Das Zollamt am Anfang des Kanals : "Vorsicht! Brunsbüttel kontrolliert immer"

'Zöllner müssen misstrauisch sein', sagt Friedrich Held, Leiter des Zollamts in Brunsbüttel. Foto: Brumm
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"Zöllner müssen misstrauisch sein", sagt Friedrich Held, Leiter des Zollamts in Brunsbüttel. Foto: Brumm

Rund um die Uhr ist das Zollamt in Brunsbüttel besetzt. Die Beamten überprüfen jedes Schiff - und treiben so jedes Jahr bis zu zehn Millionen Euro ein.

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04. März 2010, 06:21 Uhr

"Wir gehen auf jedes Schiff", sagt Friedrich Held (60), der Vorsteher des Zollamtes in Brunsbüttel. Er und seine Kollegen sind für die Abfertigung der Schiffe auf der Elbe bis Glückstadt und auf dem Nord-Ostsee-Kanal von Brunsbüttel bis Albersdorf zuständig.
Etwa 24 Stunden vor dem Eintreffen in Brunsbüttel muss sich ein Schiff anmelden. Das übernimmt ein Makler, der mitteilt, dass der Frachter aus Mittelamerika zum Beispiel Kohle geladen hat. Vier bis zwei Stunden vor der Ankunft in Brunsbüttel meldet sich zudem der Kapitän und teilt mit, wann er die Schleuse erreicht oder in einem Brunsbütteler Hafen festmacht. Die Zollbeamten gehen nach dem Festmachen an Bord, lassen sich Ladepapiere und Rechnungsunterlagen zeigen. "Damit wir in der Lage sind, alles zu erfassen und ins elektronische System einzugeben", erklärt Friedrich Held.
Zehn Millionen Euro jährlich für den Staat
Zoll muss für Artikel gezahlt werden, die aus Staaten außerhalb der Europäischen Union eingeführt werden. Die EU will sich so davor schützen, dass zu preisgünstige Waren aus Drittländern wie China die europäische Wirtschaft gefährden. Wenn Abgaben fällig sind, werden diese von einer zentralen Behörde in Kiel eingezogen. "Wir fahren hier in Brunsbüttel für den Staat zwischen 7,5 und 10 Millionen Euro pro Jahr ein", berichtet Held.

Doch mit der routinemäßigen Abfertigung ist es für die 16 Mitarbeiter des Zollamtes längst nicht getan. Mit einer gewissen Portion Misstrauen gehen die Zöllner auf jedes Schiff. Fällt ihnen etwas Illegales auf oder haben sie auch nur den Verdacht, schalten sie ihre Kollegen vom Zollkommissariat ein. Die sind in der Truppe so etwas wie die Polizei, suchen unter anderem nach Drogen. Sie verfügen über Drogensuchhunde und können Taucher anfordern, die die Wasserauslässe der Schiffe inspizieren. "Da verstecken die Schmuggler gern ihre Drogenpakete", berichtet Held. Bei ihm und seinen Kollegen gehen grundsätzlich immer die "roten Lampen an", wenn sich ein Schiff aus Kolumbien anmeldet.
Wenn sich Matrosen die Heuer aufbessern wollen...
Gemogelt, davon geht der Zollamtsleiter aus, wird in irgendeiner Form fast immer. Und sind es nur Besatzungsmitglieder, die mit dem Schmuggel von Schnaps und Zigaretten ihre Mini-Heuer aufbessern. Dass die Beamten in Brunsbüttel grundsätzlich jedes Schiff in ihrem Revier kontrollieren, hat sich unter den Seeleuten herumgesprochen. So weiß Friedrich Held von einem Schwarzen Brett an Bord eines Schiffes, an dem die Notiz stand: "Vorsicht! Brunsbüttel kontrolliert immer".
Achten müssen die Zöllner auch auf die Produktpiraterie. So können Containerschiffe aus Polen billige Kleidung unter den geschützten Namen von Modefirmen wie Lacoste oder Boss geladen haben. Oder es werden von Übersee Schlangenleder, Elfenbein und Felle sowie lebende Vögel geschmuggelt. Auch wenn diese Fälle weniger geworden sind, bleibt die Überwachung der Einfuhrverbote im Rahmen des Artenschutzgesetzes ein wichtiges Thema für die Zöllner.
Ebenso müssen sie Anlieferungen für die Sonderabfallverbrennungsanlage in Brunsbüttel überwachen. Auf der internen Warnliste des Zolls steht unter der Rubrik "Schutz der öffentlichen Ordnung" auch folgende Notiz: "Kriegswaffen. MS Godewind: Panzer von Polen nach Syrien." Und: "Rumänen schmuggeln in Lkw-Dächern radioaktive Stoffe."
Zunehmender Ostblock-Verkehr macht Arbeit schwieriger
Verändert hat sich die Arbeit der Zollbeamten am Nord-Ostsee-Kanal in den vergangenen Jahren durch den zunehmenden Ostblock-Verkehr. Die Seeleute auf den Schiffen aus Polen, Litauen oder Russland sprechen teilweise sehr schlecht Englisch, was die Verständigung erschwert und die Abfertigung verlängert. Im Durchschnitt benötigen die Beamten etwa eine Stunde pro Schiff, wenn alles in Ordnung ist. Da die Liegezeiten immer kürzer geworden sind und kein Schiff unnötig an den Schleusen warten möchte, ist der Zoll rund um die Uhr besetzt. Held: "Ein Gastanker, der zum Beispiel den Elbehafen ansteuert, will festmachen, entladen und schnell wieder weg - die wollen auch nachts um drei abgefertigt werden."
Als Behinderung empfindet der Zollamts-Chef die Sicherheitsmaßnahmen, die nach den Terroranschlägen in Amerika umgesetzt wurden. Damit meint er nicht nur den Sicherheitszaun, der die Häfen und Schleusenanlagen absperrt, sondern vor allem das vorgegebene Verfahren an Bord der Schiffe.
"Früher konnten wir uns frei an Bord bewegen", sagt der Zollamtmann. Heute dagegen werden er und seine Kollegen an der Gangway von einem Besatzungsmitglied empfangen, müssen ihre Ausweise vorzeigen, dessen Nummer notiert wird. Danach werden die Beamten zum Kapitän oder 1. Offizier begleitet. Zwar sollen die Zöllner nach wie vor die Schiffe kontrollieren, doch niemals alleine. Auf jedem Schritt muss ein Besatzungsmitglied dabei ihnen sein. Held: "Den Reedern ist gesetzlich auferlegt worden, nur noch so zu verfahren."

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