zur Navigation springen

Hinter der Kulissen der Kieler Woche 2015 : Balloon Sail: Jens Rönnfeldt sorgt für bunte Bilder im Kopf

vom

Über 25 bunte Ballons steigen beim Balloon-Sail in den Himmel über der Kieler Woche auf. Diese Fotos faszinieren selbst eingesessene Ballonfahrer.

shz.de von
erstellt am 24.06.2015 | 11:15 Uhr

Kiel | Über dem Nordmark-Sportfeld weht am ersten Tag des Balloon Sail ein lauer Wind, am Horizont sind einige dunkle Wolken zu sehen. „Mit dem Ballon-Fahren wird das heute leider nichts“, sagt Organisator Thomas Oerding und wirft noch einmal einen Blick in die Wettervorhersage. „Zu viel Wind.“ Die Piloten lassen sich davon ihre gute Laune nicht verderben. Beim Briefing geht es ausgelassen zu, die Männer und Frauen, die mit ihren Ballons aus ganz Deutschland angereist sind, kennen sich alle untereinander und freuen sich über das Wiedersehen.

„Die meisten Piloten starten sonst immer einzeln. Diese Möglichkeit, sich hier auszutauschen und bei gutem Wetter auch mit bis zu 25 Ballons aufzusteigen - das ist schon ein tolles Erlebnis“, erzählt Oerding. „Vor allem wenn wir dann über die Kiellinie fliegt und alles aussieht wie eine Miniatureisenbahn-Landschaft. Wir können dann bis zum Meer blicken. Das ist ein Blick, der Fernweh auslöst. Vor allem für die Menschen aus Süddeutschland ist das etwas ganz Besonderes. Und einige tausend Menschen schauen dann zu uns hoch und freuen sich über den Anblick der bunten Ballons.“ Wenn die Piloten über das Ballon-Fahren reden, kriegen sie leuchtende Augen und kommen ins Schwärmen.

Ein toller Blick aus der Luft auf den Bootshafen.
Ein toller Blick aus der Luft auf den Bootshafen. Foto: Oliver Franke

Für heute Abend wird jetzt der Night Glow besprochen. Am ersten Freitag, am Mittwoch und am zweiten Freitag und Sonnabend der Kieler Woche locken ab 22.30 Uhr die glühenden Ballonhüllen, die im Takt zur Musik angefeuert werden, tausende Besucher an. Dazu gibt es anschließend ein Höhenfeuerwerk - „aber erst, wenn wir die Ballons weggepackt haben“, sagt Jens Rönnfeldt. „Wir wollen ja nicht dass die herabfallenden Funken eine Ballonhülle in Brand setzen“.

Wenn nicht zu viel Wind herrscht, bietet sich dem Publikum beim Night Glow ein beeindruckender Anblick.
Wenn nicht zu viel Wind herrscht, bietet sich dem Publikum beim Night Glow ein beeindruckender Anblick. Foto: Oliver Franke
 

Der 52-Jährige ist von Anfang an bei der Ballon Sail dabei, allerdings hatte er im ersten Jahr mit Ballons noch überhaupt nichts am Hut. Die Idee mit dem Ballon-Event auf der Kieler Woche hatten Thomas Oerding und einige andere Ballon-Piloten bei einem Treffen in Österreich - „quasi aus einer Bier-Laune heraus“, sagt Rönnfeldt. Das erste Event im Jahr 2007 wurde dann mit der heißen Nadel gestrickt - und scheiterte beinahe im letzten Moment, weil die Stadt ihre Zusage zurückzog, die Eckernförder Straße einspurig als Parkstreifen zu sperren. „Im Prinzip fehlten aber nur die Straßenschilder - und die sollten mehrere tausend Euro bei einem privaten Anbieter kosten“, erzählt Rönfeldt. „Das hätte das Budget gesprengt.“ Als sein Freund Christoph Laloi ihm von dem Problem erzählte, sprang Rönnfeldt kurzerhand in die Bresche. „Als Bauhof-Leiter in Strande hatte ich die Schilder ja in meinem Fundus.“

