Kieler Woche 2015 : Die Welt zu Gast im Tirpitzhafen

Neben dem britischen Hubschrauber-Täger „Ocean“ wirkt das Segelschulschiff „Gorch Fock“ fast zierlich.
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Neben dem britischen Hubschrauber-Täger „Ocean“ wirkt das Segelschulschiff „Gorch Fock“ fast zierlich.

Über 50 Marineschiffe aus zehn Nationen liegen im Marinestützpunkt und laden zum Besuch an Bord ein.

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19. Juni 2015, 18:20 Uhr

Kiel | Vor dem Gelände des Marinestützpunktes steigen vier junge Männer in ein Taxi. Sie tragen T-Shirts und Jeans - später, auf der Kiellinie werden sie von den „normalen“ Besuchern der Kieler Woche nicht zu unterscheiden sein. Aber diese Männer kommen von einem der über 50 Marineschiffe aus zehn Nationen, die seit gestern am Tirpitzhafen festgemacht haben. „Uniform tragen die meisten Soldaten schon seit Jahren nicht mehr beim Landgang – obwohl die Bevölkerung das natürlich sehr gerne sieht“, erzählt Helge Adrians, Oberleutnant zur See und Presseoffizier der Marine. Hauptsächlich hätte das Sicherheitsgründe, „aber es wird auch irgendwann nervig, wenn man immer wieder von Mädels wegen eines Fotos oder von Betrunkenen angesprochen wird.“

Die internationalen Soldaten wollen sich auf der Kieler Woche erholen, Spaß haben und auch Freundschaften untereinander festigen. Außerdem hat natürlich jeder seine ganz persönlichen Vorlieben: „Ein amerikanischer Soldat, der auf einem Militärstützpunkt in Bayern aufgewachsen ist, wollte hier unbedingt Leberkäse essen“, erzählt Adrians.

Wer sich einmal ein eigenes Bild von den internationalen Gästen und vor allem ihren Schiffen machen möchte, hat heute und morgen zwischen 13.30 und 17.30 Uhr und am Mittwoch zwischen 13.30 und 17 Uhr beim Open Ship die Gelegenheit dazu. Publikumsmagnet im Marinestützpunkt wird sicherlich das amerikanische Dockschiff USS „San Antonio“ sein. Die mit mehr als 200 Metern Länge größte schwimmende Festung im Tripitzhafen beherbergt alleine 700 Soldaten. Kommt man über die Gangway in den Schiffsbauch, steht man in einer Art gigantischer Garage für Luftkissen-Landungsboote und Panzer. Gleich vor dem Schiff hat der Versorger der amerikanischen Marine einen Hotdog- und Popcorn-Stand für die Besatzung aufgebaut. Und neben der „San Antonio“ liegen der Kreuzer „Vicksburg“ und der Zerstörer „Jason Dunham“. „Zusammen könnten die beiden problemlos ganz Kiel dem Erdboden gleich machen“, sagt Adrians. „Das muss man sich einfach mal bewusst machen.“

In den amerikanischen Bereich des Marinehafens zu gelangen ist allerdings gar nicht so einfach – auch nicht beim Open Ship: Vor einem mit Stacheldraht bewehrten Zaun patroullieren deutsche Soldaten mit Sturmgewehren, der einzige Eingang führt durch ein Zelt in Tarngrün. Taschenkontrollen und Metalldetektoren-Tests sind hier obligatorisch – und Besucher werden nur in Gruppen durch die Schiffe geführt. „Beim Open Ship werden die Leute hier teilweise bis zu einer Stunde warten müssen“, erklärt Presseoffizier Adrians. Für Kinderwagen, Rollstühle, Rollatoren, Menschen mit Gehbehinderungen und kleine Kinder sei der Besuch nicht empfehlenswert. „Hier ist wirklich nichts barrierefrei“. Auch der kostenlose Pendelverkehr mit Barkassen zwischen dem Fähranleger „Bellevue“ im Kieler Stadtteil Düsternbrook und dem Marinestützpunkt ist nicht für Kinder unter elf Jahren geeignet – „einfach weil wir keine Schwimmwesten in der Größe haben“.

Schneller als bei den Amerikanern geht der Besuch an der anderen Seite des Hafens, wo unter anderem der britische Hubschrauber-Träger „Ocean“, liegt, der etwa genauso lang ist wie die „San Antonio“. Hier sind die Sicherheitsbeschränkungen wesentlich schwächer als bei den Amerikanern. „Trotzdem ist das auch ein sehr spannendes Schiff“, erklärt Adrians. „Allein wegen der Größe, aber dieses Schiff hat auch ein sehr großes Einsatzgebiet, es kann Landungstruppen absetzen, wird für Kampfeinsätze, Evakuierungen oder als schwimmendes Lazarett verwendet.“

Neben dem großen, grauen Koloss wirkt das weiß lackierte Segelschulschiff „Gorch Fock“ fast zierlich. Auch sie zieht beim Open Ship immer viele Gäste an. „Dieses Schiff hat eine besondere Magie“, sagt Adrians. Wer hier ausgebildet wird, muss für sieben Wochen auf Privatsphäre verzichten – in sechs Decks schlafen bis zu 30 Mann in übereinander aufgehängten Hängematten auf engstem Raum.

Wer die Mitglieder der Marine nicht nur an Bord ihrer Schiffe sondern richtig in Aktion erleben will, sollte heute Mittag um 14.30 Uhr an den Ostseekai kommen. Die Besatzung der Fregatte „Braunschweig“ wird einen Schiffsbrand simulieren – inklusive Rettung von einem fliegenden Hubschrauber aus. Das Spektakel wird auf die Leinwand der NDR-Bühne übertragen.

Mehr zur Kieler Woche auf www.shz.de/kielerwoche.

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