Bauarbeiten an der Hochbrücke : Hängepartie mit 1400 Tonnen Stahl

Erinnerungen an die alte Brücke: Auf dem Nordufer nutzten findige Geschäftsleute die Volksfeststimmung und verkauften Postkarten zwischen Punsch, Bier, Würstchen und Naschkram. Foto: Ruff
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Erinnerungen an die alte Brücke: Auf dem Nordufer nutzten findige Geschäftsleute die Volksfeststimmung und verkauften Postkarten zwischen Punsch, Bier, Würstchen und Naschkram. Foto: Ruff

Im Wasser stauten sich die Schiffe, am Ufer die Schaulustigen: Die spektakulären Bauarbeiten an der Hochbrücke Hochdonn lockten im November 2006 hunderte Menschen an den Nord-Ostsee-Kanal.

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17. Dezember 2007, 10:55 Uhr

Bewegt sich was? Für die vielen Zuschauer ist es kaum zu sehen, wie sich der Koloss rührt. Millimeter für Millimeter hebt sich das Mittelstück der 86 Jahre alten Eisenbahnhochbrücke in Hochdonn. Vier Stahlseile sorgen dafür, dass der Schwebeträger stabil bleibt, leicht gekippt wird und an seinen Aufliegern vorbei langsam mit zehn Metern pro Stunde abgelassen werden kann.
1400 Tonnen - so viel wie 1077 VW Golf wiegen - hängen an nur vier Stahlseilen. "Wenn da was reißt, war’s das", sagt Ingenieur Michael Pfeiffer, der für die Arbeiten eine weltweit einmalige Konstruktion entwickelt hat. "Die Kräne sind direkt an der Brücke montiert. So können wir bis Windstärke 8 arbeiten." Schwimmkräne wären nur bis Windstärke 4 stabil geblieben.
"Als Dithmarscher muss man dabei sein"
Am Abend des 6. November 2006 hatte die neue Konstruktion ihren Zweck erfüllt: Das Mittelstück der Brücke wurde nach Brunsbüttel geschleppt, um verschrottet zu werden. Zwei Tage später wurde das in Kiel gebaute neue Mittelstück in die Brücke eingesetzt.
Was ein Dutzend Bauarbeiter in Schwindel erregender Höhe vollbrachten, verfolgten am Boden hunderte Schaulustige. "Als Dithmarscher muss man dabei sein", sagte Andrea Pieper aus Hemmingstedt. Auch Ursula Thiel aus Großenrade war zur Brücke gekommen. "Wenn so ein Umbau noch mal kommen sollte, sehe ich das Gras schon von unten", sagte die 66-Jährige.
Große Pötte bekamen die "Sehleute" an diesem Tag nicht auf der meistbefahrenen Wasserstraße der Welt zu sehen. Der Kanal blieb von 7 Uhr an gesperrt. Vor den Kieler Schleusen lagen 13 Schiffe, die um 12 Uhr die Wassersstraße passieren durften. In Brunsbüttel bekamen die elf wartenden Frachter um 17 Uhr Einfahrt. "Damit der Stau nicht zu lang wurde, durften sie bis zur Baustelle vorfahren", sagte Thomas Fischer, Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes Brunsbüttel. Ab 20 Uhr passierten sie dann auch die Brücke Hochdonn.

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