Unterwegs mit dem Kanalfischer : Endlich: Mehr Aale in den Fangnetzen

Geräuchert schmecken sie am besten: Fischermeister Hans Brauer holt wieder mehr Aale aus dem Kanal. Foto: Brumm
Geräuchert schmecken sie am besten: Fischermeister Hans Brauer holt wieder mehr Aale aus dem Kanal. Foto: Brumm

Gute Nachricht vom Nord-Ostsee-Kanal: Fischer Hans Brauer hat in diesem Sommer mehr Aale im Netz als in den Vorjahren. Seine Empfehlung: Geräuchert schmeckt der Fisch am besten.

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23. März 2009, 07:58 Uhr

Auf Buchenholz geräuchert, 300 bis 400 Gramm schwer und fettig. Dazu ein Stück Weißbrot und ein, zwei Köm. So sieht für Fischermeister Hans Brauer (53) der wahre Aal-Genuss aus. Und so mögen ihn auch die Gäste seiner "Aalkate" in Rade am Ufer des Nord-Ostsee-Kanals (NOK).
Wahre Genießer essen den Räucheraal mit den Fingern, lutschen das rötliche Fleisch von der Gräte. Dieses fettige Vergnügen ist durchaus gesund: Aale haben viel Vitamin A und ungesättigte Fettsäuren. Doch der Aalgenuss ist nicht gerade günstig: 34 Euro kostet ein Kilo Räucheraal. Ein Grund: Aale sind knapp geworden. Nach Einschätzung von Wissenschaftlern ist der schlangenförmige Fisch vom Aussterben bedroht. In Flüssen schrumpften die Bestände in 20 Jahren um bis zu 99 Prozent.
Dies liegt vor allem daran, dass die in der Sargasso-See (Bermuda-Dreieck) geschlüpften Aale auf ihrem Zug in Europas Flüsse und Seen schon vor den Küsten Spaniens und Frankreichs von großen Fischereiflotten aus dem Meer geholt werden. Die meisten dieser durchsichtigen Glasaale gehen nach Asien, wo sie als Delikatesse gelten. Bis zu 1000 Euro zahlen die Asiaten für ein Kilo Glasaal.

EU kämpft gegen Raubbau der Großfischer
Die Europäische Union hat diesem Raubbau den Kampf angesagt und Rettungsmaßnahmen beschlossen: Danach sollen ab sofort 35 Prozent, und bis 2013 dann 60 Prozent der gefangenen Jungaale dem Bestand in heimischen Gewässern wieder zugeführt werden.
Im Nord-Ostsee-Kanal wurden bereits in großen Mengen junge Aale ausgesetzt, um den Bestand zu stabilisieren. Mit Erfolg. Fischer Brauer muss in dieser Saison zum ersten Mal keine Zucht-Aale dazukaufen. "Wir können unseren Bedarf wieder selber decken, 10 bis 15 Aale haben wir täglich im Netz", freut sich Hans Brauer, der auf seine Aale schwört. Denn Kanal-Aale ernähren sich vorwiegend von Würmern, Käfern und Krebsen. Brauer: "Diese Nahrung fressen sie lieber als kleine Fische. Sie haben deshalb einen spitzen Kopf und sind hinten dicker. Brauer: "Unsere Spitzkopfaale sind ideal zum Räuchern." Anders die Artgenossen aus der Eider, die sich von kleinen Fischen ernähren müssen. Sie haben einen breiten Kopf, sind im hinteren Körperbereich nicht so fett. Der Kanal-Aal ist aber nicht nur fetter, er schmeckt nach Meinung von Hans Brauer auch besser als seine Artgenossen aus anderen Gewässern. Das soll daran liegen, dass das Wasser im NOK durch den Schiffsverkehr immer in Bewegung ist, stets gut mit Sauerstoff versorgt wird.
Brauer räuchert seine Aale im eigenen Ofen und verkauft sie in der "Aalkate". Dieses gemütliche Fischrestaurant mit Blick auf die vorbeifahrenden Schiffe hat sich für ihn zum zweiten Standbein entwickelt. Zum Glück, denn vom Fischfang allein könnte er seine Familie nicht mehr ernähren.

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