Schleuse Strohbrück : Neues Leben für den Achterwehr-Kanal?

'Hier gibt es sogar Seeadler', sagt Hauke Henningsen über das Kleinod am Achterwehrer Schifffahrtskanal. Foto: Brumm
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"Hier gibt es sogar Seeadler", sagt Hauke Henningsen über das Kleinod am Achterwehrer Schifffahrtskanal. Foto: Brumm

Ein touristisches Kleinod ist die Region rund um den Achterwehrer Schifffahrtskanal, der früher von Sportbooten und Ausflugsschiffen angesteuert werden konnte. Die Schleuse ist allerdings immer noch außer Betrieb.

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17. Dezember 2007, 11:36 Uhr

Eine ungewöhnliche Kanalgeschichte schreibt die Schleuse Strohbrück, die seit 1913 den Achterwehrer Schifffahrtskanal gegen den 6,74 Meter tiefer gelegenen Nord-Ostsee-Kanal abschließt.
Interessierte werden aber enttäuscht sein, wenn sie das unter Denkmal stehende Bauwerk westlich von Kiel in Augenschein nehmen. Denn die Schleuse mit einer 40 Meter langen und acht Meter breiten Kammer ist seit fünf Jahren außer Betrieb, ein hoher Zaun sichert die Anlage. "Wir mussten das tun, weil immer wieder Jugendliche zum Badespaß in die Kammer sprangen", erklärt Hauke Henningsen (36), Leiter vom Außenbezirk Rendsburg des Wasser- und Schifffahrtsamtes Kiel.
Sanierung ist zu teuer
Stillgelegt wurde die Schleuse Strohbrück, nachdem ein Tor nicht mehr funktionierte. Auf die Reparatur, die einer teuren Grundsanierung gleich gekommen wäre, verzichtete die Kanalverwaltung aus Kostengründen. Dies war möglich, weil der Kanal zuletzt nur noch von Sportbooten und Ausflugsschiffen genutzt wurde. Der letzte öffentliche Lösch- und Ladeplatz ist bereits seit 1996 geschlossen.
Die Geschichte des knapp drei Kilometer langen Achterwehrer Schifffahrtskanals hängt mit dem angrenzenden, nur durch einen Damm getrennten Flemhuder See sowie dem Bau des Nord-Ostsee-Kanals (NOK) zusammen. Durch den NOK-Bau in den Jahren 1891/92 musste der Flemhuder See auf die Wasserstandshöhe des NOK gebracht werden. Dies bedeutete eine Absenkung des Wasserspiegels um etwa sieben Meter, wodurch sich die Seefläche von 234 auf 90 Hektar verkleinerte. Die verlandeten Seeflächen wussten die Kanal-Baumeister auch gleich zu nutzen: Große Mengen des Baggerguts aus dem Kanalbett wurden dort abgelagert und der Natur überlassen. So entwickelte sich ein etwa 150 Hektar großes Biotop. Henningsen: "Das ist ein Stück Landschaft, wo sich die Natur austoben kann."
Ein Kanal, damit der Kanal befahrbar bleibt
Eine weitere Einengung des Flemhuder Sees folgte mit der Kanalverbreiterung zwischen 1908 und 1914. Wieder wurden große Bodenmengen dort abgelagert. Um genügend Platz zu haben, wurden die vorhandenen Lösch- und Ladeplätze abgerissen und nahe der Ortschaften Flemhude und Achterwehr neu errichtet. Zudem musste der bereits für die Entwässerung angelegte Ringkanal ausgebaut werden, damit die Schiffe in den Nord-Ostsee-Kanal gelangen konnten. Das war die Geburtsstunde des heutigen Achterwehrer Schifffahrtskanals.
Zum Nord-Ostsee-Kanal hin entstand die Schleuse Strohbrück. Nach ihrer Inbetriebnahme herrschte über Jahrzehnte ein reger Güterverkehr. Die Schiffe nahmen vor allem Getreide aus der gesamten Region auf. Mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft und dem Transportwesen verlor die künstliche Wasserstraße an Bedeutung. Bereits Anfang der 1990er Jahre dachte die Verwaltung über eine Stilllegung der kleinen Wasserstraße und der Schleuse nach, nachdem 1986 die letzte gewerbliche Umschlagstelle geschlossen wurde.
Die ganze Region ist "eine wildromantische Idylle"
Heute ist die gesamte Region ein Kleinod mit einem großen Erholungswert. Es sind vor allem Kanufahrer, die das Revier für sich entdeckt haben, aber auch Radfahrer kommen im Zuge der neuen NOK-Route dort vorbei. Und vom Nord-Ostsee-Kanal aus können Freizeitskipper in den Flemhuder See fahren. Es sind gelbe Bojen vorhanden, an denen sie ihre Boote festmachen können. Eine "wildromantische Idylle" nennt Henningsen diesen Flecken Erde. Er berichtet, dass dort der Seeadler und unzählige andere Vogelarten zu Hause sind. Ob der benachbarte Achterwehrer Schifffahrtskanal jemals wieder für Sportboote und Ausflugsschiffe erreichbar sein wird, ist völlig offen. Die Grundsanierung der Schleuse Strohbrück würde mindestens 600.000 Euro kosten.
Eine Investition, für die sich der Bund als Unterhalter des Nord-Ostsee-Kanals nicht mehr verantwortlich fühlt. Für die künftige Nutzung sind vor allem landeskulturelle Interessen wie Natur-, Denkmal- und Naturschutz ausschlaggebend. Henningsen: "Deshalb streben wir an, dass das Land den Achterwehrer Schifffahrtskanal übernimmt."

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