Jens Rönnfeldt hat einen Sponsoren gefunden und hat deshalb seinen „eigenen“ Ballon.
Jens Rönnfeldt hat einen Sponsoren gefunden und hat deshalb seinen „eigenen“ Ballon. Foto: Oliver Franke
 

Zum Dank durfte Rönnfeldt in einem Ballon in Form einer Jägermeisterflasche mitfliegen. „Das hat mich infiziert. Ein Jahr später habe ich dann meine Pilotenausbildung begonnen.“ Obwohl der Strander für jede Flugstunde ins vier Autostunden entfernte westfälische Warendorf fahren musste, hatte er seinen Schein nach einem halben Jahr in der Tasche, fand dann auch in einem IT-Systemhaus einen Sponsor, mit dessen Hilfe er an einen „eigenen“ Ballon kam. Jetzt steigt er mit seinem Partner Christoph Laloi und verschiedenen zahlenden Gästen mehr als 50-Mal im Jahr in den Luftraum über Strande auf. Die Balloon-Sail bei der Kieler Woche ist trotzdem immer wieder etwas Besonderes für Rönnfeldt. „Wenn wir über die Festlinie fliegen, können wir den Besuchern bunte Bilder in die Köpfe malen. Und mit 24 anderen Ballons zu fliegen hat etwas ganz Faszinierendes.“ Und da sind sie wieder, diese strahlenden Augen.

Auch für Besucher der Kieler Woche sind die Ballons ein echter Hingucker.
Auch für Besucher der Kieler Woche sind die Ballons ein echter Hingucker. Foto: Oliver Franke

Dabei ist es keinesfalls so, als wenn die Ballons immer nach Lust und Laune aufsteigen könnten. Es müssen gleich mehrere Bedingungen stimmen: Der Wind muss unter Windstärke drei liegen und die Windrichtung muss so sein, dass die Ballons nicht auf das Meer herausgeweht werden können. Dann sollte es nicht regnen und die Tageszeit muss stimmen. Denn nur zwei Stunden nach Sonnenaufgang und zwei Stunden vor Sonnenuntergang ist die Sonne so schwach, dass die Luft nicht nach oben steigt. „Sonst entstehen nämlich Thermik-Blasen und wir haben keine Kontrolle mehr über die Ballons.“

Diese Unberechenbarkeit des Ballonfahrens ist es auch, die viele der Piloten immer wieder aufs Neue fasziniert. Und das Beruhigende, die Entschleunigung, die bei der Fahr durch die Luft entsteht. „Und es entstehen Bilder im Kopf, die man nie wieder vergisst“, schwärmt Jens Rönnfeldt.

Für ganz besondere Hingucker in der Luft sorgt Ludmila Samberskaja. Sie stammt ursprünglich au Litauen und ihr deutsch-russischer Heißlluft- und Luftschiff-Verein verfügt gleich über mehrere Ballons in sogenannten „Sonderformen". Zum Beispiel besitzt der Verein kunterbunte Matroschka, die Raumkapsel von Juri Gagarin, eine Hundefutter-Dose und sogar einen 68 Meter hohen Kremel-Turm. „2012 habe ich mit der Matroschka sogar eine Alpenüberquerung gemacht“, erzählt Ludmila Samberskaja (im Foto mit ihrem Team, 2.v.r.) stolz. Die quirlige Frau aus Dortmund mit der „Tina-Turner-Gedächtnis-Frisur“ wie es Thomas Oerding ausdrückt, ist jedes Jahr bei der Balloon-Sail dabei, dieses Mal hat sie zum ersten Mal den Kreml-Turm mitgebracht, der am Sonntag zum ersten Mal über dem Gelände schweben soll. Dazu braucht es 15 bis 17 Mann, denn das riesige Gebilde neigt sich im Wind immer wieder zur Seite und muss am Platz gehalten werden.

Der Kreml-Turm wird nur einer der vielen Höhepunkte beim diesjährigen Ballon-Sail sein. Wer selber einmal in einem Ballon über Kiel schweben will, kann mit tollen Fotos von der Kieler Woche eine Fahrt gewinnen.

Mehr Infos über die Kieler Woche gibt es unter www.shz.de/kieler-woche.de

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen