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Kieler Woche 2016 : Eine Westfälin berichtet: So war meine erste Kiwo

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine gebürtige Westfälin erlebt Maritimes, Rasantes und Kulinarisches auf der Kieler Woche.

shz.de von
erstellt am 25.Jun.2016 | 18:33 Uhr

Kiel | Was für den Westfalen der Karneval, ist für den Schleswig-Holsteiner die Kieler Woche. Als gebürtige Münsterländerin war ich zum ersten Mal bei diesem norddeutschen Volksfestspektakel dabei. Beim Karneval ziehen die Menschen bunt kostümiert und fröhlich durch die Straßen. Doch wie wird es bei der Kieler Woche sein? Erfüllt die 122. Auflage meine Erwartungen?

Eine gebürtige Landratte ist noch lange keine Seebärin: Dennoch wage ich mich an Bord eines Segelschiffes.
Eine gebürtige Landratte ist noch lange keine Seebärin: Dennoch wage ich mich an Bord eines Segelschiffes. Foto: Jacqueline Worch
 

Eine ausreichende Vorbereitung ist für einen Kiwo-Anfänger ein absolutes Muss, das heißt Wetterbericht und die Berichterstattung aus den vergangenen Jahren lesen. So bekommt man einen ungefähren Eindruck, worauf man sich einlässt. Der Atem stockte bei der Information „drei Millionen Besucher“. Ich dachte: „Oh mein Gott, hoffentlich gehe ich nicht in der Menge verloren“. Beim Karneval läuft es entspannter und geordneter ab. Entweder sitzen die Leute bei einer Prunksitzung im Saal oder stehen beim Umzug am Straßenrand.

Die Befürchtung hat sich vor Ort bestätigt. Über Tag ging es ja noch, aber abends war oft kein Durchkommen. Wohlfühlatmosphäre ist etwas anderes. Geduld war hier das Stichwort.

Der Traditionssegler Thor Heyerdahl führte die traditionelle Auslaufparade der Windjammer an.
Der Traditionssegler Thor Heyerdahl führte die traditionelle Auslaufparade der Windjammer an. Foto: Markus Scholz
 

An der Hörn herrschte Jahrmarktstimmung. Das kam dem Karneval schon etwas näher. Von weitem lag der Duft von Bratwurst und gebrannten Mandeln in der Nase. „Sehen und gesehen werden“ lautete hier das Motto. Im Gedränge trafen sich Bekannte wieder und blieben für einen kurzen oder auch langen Plausch stehen. Das hielt den Verkehr auf. Die Nerven lagen blank.

Die Fahrgeschäfte waren für mich keine Attraktion – außer das Riesenrad. Denn die großen High-Tech-Fahrgeschäfte sind nicht mein Fall beziehungsweise der meines Magens. Was sich schnell dreht oder hin und her bewegt, meide ich gekonnt. Das ist auch auf dem Wasser der Fall. Denn eine Landratte ist noch lange keine Seebärin. Die maritime Seite der Kieler Woche erlebte ich also nur an Land statt an Bord. Aus reinem Eigennutz versteht sich. Beim Schiffe gucken entdeckte ich dann ein Kreuzfahrtschiff mitten in der City. Verrückt diese Norddeutschen.

Die Besatzung der chinesischen Fregatte „Xiang Tan“ steht stramm.
Die Besatzung der chinesischen Fregatte „Xiang Tan“ steht stramm. Foto: Marc Schulze
 

Vom Riesenrad aus gab es einen super Blick über das bunte Treiben. Bunt kostümiert war aber niemand. Freizeitkleidung war die Kleiderordnung. Doch das tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Denn das Wetter meinte es gut mit den Besuchern. Statt Regenschirm und Gummistiefel griff man zu Sonnencreme und Sonnenhut.

Bei all dem Wahnsinn muss auch zwischendurch das Hungergefühl gestärkt werden. Der Internationale Markt ist eine gute Gourmet-Adresse. Auch hier gab es Parallelen zum Karneval. Denn die Menschen an den Ständen hatten ihre Trachten an, sich kostümiert.

Frisch vom Kutter: Jörg Lug verkauft selbstgemachte Fischbrötchen.
Frisch vom Kutter: Jörg Lug verkauft selbstgemachte Fischbrötchen.
 

Bei den unzähligen Imbissbuden war es schwer, den Überblick zu behalten. Meine Nase musste sich an die vielen unterschiedlichen, teils fremden Gerüche gewöhnen. Auch Süßes gab es dort in Hülle und Fülle: Crepes, gebrannte Mandeln und schokolierte Früchte. Wie im Schlaraffenland. Es gab sogar Lebkuchenherzen mit der Aufschrift „Kieler Woche“. Beim Karneval kenne ich nur Bonbons oder Kamelle, wie der Westfale sagt. Das musste fotografisch festgehalten werden – als Beweis und Andenken.

Neben Rasantem, Maritimem und Kulinarischem gab es auch Musikalisches zu erleben. Beim Auftritt der Elektro-Hip-Hop-Band „De fofftig Penns“ aus Bremen trafen das Münsterland und Norddeutschland aufeinander. Die plattdeutschen Texte können „Zugereiste“ zwar nicht verstehen, aber es war eine gute Party.

Abschließend kann ich sagen, dass meine Erwartungen übertroffen worden sind. Teils war ich von den vielen Eindrücken überfordert, fühlte mich verloren.

Da die verschiedenen Aktionen ziemlich weitläufig waren, konnte man nicht mal eben von einem Ort zum nächsten gelangen. Zum Glück gab es Busse. Man war den ganzen Tag auf den Beinen, was ich meinen Füßen auch anmerke. Die haben sich jetzt erst einmal ein Fußbad verdient. Ein Regenschauer zwischendurch hat meine Stimmung nicht getrübt, denn ich bin ja nicht aus Zucker. Und zu Karneval im Februar herrschen auch schon mal Schneetreiben und Minusgrade. Für das nächste Mal Kieler Woche werde ich aber immer einen Regenschirm in der Tasche haben. Sicher ist sicher!

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