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KiWo 2015 : Interaktive Karte: Mit Oldtimern über die Kieler Woche

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Michael Dignas begeistert sich für Oldtimer - besonders für seinen 35-jährigen Pontiac Firebird. Über hundert solcher Klassiker gibt es am Mittwoch beim Oldtimer-Corso zu sehen. shz.de zeigt die Route auf einer Karte.

shz.de von
erstellt am 24.Jun.2015 | 06:00 Uhr

Kiel | „Na, dann wollen wir mal das Monsterchen erwecken“, sagt Michael Dignas, dreht den Zündschlüssel, und unter ihm erwacht sein 35-jähriger Pontiac Firebird zum Leben. Den satten, wummernden Sound verdankt der Oldtimer seinem Herzstück, dem V8-Motor. „V8 fahren ist wie auf einer Wolke zu schweben, die von einem Engel geschoben wird“, schwärmt Dignas.

Nicht nur Begeisterung, sondern Zuneigung schwingt in seiner Stimme mit. Dieses Auto, das merkt man schnell, ist kein Hobby. Es ist eine Leidenschaft. Eine Passion, die der 56-jährige mit vielen Schleswig-Holsteinern teilt. Das Mekka der Oldtimer-Freunde aus der Region ist in dieser Woche der Corso auf der Kieler Woche.

Was um die Jahrtausendwende mit sieben Autos begann, hat nun eine andere Dimension erreicht:  Begleitet von der Polizei zogen sich im vergangenen Jahr 125 vierrädrige Schmuckstücke  durch die Innenstadt – einer von ihnen der Firebird von Dignas. „Das sind so viele, da kommt der Erste schon wieder am Nordmarksportfeld an, bevor der Letzte losgefahren ist“, scherzt der gebürtige Kieler.

Zuerst, so erklärt er den Ablauf, gebe es eine Sicherheitseinweisung von einem Polizisten. Nach dieser kleinen Einführung werden die Motoren gestartet: „Wir bilden eine Wagenburg wie im Wilden Westen, immer dem Ober-Sheriff hinterher, bis wir in einer langen Reihe alle im Kreis fahren und dann geht es los. Das ist richtig geil gemacht“, erzählt Dignas. Dabei sei der Zusammenhalt ein ganz besonderer. Eigentlich bliebe man in seiner Szene eher unter sich, Dignas kennt deshalb viele Fahrer von amerikanischen Oldtimern. „Zum Beispiel mit den Japanern haben wir eigentlich nichts zu tun, aber in dem Moment sind wir eine Gemeinschaft, sind füreinander da.“ Auch mit den Zuschauern auf dem Nordmarksportfeld hat er viele gute Erfahrungen gemacht. Einmal sei ein Mann sogar vor seinem Wagen auf die Knie gefallen und habe mit ausgestreckten Armen − ein einziges Wort gesagt: „Geil!“

Besonders in Erinnerung geblieben ist  auch ein älterer Herr, der Dignas auf der Kieler Woche ansprach, als der gerade den Motor abgestellt hatte. „Können Sie ihn bitte noch einmal rauschen lassen?“, bat der Senior. „Natürlich habe ich den Firebird angemacht. Da hat sich der Herr richtig gefreut“, erinnert sich Dignas.

Die beeindruckende Geräuschkulisse seines Wagens macht immer wieder auf sich aufmerksam. „Oft gehen an der Ampel die Scheiben von anderen Autos runter. Dann lauschen die Leute, wie der Firebird anfährt – genau, wie ich das früher gemacht habe.“ Diese Faszination für den „Heartbeat of America“, wie das Wummern genannt wird, hat sich bei Dignas bis heute nicht gelegt. Mitten auf der Fahrt sagt er unvermittelt: „Hör mal, wie er vor sich hinschmatzt – herrlich!“ Das sei ein beruhigendes Geräusch, bei dem seine Kinder früher auf der Rückbank herrlich geschlafen hätten. Auch für ihn hat der Firebird etwas Entspannendes: „Das ist meine Oase, meine stressfreie Zone. Wenn ich hier drin bin, dann können mich alle mal. Hier bin ich gleich bester Laune.“

Das ändert auch der Aufwand nicht, den der Familienvater in die Pflege und Instandhaltung seines Autos stecken muss. Dauernd ist er am Schrauben und ohne die große Werkzeugkiste startet er gar nicht erst. „Aber das schreckt Oldtimerfahrer nicht ab, wenn man Ersatzteile dabei hat“, sagt er munter. Der gelernte  Maschinenschlosser und  Techniker kennt aber bei den Reparaturarbeiten seine Grenzen: Die Bremsen rührt er nicht an. „Ich bin kein Fachmann. Aber die ganze Verschleißscheiße, zum Beispiel Schläuche, sind kein Problem.“ Diesen Aufwand betreibt er für etwa 15 Tage, an denen der Firebird pro Jahr aus seiner Garage kommt. Dann geht es zu Oldtimertreffen im Norden, wie am Mittwoch zum Corso auf der Kieler Woche. „Wenn wir da unterwegs sind, ist das wie ein Wanderzirkus.“Anne Welkener

Ab 14 Uhr werden heute auf dem Nordmarksportfeld mehr als 100 Oldtimer erwartet. Der Corso beginnt um 18 Uhr und führt etwa eine Stunde durch die Innenstadt. Eine Karte mit dem Streckenverlauf gibt es unter www.shz.de/kieler-woche.

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