Renovierung der Schwebefähre : Verjüngungskur für "Eiserne Lady"

Schwebt nicht, sondern ruht aufgebockt am Ufer: Die Rendsburger Schwebefähre ist in der Inspektion. Foto: Staudt
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Schwebt nicht, sondern ruht aufgebockt am Ufer: Die Rendsburger Schwebefähre ist in der Inspektion. Foto: Staudt

Grundüberholung der Rendsburger Schwebefähre. Der größte Kraftakt: Den Antrieb auseinander zu bauen und in der Werkstatt zu untersuchen.

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17. Dezember 2007, 10:47 Uhr

Kein Sturm, kein Wellen- oder Eisgang kann die Rendsburger Schwebefähre aufhalten. Denn sie schwimmt nicht, sondern hängt unter der Eisenbahnbrücke. Seit 94 Jahren fährt sie jeden Tag zuverlässig von einem Ufer zum anderen. Jetzt liegt sie auf der Südseite fest: Aufgebockt, in ein Gerüst gehüllt. Die "Eiserne Lady" bekommt eine Verjüngungskur. Sie erhält nicht nur neue Farbe - auch der Antrieb wird komplett auseinander genommen.
Der Antriebswagen fährt in 45 Metern Höhe auf Schienen, an zwölf Stahlseilen (jedes 33 Millimeter dick) hängt die Gondel - wie bei einem Skilift. "Die Schwebefähre ist eher eine Straßenbahn als eine Fähre - sie kann nur vor oder zurück", sagt Hauke Henningsen. Der 37-Jährige ist Leiter des Rendsburger Außenbereichs des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Kiel-Holtenau. Alle zwei Jahre nehmen seine Männer das Wahrzeichen Rendsburgs genau unter die Lupe - "wie eine Inspektion beim Auto."
Die Fähre braucht weniger Strom als ein Wäschetrockner
Bis 2030 halten die Bauteile der denkmalgeschützten Konstruktion laut Gutachten durch. Bis zu sechs Autos und 60 Fußgänger kann die Fähre mitnehmen. Vier Elektromotoren mit jeweils 4,5 Kilowatt bringen sie in Bewegung. "Jeder Trockner braucht mehr Strom", sagt Henningsen. Sollte die Energieversorgung direkt über dem Nord-Ostsee-Kanal ausfallen, sichert eine Batterie die letzten Meter zum Ufer.
Hoch über dem Wasser mühen sich Frank Drews und seine Kollegen mit einem Laufrad ab: Es will sich nicht aus seiner Aufhängung heben lassen. Das Stahlteil ist so groß, dass es den Männern bis zur Hüfte geht. "Das größte Problem hier oben ist der Wind", sagt Metallbauer Torsten Krüger. Präzision ist gefragt: Die Arbeiter haben nur wenige Millimeter, um das Rad aus der Verankerung zu hieven. Mit geballter Muskelkraft und kräftigem Ruckeln bewegen sie es schließlich doch. Ein Autokran bringt es zum Boden.
Alle Teile des Antriebs werden vier Wochen lang in der Werkstatt des WSA in Rendsburg untersucht, repariert oder ersetzt. Solange bleiben den Autofahrern und Fußgängern in Rendsburg die Kanaltunnel, um von einem Ufer zum anderen zu kommen.

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