zur Navigation springen

Thema: Arbeit : Koch aus Leidenschaft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach einer schlechten Erfahrung auf dem Arbeitsmarkt hat Thomas Ahrens sein Glück in den Möllner Werkstätten gefunden. In der Küche stellt er sein Talent jeden Tag aufs Neue unter Beweis. Auch im Werkstattrat engagiert sich der 41-Jährige stark.

shz.de von
erstellt am 03.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Thomas Ahrens arbeitet seit 20 Jahren in den Möllner Werkstätten – mit kurzer Unterbrechung. Bei einem Exkurs auf den ersten Arbeitsmarkt Mitte der 1990er Jahre hatte der heute 41-Jährige großes Pech und sammelte schlechte Erfahrungen. Anschließend durfte er zu seinem alten Job in der Werkstatt-Küche zurückkehren. Dort fühlt Thomas Ahrens sich wohl und ist glücklich, dass er viel Verantwortung übernehmen darf.

Mit 18 habe ich in den Möllner Werkstätten angefangen – im Arbeitstrainingsbereich. In der Hauswirtschaftsgruppe war ich damals der einzige Mann zwischen 15 Frauen. Heute arbeiten in der Küche fast mehr Männer als Frauen. Das ist ein Kraft-Job, wir kochen für 800 Leute – auch für Kindergärten und Schulen. Ich darf hier sogar schon selbst Waren annehmen und unterschreiben dafür. Außerdem bin ich erster Vorsitzender im Werkstattrat. Ich kenne hier alle.

Meine Aufgaben in der Küche? Brötchen aufschneiden, schmieren und verkaufen. 200 Portionen Pudding zum Rausschicken machen und 100 Portionen für die Werkstatt. Außerdem Gyros oder Geschnetzeltes braten oder einen richtigen Braten machen – mit Temperaturregler. Ich arbeite immer von 7.30 Uhr bis 16 Uhr. Am Freitag nur bis 12 Uhr; dann fängt mein Wochenende an. Das gefällt mir gut.

Aber ich habe auch mal schlechte Erfahrungen gemacht – das war Mitte der 90er Jahre. Mein Nachbar damals hatte eine Eselzucht und einen Verlag. Erst hab ich mir bei ihm nur etwas Taschengeld dazuverdient, mit Tierpflege und Zeitungen verpacken und zusammentackern. Irgendwann wollte der Nachbar mich dann fest einstellen, also habe ich in der Werkstatt gekündigt. Zwei Monate später kam raus: Ich war gar nicht mehr krankenversichert! Da bin ich dann zu einer Sozialarbeiterin aus den Möllner Werkstätten gegangen. Die hat zum Glück Druck gemacht und der Chef musste sogar Strafe zahlen.

Eine Zeit lang hat der Chef mein Gehalt noch ordentlich bezahlt, aber dann ging das mit der Ausbeutung schon los. Manchmal habe ich 48 Stunden gearbeitet, manchmal drei Tage am Stück – ohne schlafen! Ein Leben hab ich gar nicht mehr gehabt in der Zeit. Ich war auch verlobt gewesen, aber die Beziehung ist schnell kaputt gegangen wegen der Arbeit.

Nach einem Jahr kam die Sozialarbeiterin aus den Werkstätten dann mal und hat nach dem Rechten geguckt. Sie sagt: „Thomas, du siehst ja aus! Du musst mal weniger arbeiten!“ Ich war noch dünner als jetzt, der Rücken war kaputt. Irgendwann war dann richtig Schach-matt. Die Sozialarbeiterin hat mir geholfen und ich habe von heute auf morgen gekündigt. Zum Glück hatte ich immer die Werkstatt im Rücken. Wenn ich die nicht gehabt hätte, wäre ich richtig auf den Arsch gefallen, richtig kaputt.

Deshalb war ich auch froh, dass ich zurück konnte, zu meinem alten Job. Die Werkstatt-Chefin hat mich wieder aufgepäppelt. Aber dieser Arbeitsplatz kostet auch viel Geld. Wir müssen das immer wieder beantragen. Der Gruppenleiter muss dann ein langes Formular ausfüllen.

* Dokumentation: Antonia Stahl

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen