an der Hörn. Hast du denn auch ein wenig Zeit, dir die Kieler Woche anzuschauen?

Wir sind Samstag aus Düdelingen in Luxemburg gekommen und waren elf Stunden unterwegs. Deshalb sind wir heute etwas müde gewesen. Man erreicht im Bus nie so richtig die Tiefschlafphase, weil es so ruckelt. Aber die Jungs aus meiner Crew, die Zeit haben, gucken sich auch gern die Innenstadt an. Ich entscheide spontan. Ich entspanne auch einfach gern mal mit einem Buch unter einem Baum. 

Ein von shz.de (@shz.de) gepostetes Video am

 

Du bist in der Nähe von Bremen geboren, aber in Ostwestfalen aufgewachsen. Würdest du trotzdem sagen, dass du irgendwas in dir hast, das typisch norddeutsch ist?

Der Humor. Der würde ich sagen ist norddeutsch.

Herz über Kopf, so lautet der Titel deines bisher größten Hits - ist das auch deine Einstellung beim Skaten? Wir haben bei Instagram einige Bilder gefunden, auf denen du verletzt bist.

Ich muss ehrlich sein. Es gibt ein Bild, auf dem ich ein Skateboard in der Hand habe. Das kommt aber nur selten zum Einsatz. Ich kann nicht besonders gut skaten und tue es nicht oft, sonst hätte ich sicher auch mehr Verletzungen (lacht). Ich hab letzten Sommer noch Fußball gespielt, bin sehr unglücklich auf meine Schulter gefallen und hab mich dabei leider schwer verletzt. Dank guter Physiotherapeuten konnte ich die Saison noch zu Ende spielen und habe dann im Dezember meine OP gehabt. Mittlerweile ist wieder alles ok. Es gibt nur noch ein paar kleine Narben.

Also war professioneller Skater nie dein Berufswunsch.

Ich habe mit fünf Jahren angefangen Schlagzeug zu spielen - zu den Blues Brothers, ein Film,der genial sämtliche Größen an den Instrumenten zusammenführt. Ich habe Klavierspielen geernt und mir das Gitarrespielen beigebracht.

Du wusstest also früh, dass du Sänger werden willst?

Das mit dem Gesang kam nebenher. Ich habe mich früher nie getraut, mich auf eine Bühne zu stellen. Einmal wollte ich bei einem Weihnachtskonzert in der Schule einen Song von mir vortragen. Meine Musiklehrerin sagte, ich solle doch bitte noch ein paar Jahre warten. Ich war nämlich gerade im Stimmbruch (lacht). Das erste Mal auf der Bühne stand ich erst mit 17 Jahren. Davor war ich immer Schlagzeuger.

In deinen Liedern geht es viel um Gefühle. Warum?

Ich singe über das, was mich bewegt. Die Liebe ist eine der großen Emotionen, die wir zum Glück fühlen dürfen. Aber natürlich auch Trauer und Verlust. Zum Beispiel hat mein bester Freund in der siebten Klasse seinen Vater an Krebs verloren, und ich habe mich immer darüber gewundert, wie positiv er damit umgegangen ist. Dafür habe ich den Song “Bis ans Ende der Welt” geschrieben. Es gibt wunderschöne Momente, Partys, nach denen ich tagelang ein gutes Gefühl im Bauch habe - dann entstehen Songs wie “Wie man es auch dreht”.

Wie läuft das Songschreiben ab?

Alle Lieder entstehen auf unterschiedliche Weise. Manchmal sitze ich nachts am Klavier und lasse meine Finger einfach spielen, manchmal habe ich etwas, worüber ich unbedingt schreiben will und mache das.

Würdest du gern mal einen EM-Song schreiben?

Nein. Ich glaube, es gibt immer Rock/Pop-Nummern, die sich dazu eignen, wie es vor zwei Jahren bei Andreas Bourani der Fall war. “Auf uns” hat er glaube ich nicht extra für die WM geschrieben. Ich möchte Musik schreiben, die mir gut gefällt, mit der ich mich wohl fühle. Ich denke, dass mein nächstes Album zum Beispiel ein wenig anders wird. Ich mache das, worauf ich gerade Lust habe - und dazu gehört sicher keine Fußball-Hymne.

Deine letzte Studiophase ist schon wieder über zwei Jahre her. Vermisst du die Zeit?

Ich habe mir mit meinem Debütalbum vier Jahre Zeit gelassen. Es hat niemanden interessiert. Keiner hat darauf gewartet, dass ich mein Album abgebe. Das heißt, ich hatte viel Ruhe dafür. Seitdem bin ich live unterwegs und durchlebe alles zum ersten Mal: dass die Leute meine Lieder mitsingen, dass Abend für Abend unvergessliche Momente entstehen. Insofern vermisse ich das Studioleben nicht. Aber ich freue mich trotzdem schon darauf, nächstes Jahr mal die Schotten runter zu machen und Zeit für mich zu haben nach zwei Jahren auf Tour - letztes Jahr habe ich vielleicht zehn Nächte zu Hause geschlafen.

Du erreichst mit deiner Musik alle Altersgruppen. Kannst du das erklären?

Bei meinen drei Touren war tatsächlich immer gemischtes Publikum. Manchmal war es von Abend zu Abend komplett anders - mal war der Altersdurchschnitt bei 40 Jahren, mal jünger. Ich kann nicht erklären, woran das liegt. Aber ich finde es sehr schön. Das ist eine große Ehre.

Wie ist es auf einer großen Bühne zu stehen?

Man braucht eine ganz andere Körperspannung. Es geht mehr darum, die Leute ganz hinten auch teilhaben zu lassen. Im Club ist es mehr wie im Wohnzimmer. Da kann man auch intimer rangehen.

Hast du dich schnell an die Menschenmassen gewöhnt?

Das Wichtigste ist, dass man auf der Bühne den Kopf ausmacht und nicht darüber nachdenkt, was man gerade wie macht oder wie das, was man macht, aussieht.
 

Gibt es etwas, das du unbedingt noch erreichen willst?

Viele der großen Träume erlebe ich. Ich hoffe, dass ich so glücklich bleiben und weiterhin so viel spielen darf, das ist, was ich liebe. Ob das alles noch größer wird oder so bleibt, ist nicht wichtig für das persönliche Glück.

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erstellt am 19.Jun.2016 | 18:19 Uhr

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