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Kieler Woche-Seifenkistenrennen : Die Bergstraße wird zur Rennstrecke

vom
Aus der Onlineredaktion

Heinz Boldt hat mit viel Liebe zum Detail einen Mercedes SSK für das Kieler Woche-Seifenkistenrennen nachgebaut. Der zehnjährige Oliver geht damit morgen an den Start.

Kiel | Langgestreckt, relativ schmal und möglichst windschnittig – so sieht eine Seifenkiste in der Regel aus. Auf Schnick-Schnack und viel technische Ausstattung wird meistens verzichtet, Hauptsache die Kiste ist schnell. Das sieht Heinz Boldt (Foto, rechts) anders. Der 75 Jahre alte ehemalige Elektro-Meister hat ein Gefährt gebaut, das so gar nicht dem Bild einer klassischen Seifenkiste entspricht. Mit viel Liebe zum Detail hat Boldt einen nahezu originalgetreuen Nachbau eines Mercedes SSK entworfen. Damit wird am Sonntag der zehnjährige Oliver (li.) aus Kiel-Meimersdorf am traditionellen Kieler-Woche-Seifenkistenrennen teilnehmen.

Holz-Lenkrad, Ledersitze, Hupe, Rückspiegel, Vorder- und Rückleuchten sowie ein Original Mercedes-Stern – an alles hat der 75-Jährige gedacht. Seit Monaten hat er nahezu täglich in einer kleinen Werkstatt im Keller seiner Wohnung in Flintbek an dem Wagen gearbeitet – mit regelmäßiger Unterstützung von Oliver. Dabei ist der Drittklässler durchaus kritisch: „Heinz, im nächsten Jahr müssen wir noch einiges verändern“, sagt Oliver mit einem Augenzwinkern und meint damit die noch fehlenden Trittbretter. Ansonsten ist der Nachbau nahezu komplett, sogar an ein kleines Verdeck und Ersatzreifen hat Boldt gedacht.

Das Grundgerüst der Seifenkiste ist bereits zwölf Jahre alt. Ursprünglich habe er es für seinen Enkel gebaut, so Boldt. Im vergangenen Jahr schließlich ist Oliver, für den Heinz Boldt ein „Ersatz-Opa“ ist, erstmals mit der Kiste bei der Kieler Woche an den Start gegangen.

Beim Ausbau haben die beiden auch an die Sicherheit gedacht: Die Trommel-Bremse funktioniert tadellos, die Stoßstange ist äußerst robust. „Manches Auto hat nicht so eine Stoßstange“, sagt Boldt. Für Energie sorgt eine Motorrad-Batterie, eine kleine Plexiglas-Scheibe schützt das Cockpit. Zudem sei das Lenkrad abnehmbar, berichtet Oliver stolz – ganz so wie in der Formel 1. Nicht fehlen dürfen schließlich die passenden Nummernschilder: KI – OP 2005.

Bei all dem wird deutlich: Hier wurde nicht ausschließlich auf Schnelligkeit geachtet. Vielmehr soll die Seifenkiste auch gut aussehen. Dennoch: „Im Vergleich zu 2014 ist sie schwerer geworden“, sagt Boldt. Das bringe zwar etwas mehr Geschwindigkeit, doch die beiden bleiben realistisch: Mit anderen Kisten, die ausschließlich auf Aerodynamik setzen, können sie nicht mithalten. Stattdessen haben sie ein anderes Ziel: Den Titel für die schönste Seifenkiste, über den das Publikum entscheidet.

Die Zahl der Teilnehmer ist in diesem Jahr so hoch wie noch nie. Wenn am Sonntag um 13 Uhr der Rennstart erfolgt, werden nacheinander 47 Kisten die Bergstraße mit ihrem sieben prozentigen Gefälle herunterfahren. „Jede Kiste fährt vier Mal, das macht insgesamt fast 200 Starts“, erläutert Hans Hansen, Obermeister der Kraftfahrzeug-Innung Kiel-Neumünster, die das Rennen nach der Premiere 2014 in diesem Jahr erneut organisiert. Für zusätzlichen Schwung sorgt eine rund zwei Meter hohe Startrampe. Die Strecke ist 230 Meter lang, begrenzt wird sie von 1000 Strohballen. Die Starts erfolgen in zwei Altersklassen, es werden jeweils die Zeiten der zwei besten Läufe addiert. „Jeder Teilnehmer erhält einen Selfie-Stick und einen Pokal“, sagt Hansen. Der Zeit-Schnellste zudem einen großen Wanderpokal. Und dann ist da ja auch noch der Sonderpreis für die schönste Seifenkiste, auf den es unter anderem ein zehnjähriger Mercedes-Fahrer und sein „Opa“ abgesehen haben.

> Weitere Infos zum Rennen unter www.foerde-kisten.de

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