Junge Bühne rockt die Kieler Woche : „Geisterfahrer“: Ihre Songs entstanden im Kleiderschrank

Live-Auftritt in Husum: Die Band mag die Nähe zu ihrem Publikum.
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Live-Auftritt in Husum: Die Band mag die Nähe zu ihrem Publikum.

„Geisterfahrer“ treten zum ersten Mal auf der Jungen Bühne im Ratsdienergarten auf. Ihre Stärke: Akustik-Rock mit deutschen Texten.

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21. Juni 2015, 12:15 Uhr

Kiel | Über ein einseitiges Programm wird man sich auf der Jungen Bühne im Kieler Ratsdienergarten nicht beklagen können. Die Bandbreite reicht von Hip Hop über Nu Metal bis zu Akustik Rock-Songs.

Zu letzteren zählt die Kieler Formation „Geisterfahrer“. Die Band, bestehend aus Wladimir Haase (Gitarre/Gesang), Marco Schwarz (Gitarre/Gesang), Frederik Kleinschmidt (Akustik-Bass/Gesang) und Tobias Nissen (Schlagzeug), spielt am Sonntag um 21 Uhr zum ersten Mal auf der Nachwuchsbühne.

Seit mehr als zehn Jahren sind Wladimir (Wladi) und Marco aus Rendsburg gute Freunde. Musik gehörte schon immer zu ihrem Leben dazu. „Mit härteren Sachen aus den Bereichen Metal und Hardcore begannen wir zusammen Musik zu machen“, erzählt Wladi. Heute leben Wladi und Marco in der Landeshauptstadt und stimmen ruhigere Töne an. „Wir machen eher eine Mischung aus Akustik Pop/Rock“, sagt Marco, der als Großhandelskaufmann arbeitet.

Auch die feinsinnigen Texte von „Geisterfahrer“ stammen aus der Feder von Wladi und Marco. Ihr erster Song ,Podest’ sei eines Abends spontan beim Spielen von Riffs entstanden. „Wir jamten , und dann kamen die Worte fast wie von selbst hinzu“, erzählt der 24-jährige Marco. Inhaltlich gleichen sich die introspektiven Texte, die berührend die Gefühlswelt von Heranwachsenden aufgreifen. Die meisten ihrer Texte würden sich mit ungewissen Lebensphasen auseinandersetzen. Es geht ums Scheitern, um Enttäuschungen und um Träume. „Geisterfahrer“ sind eine Band ohne falschen Zuckerguss: Mit einer Eindringlichkeit, die für für Gänsehaut sorgt, singen sie zu Beginn von ,Podest’: „Wieder mal gescheitert, wieder mal von vorn, wieder ganz alleine, aus den Augen verloren“.

Zum Bandnamen „Geisterfahrer“ seien Wladi und Marco spontan gekommen. „Nachdem ,Podest’ stand, überlegten wir, welcher Namen zu uns passt“, so Marco. Was die Jungs damit sagen wollen? „Anders sein, gegen die Strömung schwimmen“, beschreibt Wladi ihre Intention. Außerdem sei es eine Art aufklärerischer Gedanke „wie eine Aufforderung sich seines Verstandes zu bedienen“, fügt er hinzu.

Nachdem der Text und die Musik für ,Podest’ stand, folgte die Aufnahme. Dies geschah auf unkonventionelle Art – im Kleiderschrank. Hier sei die Akustik am besten gewesen, erklärt Wladi.

Weitere Songs wie „Neues Glück“ und ihr erster Live-Auftritt folgten kurze Zeit später. „Wir merkten allerdings, dass unsere Songs mehr Fülle brauchen“, so Marco. Deshalb haben sich die Kieler Jungs auf die Suche nach zwei weiteren Bandmitgliedern gemacht. Zunächst kam der 22-jährige Frederik Kleinschmidt (Freddie), der die Band am Bass verstärkt.

Tobias Nissen (Tobi) kam kurze Zeit später am Schlagzeug hinzu. Er habe sich in einer Auswahl aus sieben bewerbern durchgesetzt. Zu viert standen dann für Geisterfahrer zahlreiche Live-Auftritte, unter Anderem im Shamrock in Husum oder in der Kieler Pumpe, an.

Wenn die vier Jungs über ihre Konzerte sprechen, wirken sie gefesselt. „Am liebsten spielen wir auf kleinen Bühnen“, sagt Freddie. Dadurch entstünde eine besonders „intime Atmosphäre“. Außerdem entfalte sich erst durch die Nähe zu ihrem Publikum der feinsinnige Text , habe Wladi beobachtet. Deshalb sei die Junge Bühne mit ihrer großen Bühne tatsächlich eine Herausforderung.

Trotzdem fühlen sich Geisterfahrer in der Lage, ihr Publikum zu begeistern. „Wir haben richtig Bock zu spielen“, sagt Freddie, der die Bewerbung für die Junge Bühne vor einem Jahr mit initiierte. „Es ist eine Hammer-Gelegenheit“, berichtet der 22-jährige Student der Sozialen Arbeit. Doch bis zum großen Auftritt morgen stünden noch Proben an. Den ersten Vorgeschmack gab es bereits am vergangenen Wochenende bei einem spontan-Konzert im Hansa 48 in Kiel. „Es hat Spaß gemacht, doch wird der Auftritt mit der Jungen Bühne nicht vergleichbar sein“, so Wladi.

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