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Thema: Arbeit : Handicap darf kein Hindernis sein

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Menschen mit Behinderung sind auf dem Arbeitsmarkt Mangelware. Ein brachliegendes Potenzial, das Unternehmen nutzen sollten, fordert Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit.

shz.de von
erstellt am 03.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Frau Haupt-Koopmann, inwieweit sind Menschen mit Behinderungen in Schleswig-Holstein in den Arbeitsmarkt integriert?
Die Arbeitgeber berücksichtigen das Potenzial der schwerbehinderten Menschen noch viel zu wenig – besonders vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels, der in den kommenden Jahren steigen wird. Aktuell sind bei uns 5.332 Schwerbehinderte gemeldet, das ist ein Anteil von 5,5 Prozent aller Arbeitslosen. Wie schwierig ihre Situation ist, zeigt die Entwicklung der Arbeitslosigkeit: Die Gesamtzahl der Arbeitslosen ist im Oktober um 4,4 Prozent – auf 96.785 – gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Bei den Schwerbehinderten war der Anstieg mit 5,3 Prozent deutlich höher. Sie werden nicht nur häufiger arbeitslos, wenn die Zahlen steigen, sie profitieren auch seltener von einer Erholung des Arbeitsmarkts.

Warum haben Behinderte es so schwer, einen Job zu finden?
Weil sie immer noch gegen viele Vorbehalte und Vorurteile ankämpfen müssen. Ein Behinderter ist in den Augen vieler Arbeitgeber weniger leistungsfähig, braucht mehr Urlaub – und man wird ihn nicht mehr los. Das sind die klassischen Vorurteile, die sich auf die Beschäftigtenzahlen auswirken. So müssen laut Gesetz Unternehmen mit mindestens 20 Arbeitsplätzen fünf Prozent davon mit Schwerbehinderten besetzen. Das gilt für 4.798 Betriebe in Schleswig-Holstein, von denen aber 1.273 diese Pflicht nicht erfüllen. Knapp 7.000 Pflichtarbeitsplätze sind nicht besetzt.

Was spricht dafür, einen Menschen mit Behinderung einzustellen?
Sie sind in der Regel besonders engagiert und motiviert. 55 Prozent haben eine abgeschlossene Berufsausbildung, der Wert bei allen Arbeitslosen liegt nur bei 46 Prozent. Hinzu kommt, dass man vielen ihre Einschränkung gar nicht ansieht.

Was muss sich ändern?
Es sollte selbstverständlich sein, Schwerbehinderte einzustellen. Sie müssen eine Chance bekommen zu zeigen, dass sie wertvolle Arbeitskräfte sind. Eine Probebeschäftigung bietet die Möglichkeit, zu sehen, ob der Mitarbeiter ins Unternehmen passt. Schwerbehinderung darf kein grundsätzliches Einstellungshemmnis sein. Die öffentlichen Arbeitgeber in Schleswig-Holstein gehen mit einer Beschäftigungsquote von 6,1 Prozent dabei mit gutem Beispiel voran. Bei den privaten Betrieben sind es nur 3,7. Hier erwarte ich mehr. Doch dafür muss die Integration von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt viel stärker zum Thema werden – nicht nur an Jahres- und Aktionstagen.

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