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Aktiv für die Aktiven : Bei "Katanga" läuft alles zusammen

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Bei der Kieler Woche gehen 4500 Segler aus 50 Nationen an den Start. Damit an Land und auf dem Wasser alles reibungslos abläuft, braucht es viele Hände. Über 320 ehrenamtliche Helfer sind im Einsatz - sie sind die aktiv für die Aktiven.

Er ist unübersehbar - ein XXL-Typ. Schwarze Locken, schmale Brille - und er heißt "Katanga". Jedenfalls wird er so genannt, auf diesen Namen hört er. An der Haustür in Felde am Westensee steht der Schriftzug Ulrich Hannemann - im Führerschein und im Telefonbuch auch. Was sind Namen?
Wenn er sich mit Hannemann am Telefon meldet, kann es passieren, dass der Anrufer doch "bitte mit "Katanga" verbunden werden möchte. Und wenn "Katanga" am Geländer des Balkons des neuen Regattahauses an der Straße Soling 22 steht, wird von unten gegrüßt - jede Minute ein Segler, ein Funktionär, ein Mitstreiter. Und das International.
Die Kieler Woche ist für "Katanga" segeln, das Volksfest in der Stadt ist ihm fremd. "Da war ich seit 20 Jahren nicht mehr". Schilksee ist sein Revier, hier leitet er das technische Regatta-Büro, Technical Race-Office steht auf dem Namensschild. "Wir sind für alle technischen Dienste und für das Material zuständig. Für den Ablauf im gesamten Hafengebiet und für die Koordination der Funktions- und Sicherungsboote", umschreibt der 54-jährige Hauptschullehrer in Nortorf während einer "Grußpause" vom Balkon einen Teil des Aufgabengebietes seines Teams. An die 50 Leute hat er in seiner Mannschaft. Seit den olympischen Spielen 1972 ist "Katanga"-Mann am "Kiwo"-Ruder - eine lange gemeinsame Zeit mit Tony Brandmann, dem "Verkehrsminister" im Hafenvorfeld.
Damals war der zweifache Familienvater Hannemann weniger XXL und Trainingspartner der brasilianischen Mannschaft im Tempest. Mit Achim Griese, der dieser Tage auf einer X-35-Yacht um den EM-Titel segelt, hat er damals sechs Jahre lang im Piraten gesessen. Jetzt ist Hannemann nur noch selten auf dem Wasser, wenn Familie, Beruf und die Kieler Woche es zulassen - mit einem Hobie 18. Selten, betont der Lehrer für Mathe, Physik, Technik und EDV, insbesondere weil "nach der Kieler Woche schon vor der Kieler Woche" ist. "Obwohl viele Stammkräfte dabei sind, kostet es viel Zeit, jedes Jahr wieder ein Team zusammen zu stellen. Und die Anforderungen wachsen", sagt Ulrich Hannemann.
Vor seinem geistigen Auge läuft dann immer ein Film von einem Rangierbahnhof ab: "Man blickt auf unheimlich viele Schienen, die am Ende irgendwie zusammenlaufen". Sie laufen zusammen - bei ihm. "Man braucht eine eingespielte Truppe, und man muss wissen, wer was erledigen kann", sagt der Lehrer, der nach dem Unterricht nach Schilksee aufbricht. Zum Telefonieren, zum Delegieren, zum Arrangieren. "Schließlich sind wir die Anlaufstelle für viele Probleme. Wir versuchen allen zu helfen." So wie einst den jungen Seglern aus Osteuropa, die mit "durchaus desolatem Fahrzeug-Material" auf der Anreise nach Schilksee liegen geblieben waren. "Die haben wir gerettet", berichtet "Katanga" und beantwortet dann auch die letzte Frage. "Katanga" ist keine in Vergessenheit geratene Bootsklasse. Auch keine "Mega-Yacht", wie Mitstreiter Brandmann einwirft. Die Erklärung: Hannemann musste als Schüler ein Referat über den Kongo halten. "Alle haben danach Kongo zu mir gesagt", erzählt Hannemann, "dagegen hab ich mich verwahrt". Gegen die Kongo-Provinz "Katanga" als Spitznamen konnte er sich nicht mehr wehren. Ulrich Hannemann ist "Katanga" und ist Kieler Woche - und er ist unübersehbar.

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erstellt am 22.Jun.2008 | 11:19 Uhr

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