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Menschen mit Behinderungen : Ein besonderer Blick auf die Kieler Woche

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Sie sehen die Kieler Woche mit anderen Augen - die Mitglieder des Beirats für Menschen mit Behinderung. Ihr Begleitservice hilft bei Besuchen auf der Festmeile.

Kiel | Hier ein Podest, dort ein paar hohe Planken. Unerreichbar für einen Rollstuhlfahrer, wenn keine Rampe da ist. Deshalb fahren die Mitglieder des Beirats für Menschen mit Behinderung die komplette Festmeile ab, bevor der Trubel richtig losgeht, decken Hindernisse für Menschen mit Handicap auf und suchen nach Lösungen.
"Die Standbetreiber haben kein Auge dafür", sagt Sabine Dittmann, die als Mitglied des Beirats schon mehrfach im Einsatz auf der Kieler Woche war. Bei den meisten trifft sie mit ihren Anregungen auf Verständnis, am ehesten, wenn der Aufbau noch nicht abgeschlossen ist. Bei einigen aber beißen Dittmann und ihre Mitstreiter auf Granit. "Manches sprechen wir in jedem Jahr wieder an, ohne dass sich etwas tut", berichtet die Rollstuhlfahrerin. Deshalb habe sich der Beirat dafür ausgesprochen, solche Stände von der Kieler Woche auszuschließen.
Wer nicht mitzieht, wird im nächsten Jahr nicht berücksichtigt
Wenn sie auf städtischen Flächen stehen, wird das auch gemacht, sagt Lars Paulsen vom Kieler Woche-Büro. Doch das sei selten erforderlich. Paulsen: "Die Kieler Woche ist eine Veranstaltung mit Potenzial, Umsatz zu machen. Da ist es im eigenen Interesse der Standbetreiber, sich gut zu stellen." Denn wer nicht mitzieht, wird im folgenden Jahr nicht berücksichtigt. Anders sieht es dagegen auf Sponsoren- und Privatflächen aus. "Mehr als appellieren können wir da nicht", bedauert Paulsen.
Doch es sieht gut aus. Wo Dittmann ihre Wasserwaage anlegt, liegt das Gefälle der Rampen bei sechs Prozent oder nur geringfügig darüber. Wo eine fehlt wird signalisiert, eine zu installieren. Kabelbrücken, die schräg zur Fahrtrichtung liegen und damit ein ohne Hilfe nicht zu überwindendes Hindernis für Rollstuhlfahrer sind, werden gerade gerückt. Auf Kopfhöhe hängende Fahnen, die Blinde und Sehbehinderte erschrecken könnten, werden abgenommen. Ausnahme bleibt heute ein 33 Zentimeter hohes Podest vor einem Getränkestand. "Da komme ich gar nicht ran", sagt Dittmann. Die Betreiber solcher Stände würden zwar immer versprechen, auf Rollstuhlfahrer zu achten. "Die sehen einen aber gar nicht erst, wenn es voll ist", weiß Dittmann aus Erfahrung.
"Ich saß auf Po-Höhe fest und konnte nicht sehen, wo ich war."
Aus diesem Grund fährt sie auch lieber am frühen Nachmittag los zu einer Runde über die Festmeile. "Ich war einmal eingeklemmt in einer Menschenmenge. Da saß ich dann auf Po-Höhe und konnte nicht sehen, wo ich überhaupt war. Das mach ich nicht mehr", sagt Dittmann. Beim Abschlussfeuerwerk kann Rollstuhlfahrern so etwas nicht passieren - denn die Stadt sperrt die Reventlou-Brücke für sie. "Das ist klasse", sagt Dittmann und weist auf den Begleitservice hin, der die Rollstuhlfahrer durch die Menge lotst und auch wieder zurückbringt. "Ohne ihn kämen wir da gar nicht durch", betont Dittmann.
Der Begleitservice hilft jedoch nicht nur beim Feuerwerk, sondern beim Besuch aller Veranstaltungen. 40 junge Erwachsene, die speziell geschult wurden, stehen dafür auf Abruf bereit unter Tel. 0431/661-9064. Tipps, wie Menschen mit Handicap am besten auf die Festmeile gelangen, gibt es auf der Homepage des Beirats.

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erstellt am 24.Jun.2008 | 07:34 Uhr

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