Campen am Kanal : Die Sonne ist da - die Camper sinds auch

Zeit ist ein Fremdwort für Claudia und Bernd Eyben aus Harrislee. Mit ihrem Hund 'Filou' genießen sie ihr Camping am Kanalufer von Klein Westerland. Foto: Ruff
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Zeit ist ein Fremdwort für Claudia und Bernd Eyben aus Harrislee. Mit ihrem Hund "Filou" genießen sie ihr Camping am Kanalufer von Klein Westerland. Foto: Ruff

In Dithmarschen gibt es den einzigen Campingplatz direkt am Nord-Ostsee-Kanal. Dort fahren die Schiffe zum Greifen nah an den Wohnwagen vorbei. Mit den ersten Sonnenstrahlen sind auch die ersten Camper eingetroffen.

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17. Dezember 2007, 10:53 Uhr

Vögel zwitschern, Grillen zirpen, bassig wummernd zieht ein Schiff vorbei. Ansonsten ist es still. Direkt am Kanalufer bei Hochdonn haben sie sich niedergelassen: die Camper. In Klein Westerland stehen zwischen April und Oktober bis zu 170 Wohnwagen - die meisten ihrer Besitzer sind Dauergäste.
Bernd und Claudia Eyben aus Harrislee bei Flensburg hat es mit ihrem Hund "Filou" im Wohnanhänger für eine Woche an den Kanal verschlagen. Auf Klappstühlen machen sie es sich am Ufer bequem. Kurz durchdringt ein helles Hupen die Stille - ein Zug ist auf der Hochdonner Hochbrücke.
Campen bedeutet Freiheit
Die Eybens lassen sich davon nicht stören. "In den Tag hinein zu leben, wie es mir gefällt" - das macht für Claudia Eyben (60) das Campen aus. Für Ehemann Bernd (65) bedeutet es Freiheit: "Die Wohnung ist immer dabei. Wenn es uns irgendwo nicht mehr gefällt, fahren wir eben woanders hin."
In Klein Westerland gefällt es dem Paar bisher sehr gut. 150 Dauer- und 20 Touristencamper finden dort Platz. Der Name ist kein Zufall: Er kommt von der Badestelle nebenan. Eine kleine Bucht hinter einer schmalen Landzunge, in der vom Schiffsverkehr ungestört geplantscht werden kann. "Aufgespülter, schneeweißer Kanalsand bildet den Strand", sagt Bettina von Horsten (35). Gemeinsam mit ihrem Mann Volker (38) leitet sie den Campingplatz seit 1997. Ein Vollzeit-Job: "Rund um die Uhr muss ein Ansprechpartner da sein und im Winter wird gründlich renoviert", sagt Volker von Horsten.
Mit einem Zelt begann das Camping-Fieber zweier Dauergäste
Vor zwei Jahren bekam der Platz ein neues Sanitärhaus mit Duschen und WCs, jeder Stellplatz hat seinen eigenen Wasseranschluss. "Das ist längst kein Standard", weiß Elke Meklenburg. Die 65-jährige Rentnerin hat mit ihrem Mann Uwe bereits seit 1964 einen Dauerplatz - so lange wie kein anderer in Klein Westerland. Ihr Haus in Elmshorn bewohnt der Sohn. Den Winter über verbringen die Meklenburgs mit ihrem Wohnwagen im Harz.
Die Lust am Campen entdeckten die Elmshorner schon in ihrer Jugend: "Wir haben mit einem Zelt angefangen, der Urlaub kostete wenig", sagt Elke Meklenburg. Das ist bis heute so geblieben: 580 Euro zahlt das Paar pro Jahr für den Sommerstellplatz - hinzu kommen Wasser und Strom. "Ein Ferienhaus lässt sich für diesen Preis nicht mal zwei Wochen mieten."
In den vergangenen 43 Jahren haben die Meklenburgs viele Veränderungen in Klein Westerland miterlebt - und mitgemacht. "Wo jetzt unsere Wohnwagen stehen, wuchsen damals armdicke Eichen. Die haben wir alle selbst gefällt", erzählt Uwe Meklenburg. Denn als Anfang der 70er Jahre der Kanal verbreitert wurde, musste der Campingplatz mit dem Ufer versetzt werden. "Eigentlich leben wir hier im Wald", sagt Meklenburg scherzhaft. Heute erinnern noch ein paar Baumstümpfe an damals - mittlerweile um einiges dicker.
"Nirgendwo sonst kommt man den Schiffen so nah"
Während Meklenburg an früher denkt, verlegt sein Nachbar Günter Wallenwein (71) neue Gehwegplatten auf seiner acht mal zwölf Meter großen Parzelle. Im vergangenen Jahr hat sich der Kaltenkirchener mit seiner Frau Heike (68) dafür entschieden, ein "sesshafter Camper" zu werden. "Wir haben seit 30 Jahren im Sommer Radtouren am Kanal gemacht und uns dann gedacht: Warum nicht dort wohnen?", erzählt Günter Wallenwein. Ein 90-Jähriger verkaufte seinen Stellplatz samt Wohnwagen und Vorzelt, die Wallenweins richteten sich ein. Stolz zeigt der frühere Lokführer sein Domizil: Hellbraune Einbauküche mit Waschbecken, Kochplatten und Heizung im Vorzelt, die Schränke sind rundum mit Klarlack geschützt - "sonst quellen sie auf, wenn es feucht ist."
Auf dem Kanal zieht ein Tanker vorbei. Bernd und Claudia Eyben haben ihre Klappstühle unter den Arm genommen, Hund "Filou" an die Leine. Sie schlendern zurück zu ihrem Wohnwagen. Nach ein paar Tagen am Kanal wollen sie in Richtung Ostsee weiter ziehen. Doch der gebürtige Wilhelmshavener denkt bereits über einen festen Platz in Klein Westerland nach, denn: "Nirgendwo sonst kommt man den Schiffen so nah."

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