Prozess beginnt : Nonnenmacher: Skandal-Banker oder Retter?

Der damalige HSH-Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher im Februar 2010 in Hamburg als Zeuge vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft. Foto: dpa
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Der damalige HSH-Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher im Februar 2010 in Hamburg als Zeuge vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft. Foto: dpa

Haben Nonnenmacher und seine Ex-Kollegen 158 Millionen Euro veruntreut? Am Mittwoch beginnt der Prozess gegen die Ex-Vorstände der HSH Nordbank.

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21. Juli 2013, 09:48 Uhr

Hamburg | Sechs Männer treten am Mittwoch in Hamburg vor ihre Richter. Vor fünfeinhalb Jahren bildeten sie den Vorstand der HSH Nordbank, waren mächtig und angesehen, disponierten über Millionen und Milliarden. Jetzt sind sie angeklagt wegen Untreue in einem besonders schweren Fall und müssen sich verantworten für einen Schaden von etwa 158 Millionen Euro, den sie schuldhaft verursacht haben sollen. Werden sie verurteilt, drohen ihnen Strafen bis zu zehn Jahren Haft. Alle sechs weisen den Vorwurf zurück und betonen, ihre Pflichten gewissenhaft erfüllt zu haben. Das Gericht wird monatelang verhandeln, ehe ein Urteil fällt.
Der prominenteste Angeklagte heißt Dirk Jens Nonnenmacher. Er stand vom November 2008 bis März 2011 an der Spitze der Bank und polarisierte die Öffentlichkeit wie kaum ein zweiter Banker. Der Mathe-Professor stand in der Kritik, weil er auf vereinbarten Bonuszahlungen bestand und eine Millionen-Abfindung kassierte. In seiner Amtszeit verstrickte sich die Bank in eine Reihe von Affären. Ein Vorstand wurde zu Unrecht entlassen, ein anderer hoher Mitarbeiter in New York mit falschen Kinderporno-Vorwürfen konfrontiert. Am Ende musste Nonnenmacher auf Druck der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein gehen, obwohl Aufsichtsratschef Hilmar Kopper lange an ihm festhielt. In seiner Zeit als Vorstandschef konnte er die Bank wirtschaftlich stabilisieren. Kopper stärkte auch später den Banker: "Nonnenmacher hat die Bank gerettet. Eigenhändig. Mit einem Minimum an barem öffentlichen Geld. Dafür hätten sie ihm ein Denkmal setzen können."

Angeklagt wegen eines Geschäfts aus dem Dezember 2007

Vor Gericht ist der Ex-Vorstand mit dem Kürzel "Dr. No" einer von sechs. Angeklagt ist der gesamte Vorstand für ein riskantes Geschäft aus dem Dezember 2007, als Nonnenmacher öffentlich noch unbekannt war und dem Gremium erst einige Wochen angehörte. Er rückte erst ein knappes Jahr später an die Spitze der Bank, als die Finanzkrise auf ihren Höhepunkt zusteuerte und riesige Verluste das Institut fast in den Abgrund gerissen hätten. Die Länder retteten die HSH Nordbank vor der Pleite, die für Schleswig-Holstein und Hamburg ein Desaster bedeutet hätte.
Vorstandschef war damals Hans Berger, ein Landesbanker aus Kiel. Er trägt - ebenso wie die langjährigen Vorstände Peter Rieck und Hartmut Strauß - weit mehr Verantwortung für die Geschäftspolitik der HSH Nordbank in den Jahren vor der Finanzkrise. Die Bank pumpte sich voll mit günstiger Liquidität, so lange noch die Länder für die Bank hafteten. Das Geld wurde dann zum Teil nicht in das klassische Kreditgeschäft investiert, sondern in neuartige Finanzprodukte, die hohe Zinsen abwarfen und sich später als hochriskant und verlustreich erwiesen.

400 Millionen Euro Risiko bei "Omega 55"

Nachdem die Bank schon Jahre auf diesem Weg vorangeschritten war, billigten die Vorstände im Umlaufverfahren und ohne große Debatte das angeklagte Geschäft "Omega 55". Damit gingen sie ein Risiko von mindestens 400 Millionen Euro ein. "Das konnte nur passieren, weil die Kultur der Bank zu diesem Zeitpunkt das zuließ", heißt es aus Kreisen des Aufsichtsrats. Soll heißen: Bei der Bank waren in der heraufziehenden Finanzkrise die ohnehin lockeren Sicherungen gänzlich durchgebrannt. Das Risikomanagement lag am Boden. Die regionale norddeutsche Bank drehte ein viel zu großes Rad.
Das Urteil wird mit Spannung erwartet. Der Hamburger Anwalt Gerhard Strate, der mit einer Anzeige das Verfahren ins Rollen brachte, meint, dass der Vorstand die hohen Risiken gar nicht hätte eingehen dürfen und sich schon damit strafbar machte. Angeklagt ist jedoch, dass die Vorstände auf Basis ihrer Unterlagen Chancen und Risiken des Geschäfts gar nicht hätten abwägen können.

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