Im Leitstand der Tunnelzentrale : Anstrengende Langeweile vor 20 Monitoren

Im Leitstand des Rendsburger Kanaltunnels: Hier überwachen Lothar Arff und seine Kollegen den Straßenverkehr. Foto: Brumm
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Im Leitstand des Rendsburger Kanaltunnels: Hier überwachen Lothar Arff und seine Kollegen den Straßenverkehr. Foto: Brumm

Der Job ist besonders anstrengend, wenn nichts los ist, denn die Männer im Leitstand des Rendsburger Kanaltunnels müssen ständig hellwach sein.

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17. Dezember 2007, 11:45 Uhr

Als Lothar Arff vor 20 Jahren auf dem Leitstand des Rendsburger Kanaltunnels seinen Dienst antrat, wusste er gar nicht, auf welchen der 20 Bildschirme er zuerst gucken sollte. "Heute reicht ein Blick und ich weiß, was los ist", sagt der 48-Jährige, der mit fünf weiteren Kollegen in drei Wechselschichten den Tunnelbetrieb rund um die Uhr überwacht.
Viel zu tun haben sie an normalen Tagen nicht, dennoch ist ihr Job nicht leicht. "Du sitzt den ganzen Tag nur herum, schaust monoton auf die Bildschirme. Das ist richtig anstrengend." Und trotz der augenscheinlichen Langeweile müssen die Männer auf dem Leitstand stets hellwach sein und schnell reagieren, wenn es mal wieder gekracht hat. Zum Glück handelt es sich meistens nur um leichte Auffahrunfälle und es ist mit der Sperrung einer Fahrbahn getan. Anders sah es aus, als plötzlich ein Pkw lichterloh brannte. "Es dauerte keine zwei Minuten und die ganze Tunnelröhre war schwarz - und auf den Bildschirmen war nichts mehr zu erkennen." In solchen Fällen muss alles blitzschnell gehen: Vollsperrung, Feueralarm auslösen, und die riesigen Lüfter anschalten, die den Qualm aus dem Tunnel ziehen.
Alle 40 Meter ein Zugang zur Rettungsröhre
Die Rettungskräfte fahren dann in die Röhre, in der nichts passiert ist. Von dort können sie durch die Türen des 1,20 Meter breiten Mittelganges in die andere Fahrbahnröhre gelangen. Da es auf der gesamten Tunnellänge von 860 Metern in Abständen von 40 Metern eine Fluchttür gibt, kommen die Retter sehr schnell und sehr nah an die Unfallstelle heran. "Diese Türen sind nie verschlossen. Wenn sie geöffnet werden, wird automatisch auf dem Leitstand ein Alarm ausgelöst", erklärt Betriebsstellenleiter Manfred Cygan (47). Autofahrer können bei jedem Notfall in den Mittelgang flüchten. "Da braucht niemand Angst haben. Das ist ein absolut abgekapselter Gang, in dem nichts passieren kann", ergänzt Lothar Arff. Dort stehen neben jeder Tür zwei Feuerlöscher und ein Telefon griffbereit, das direkt mit dem Leitstand verbunden ist. Über eine Lautsprecheranlage können Arff und seine Kollegen zudem die Verkehrsteilnehmer im Tunnel anweisen, wie sie sich nach Unfällen zu verhalten haben.
Machtlos sind die Männer auf dem Leitstand dagegen bei Staus, zu denen es oft im morgendlichen Berufsverkehr auf der Fahrbahn in Richtung Süden kommt. Damit zeigt sich, dass die Kapazität des Tunnels ausgereizt ist. Jeden Tag sind es 45.000 bis 48.000 Fahrzeuge, die den Tunnel passieren, im Jahr etwa 16,5 Millionen. Auffällig zugenommen hat der Lkw-Verkehr. Grund: Seit Einführung der Autobahn-Maut nutzen Lkw-Fahrer die Bundesstraße zwischen Itzehoe und der Autobahn-Auffahrt bei Jagel als Ausweichstrecke. Dies führt im Bereich des Kanaltunnels verstärkt zu Fahrbahnschäden. Durch die Vibrationen der schweren Laster entstehen Spurrillen, Asphaltrisse und kleine Schlaglöcher. "Um größere Schäden zu vermeiden, sind wir schnell dabei, die Stellen auszubessern", erklärt Hauke Henningsen, der Leiter der zuständigen Kanalverwaltung. Solche Arbeiten verursachen dann immer mal leichte Verkehrsbehinderungen, die Lothar Arff mit einem flüchtigen Blick beobachtet: "Alles läuft ruhig."

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