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Thema: Leben : „Ich wünsche mir weniger Kopfsteinpflaster“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Barrierefreiheit ist ein wichtiges Thema für Menschen mit Behinderung. Alexandra Ullweit berichtet aus ihrem Leben.

Mein Name ist Alexandra Ulleweit, ich bin 25 Jahre alt und wohne in den Möllner Wohnstätten in der Gruppe Neubau. Ich fühle mich dort sehr wohl. Unter Mobilität stelle ich mir vor, mit meinem Rollstuhl so einfach wie möglich von A nach B zu kommen und dabei möglichst wenige Einschränkungen zu haben. Barrierefreiheit spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle und ist mir sehr wichtig, aber glücklicherweise habe ich damit in meinen verschiedenen Lebensbereichen, so gut wie keine Probleme.

In der Wohnstätte ist die Waschmaschine im Pflegebad zwar so hingestellt, dass ich da rankomme, aber der Trockner ist meiner Meinung nach viel zu hoch hingestellt. Ich wünsche mir, dass man ihn so aufstellt, dass ich da etwas besser ran komme. Ich spiele auch sehr gerne Tischtennis. Die Tischtennisplatte befindet sich jedoch unten im Keller. Ich kann mit meinen Orthesen zwar die Treppen runter laufen, oftmals ist es für mich aber trotzdem zu anstrengend.

Tagsüber arbeite ich in den Möllner Werkstätten in der Anmeldung in einem Büro. Der Nachtdienst bringt uns von den Wohnstätten rüber zur Werkstatt. Meist schiebt mich Marlies. Sonst fahre ich alleine mit meinem Rolli. Meine Tätigkeiten sind Aktenablage, sprich Rechnungen, Lieferscheine, außerdem gehören noch Telefondienst, Infos ausrufen, Kopieren und Dokumente zu den Gruppenleitern zu bringen dazu. Im Büro ist bis auf die Ordner eigentlich auch alles behindertengerecht ausgestattet. Diese könnten ein bisschen weiter nach unten gestellt werden.

In meiner Freizeit mache ich auch so gut wie alles alleine. Wenn ich in die Stadt fahren möchte, nehme ich den Bus, zum Glück ist es ein Niederflurbus. Manchmal brauche ich jemanden, der mir hilft, die Rampe runter zu machen. Eigentlich ist in der Stadt alles behindertengerecht, außer der Marktplatz, der ist leider mit Kopfsteinpflaster ausgelegt. Wenn ich mit Bus oder Zug fahre, dann nicht alleine, sondern mit Freunden. Einer nimmt den Rollstuhl und einer hilft mir die Treppen rauf. Passanten reagieren nicht beschämt und tuscheln nicht und zeigen schon gar nicht mit dem Finger auf mich, sondern bieten mir von sich aus ihre Hilfe an. Früher war das ganz anders, da haben schon mal welche getuschelt oder mich blöd angeguckt.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass es weniger Kopfsteinpflaster in der Stadt gibt, da das wirklich mein größtes Hindernis ist. Bordsteine sollten mehr abgesenkt werden, weil es zum einen für meinen Begleiter und mich das Vorankommen erleichtern, zum anderen die Lebensdauer meines Rollstuhls verlängern würde. Grundsätzlich denke ich, dass ich, gemessen an meiner Behinderung, sehr mobil bin. Ich hoffe, dass das so bleibt.

* Dokumentation: Christian Preuß

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