zur Navigation springen

Aktion : Das goldene Buch der Krusenkoppel

vom

Die Seiten sind von Hand geschöpft und größer als sie selbst - Kinder füllen Jahr für Jahr das goldene Buch auf der Krusenkoppel mit Geschichten.

Kiel | Ob 1001 Nacht, Neptuns Reich, das riesengroße Zwergenland oder aktuell "wo die Sonne aufgeht" - zur Kieler Woche ist die Krusenkoppel fest in Kinderhand. Unter einem von Jahr zu Jahr wechselnden Motto können die jungen Festivalbesucher auf der 57 000 Quadratmeter großen Grünfläche gegenüber des Landtags hämmern, werken, malen, basteln. Und sie können ihrer Fantasie freien Lauf lassen: Im Geschichtenzelt von Anna Haentjens wächst mit jeder Kieler Woche ein Buch mit Abenteuern, Anekdoten und Reimen geschrieben von Kindern für Kinder.

Der goldfarbene Deckel ist aus schwerem Papier, nicht leicht aufzuklappen. Darunter finden sich bunt gestaltete Seiten, jede einzelne von Hand geschöpft. Wackelige Buchstaben erzählen etwa die Geschichte der Schnecke Schnulli, die Abenteuer von Fabelwesen oder geben Reime wieder. "Es ist eine Herausforderung für die Kinder, auf Papier zu schreiben, das so groß ist wie sie selbst", sagt Anna Haentjens, die die Schreibwerkstatt auf der Krusenkoppel von Anfang an begleitet hat. Die erste beschränkte sich auf eine große Decke, auf der die Mädchen und Jungen saßen und Packpapier mit Geschichten beschrifteten, die anschließend in die umstehenden Bäume gehängt wurden. Im darauf folgenden Jahr gab es ein Partyzelt, das bei einem Gewitter unter den niederstürzenden Wassermassen zusammenbrach. "Es war ein Wachsen mit Hindernissen", sagt Anna Haentjens und lacht.
Mit vollem Herzen und allen Sinnen dabei

Heute empfängt sie die Kinder in einem großen Zelt, das aufwendig und mit viel Liebe zum Detail dekoriert ist. "Die Kinder können vorher noch von PCs erzählen. Wenn sie hier reinkommen, sind sie voll im Reich der Fantasie", schwärmt Haentjens. Einige verkrümelten sich mit Papier und Bleistift zwischen die Kissen, andere wollten etwas vorgelesen bekommen. Und wieder andere möchten die Seiten im großen goldenen Zauberbuch gestalten oder sich an kleineren Exemplaren aus handgeschöpftem Papier versuchen. An die 100 Stück sind bislang zusammengekommen. "Es gab noch kein Kind, das seins nicht dagelassen hätte", sagt Haentjens. Denn sie wüssten, dass ihre Arbeit Teil der im Aufbau befindlichen Spiellinienbibliothek werden wird. Sie kämen zum Teil im folgenden Jahr wieder, schauten sich das von ihnen gestaltete Büchlein an, zeigten es Freunden oder machten sich an ein weiteres, berichtet Haentjens. Zum Teil entstünden so sehr persönliche Bindungen, sagt Haentjens.

Die Zeit auf der Krusenkoppel möchte sie nicht missen. "Nur auf der Bühne zu stehen, das ist nichts für mich", sagt sie. Außerdem schätzt sie die jungen Besucher. Haentjens: "Eine größere Ehrlichkeit als von Kindern kann man nicht bekommen. Wenn ihnen etwas nicht gefällt, bleiben sie weg." Wie versunken sie sich an die Geschichten machten, begeistere sie immer wieder. "Sie sind mit vollem Herzen und allen Sinnen dabei", so Haentjens.
"Die Idee geben wir nicht auf"

Angelika Jenkel vom Kulturamt der Landeshauptstadt ist froh, dass sie neben den zahlreichen Vereinen, die das Programm auf der Krusenkoppel mit Leben erfüllen, professionelle Mitarbeiter wie Anna Haentjens an der Seite hat, Menschen, die "großes Wissen und Fähigkeiten mitbringen, eine gewisse Ausstrahlung und Qualität". Es sei eine Herausforderung gewesen, einen gemütlichen Raum zu schaffen, wo die Kinder zur Ruhe kommen könnten, einen Gegenpol zum Programm, bei dem sie ihren Spiel- und Bewegungstrieb ausleben könnten, erklärt Jenkel. Mit dem Geschichtenzelt sei das gelungen.

Darüber hinaus verbindet Jenkel und Haentjens ein gemeinsamer Traum. Jenkel: "Einige Geschichten sind so interessant und veröffentlichungswürdig, die würden wir gern in einem Buch herausbringen." Das Wie und Wo sei noch völlig offen. "Aber die Idee geben wir nicht auf", sind sich die beiden Frauen einig.

zur Startseite

von
erstellt am 27.Jun.2008 | 08:39 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen