Mammutprojekt : Kraftakt für das Herzstück von Hochdonn

Wurde im Kieler Nordhafen gebaut: Das neue Mittelstück der Hochdonner Brücke. Foto: Mormann
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Wurde im Kieler Nordhafen gebaut: Das neue Mittelstück der Hochdonner Brücke. Foto: Mormann

Es wird einfach ausgewechselt - das Mittelstück der alten Eisenbahnhochbrücke Hochdonn in Dithmarschen. Ingenieur Hauke Hinrichs ist verantwortlich für das Mammutprojekt am Kanal.

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17. Dezember 2007, 10:58 Uhr

Der Himmel ist bedeckt. 45 Meter über dem Nord-Ostsee-Kanal (NOK) wehen Böen mit Stärke sechs. Diplom-Ingenieur Hauke Hinrichs steht auf der Eisenbahnhochbrücke Hochdonn (Kreis Dithmarschen). Der 64-Jährige ist Projektleiter im Rendsburger Neubauamt Nord-Ostsee-Kanal und seit zehn Jahren zuständig für die Grundinstandsetzung der 1920 fertig gestellten Brücke. Und in einer Woche wird es für ihn und seine Kollegen spannend: Am 6. November soll der 1400 Tonnen schwere Schwebeträger, der mit seinen 121 Metern Länge den Kanal überspannt, abgebaut werden. Zwei Tage später wird er durch einen neuen, 150 Tonnen leichteren Träger ersetzt - noch liegt das neue Mittelteil der Hochdonner Brücke in Kiel-Holtenau.
Der Ponton, mit dem es über den Kanal transportiert wird, soll heute in der Landeshauptstadt eintreffen. Am Dienstag kommender Woche muss der Transport in Hochdonn sein. Bis dahin ist alles für das Mammutprojekt vorbereitet. Es wird dadurch starke Verkehrsbehinderungen geben: Durch den Austausch des Mittelstücks muss der NOK für die Schifffahrt zwei Tage gesperrt werden. Die Bahnstrecke Hamburg-Westerland ist vom 4. bis zum 16. November unterbrochen.
"Nach zehn Jahren kenne ich jeden Niet mit Vornamen"
Hinrichs klettert eine kurze Leiter hinab, unter die Schienen der mehr als zwei Kilometer langen Brücke. Stolz spricht er von "seiner Brücke": "Nach zehn Jahren Projektleitung kenne ich jeden Niet mit Vornamen." Das muss auch so sein, denn "wer bei so einer Aufgabe keine Leidenschaft zum Objekt entwickelt, hat den Beruf verfehlt", sagt Hinrichs. An Ruhestand im kommenden Jahr denkt der Vater einer Tochter und Großvater eines Enkels noch nicht: "Ich möchte die Arbeiten hier gerne abschließen." Das soll nach Planung des Neubauamtes 2008 der Fall sein.
Nach dem Schwebeträger müssen noch die Betonfundamente in Stand gesetzt, der Korrosionsschutz erneuert und kleinere Verstärkungsmaßnahmen vorgenommen werden. So kostet die komplette Grundinstandsetzung 30 Millionen Euro.
Der prüfende Blick des Ingenieurs fällt auf eines der Lager, die den Schwebeträger mit der übrigen Brücke verbinden. "Das ist verzogen", erklärt er. Die Folge zweier Schiffskollisionen in den 80er und 90er Jahren. Insgesamt weist der 86 Jahre alte Träger 18 Schwachstellen auf. Alle einzeln zu reparieren, würde zwei Jahre in Anspruch nehmen.
Beachtliche Ingenieurskunst mit reichlich Reserven
Beim Blick auf die Nieten gerät Hinrichs ins Schwärmen: "Die Ingenieure haben damals enorme Leistungen vollbracht. Eigentlich ging man davon aus, dass eine Brücke ein Menschenleben lang hält. Die Hochdonner Brücke macht aber noch mindestens weitere 40 bis 45 Jahre mit." Das liege nicht zuletzt daran, dass viele Reserven eingebaut wurden. "Das Material war 1920 nicht so hochwertig wie heute. Also hat man etwas großzügiger gerechnet."
So alt wie die Brücke wird das neue Mittelstück nicht werden. "Weil wir dem Bauwerk noch etwa 45 Jahre geben, wurde der Schwebeträger für die Lebensdauer von 50 Jahren gebaut. Das lässt sich heutzutage genau am Computer berechnen", erklärt Hinrichs ein bisschen wehmütig, denn: "Man verlässt sich auf die Berechnung und übersieht die große Ingenieurskunst von damals."

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