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Kieler Woche 2015 : Inklusion geht anders: Zur Kiwo nur mit Windeln?

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Politiker beklagen: Es gibt zu wenig Toiletten für Menschen mit Handicap. Die Diskussion erreicht sogar den Landtag.

shz.de von
erstellt am 20.Jun.2015 | 06:00 Uhr

Kiel | Rund drei Million Menschen werden in den nächsten Tagen auf der Kieler Woche erwartet. Darunter traditionell viele Gäste aus Behinderteneinrichtungen im ganzen Land. Doch das Vergnügen müssen sie sich teuer erkaufen. „Wie ich von Betroffenen erfahren habe, werden Menschen mit Behinderung gewindelt zur Kieler Woche gefahren, weil es nicht genügend geeignete Toiletten gibt“, beklagt Wolfgang Dudda von der Piratenfraktion.

Auf einem Treffen der Behindertenbeiräte in Plön, zu dem auch Vertreter des Sozialauschusses des Landtages eingeladen waren, sei dies einer der wichtigsten Kritikpunkte gewesen.

Nach Angaben der Stadt werden auf der rund 3,6 Kilometer langen Festmeile zwischen Hörnende und Kieler Yachtclub nur zwei behindertengerechte Toilettenanlagen aufgestellt. Zudem gebe es jeweils ein Klo für Rollstuhlfahrer auf der Spiellinie an der Krusenkoppel und eines an der NDR-Bühne.

Letzteres ist allerdings nach Angaben des Kieler Betroffenen-Beirates mit einer „viel zu steilen Rampe“ versehen. „Inklusion geht anders“, stellt Dudda klar. Tatsächlich wäre es angezeigt, aus den Vorjahren zu lernen und mehr auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung einzugehen. „Aber statt ein bisschen mehr Platz für barrierefreie WC-Stationen zu planen, stellt man doch lieber noch einen Bierstand auf. Das ist beschämend!“, meint der Pirat. Auch Landtagspräsident Klaus Schlie ist sieht hier ein Versäumnis bei den Veranstaltern. „Daran hätte man doch denken müssen“, findet er. „Wir sind mit der Inklusion zwar auf einem guten Weg , wie man aber an diesem Beispiel sieht, noch nicht am Ziel“. In Schleswig-Holstein leben knapp 520.000 Menschen mit Behinderung. Das sind 18 Prozent der Bevölkerung. 320.000 Nordlichter sind schwerbehindert. „All diesen Menschen nützten ihre Rechte auf dem Papier nur dann etwas, wenn sie in der Praxis mit Leben und Farbe gefüllt werden“, erklärte gestern die Grüne Abgeordnete Marret Bohn bei der Diskussion über den Aktionsplan für Behinderte im Landtag. Die Kluft zwischen Gesetz und Realität sei häufig viel zu groß.

Bei Dudda hat der Windel-„Zwang“ das Fass zum Überlaufen gebracht. „Ich bin eigentlich überzeugter Kieler-Woche-Fan, aber jetzt ist mir der Spaß vergangen“. Der könnte im übrigen auch anderen Kieler Woche-Besuchern ohne Handycap vergehen. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer droht nämlich Wild-Pinklern mit der großen Keule: „Der Missbrauch von abseitigen Flächen oder gar Grünanlagen für die Verrichtung der Notdurft ist nicht nur unzivilisiert, sondern stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die in jedem Fall mit einem Bußgeld in Höhe von 50 Euro geahndet wird“, teilte Kämpfer gestern mit.

Mehr zur Kieler Woche auf www.shz.de/kielerwoche.

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