Schleusenmuseum "Atrium" : Schiffe lenken im kaiserlichen Museum

Führt die Besucher durch das Kanalmuseum: Verena Lieske. Foto: Brumm
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Führt die Besucher durch das Kanalmuseum: Verena Lieske. Foto: Brumm

Das Interesse am Nord-Ostsee-Kanal wächst. Wer sich ausführlich über die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt informieren möchte, sollte das Informationszentrum "Atrium" auf dem Schleusengelände in Brunsbüttel besuchen. Dort kann er unter anderem das Prunkgeschirr bewundern, mit dem der Kaiser den Kanal vor mehr als hundert Jahren einweihte.

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23. März 2009, 07:59 Uhr

Selbst per Knopfdruck bestimmen, welches Schiff auf dem Nord-Ostsee-Kanal Vorfahrt hat - das ist nur im "Atrium" möglich. In dem Informationszentrum an den Brunsbütteler Schleusen erfährt der Besucher nicht nur alles Wissenswerte über den Kanal, sondern kann auch selbst die komplizierte Technik betätigen. Natürlich nur an Modellen. Die sind so anschaulich, dass auch Kinder zum Beispiel das Signal-System in Betrieb setzen und damit Schiffe durch den Kanal lenken können.
"Die Kinder sind davon fasziniert", erzählt Verena Lieske (25) vom "Atrium"-Team. Die Führung, die sie und ihre Kollegen anbieten, beginnt an einem richtigen Radar-Arbeitsplatz. Auf einem Monitor sind die genauen Positionen der ankommenden Schiffe auf der Elbe zu erkennen, auf einem zweiten Computer steht die aktuelle Liste der Pötte, die geschleust werden sollen. Die interessierten Besucher können genau verfolgen, wann welches Schiff in welche Schleusenkammer einlaufen darf und welchen Platz es vom Schleusenmeister zugewiesen bekommt.
Prunkgeschirr des Kaisers hinter Glas
Gleich neben dem Radar-Arbeitsplatz befindet sich ein Kino, in dem ein Film über den Kanal gezeigt wird. Dort erfahren die Besucher auch viel über die Entstehung der künstlichen Wasserstraße. Die Historie des Kanals wird zusätzlich an großen Bildwänden dokumentiert. In Glasvitrinen sind zudem Exponate ausgestellt, die von Kaiser Wilhelm II. stammen. Das Prunkgeschirr, mit dem er nach der Fertigstellung des Kanals den Schlussstein setzte, besteht aus einer geschnitzten Holzschale sowie Hammer und Kelle. Auch das Gästebuch, in das sich unzählige Staatsgäste während der Einweihungsfeier eintrugen, ist noch in einem sehr guten Zustand. Umrahmt wird es von verschiedenen Gedenkmünzen, die extra zur Kanaleröffnung geprägt wurden. Eine stammt von der Holland-Amerika-Linie.

Dass der Kanalbau eine Weltsensation war, unterstreichen ausführliche Berichte in ausländischen Zeitungen. In einem ungarischen Blatt wird am 24. Juni 1895, zwei Tage nach der Einweihung, sogar ein großes Foto von der Levensauer Hochbrücke abgedruckt. Ein Modell von der kaiserlichen Yacht "Hohenzollern" ergänzt den geschichtlichen Rückblick.
Im Kleinformat zu bewundern ist auch die erste Prahmfähre, die auf dem NOK zum Einsatz kam. Sie war nur 15 Meter lang und wurde 1911 durch eine 30 Meter lange Dampffähre ersetzt. Die nächste Fähr-Generation hatte dann schon einen richtigen Motor.
Hier werden Besucher zu Schleusenmeistern
An einem Modell dargestellt ist auch der gesamte Verlauf des fast 100 Kilometer langen Kanals. Alle Fährstationen, Brücken, Tunnel und Schleusen sind im Miniformat sehen. Eine Schleuse können die Besucher zudem auch selbst in Betrieb nehmen. Sie müssen nur einen Knopf drücken und schon wird der niedrigere Wasserstand der Elbe auf das Niveau des Kanalwassers angehoben. "Das ist für die Kinder das schönste Modell, auch wenn sich das Schiff in der Schleuse nicht bewegt", erzählt Verena Lieske schmunzelnd. Stolz ist das "Atrium"-Team besonders darauf, dass viele Schulklassen ins Informationszentrum kommen. Insgesamt werden pro Jahr bis zu 80.000 Besucher im "Atrium" sowie auf den Aussichtsplattformen der Schleuse gezählt, darunter viele ausländische Touristen. "Es ist erstaunlich, wer sich schon alles ins Gästebuch eingetragen hat. Ich hatte schon Gäste aus Japan und Argentinien", berichtet die Museumsführerin.

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