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Hauptverfahren in Hamburg : Gericht rollt HSH-Nordbank-Vergangenheit auf

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Die Skandal-Vergangenheit der HSH-Nordbank wird noch einmal öffentlich aufgearbeitet - vor Gericht.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2013 | 04:48 Uhr

Hamburg | Die Vergangenheit hat die HSH Nordbank eingeholt: Das Landgericht Hamburg hat nach einer Mitteilung vom Donnerstag das Hauptverfahren gegen sechs ehemalige Vorstandsmitglieder eröffnet, darunter ist Ex-Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher.
Die Kammer hält die Angeklagten einer gemeinschaftlich begangenen Untreue für hinreichend verdächtig. Sie wirft ihnen vor, im Dezember 2007 die Finanztransaktion "Omega 55" genehmigt zu haben, obwohl anhand einer Kreditvorlage eine umfassende Abwägung von Chancen und Risiken des Geschäfts nicht möglich gewesen sei. Im Ergebnis habe das Geschäft für die HSH Nordbank AG zu einem Verlust in Millionenhöhe geführt, teilte das Gericht mit. Die Beschuldigten haben den Vorwurf zurückgewiesen. Offizielle Termine für den Prozess gibt es noch nicht, nach Angaben des Nonnenmacher-Anwalts ist der Monat Juli zum Auftakt im Visier. Gerechnet wird mit einer mehrmonatigen Verfahrensdauer.

"Eine falsche Bilanz ist nicht eine gefälschte Bilanz"


Eine weitere Anschuldigung der unrichtigen Darstellung - landläufig Bilanzfälschung - richtet sich nur gegen Nonnenmacher und einen weiteren Ex-Vorstand. Sie sollen in einem Quartalsbericht (zum 31.3.2008) und einer Pressemitteilung statt eines Fehlbetrags von 31 Millionen Euro einen Gewinn von 81 Millionen Euro ausgewiesen haben.
Die Angeklagten hätten die Abweichung zumindest für möglich gehalten und billigend in Kauf genommen, teilte das Gericht mit. Nonnenmacher hatte 2010 dazu angemerkt: "Aber eine falsche Bilanz ist nicht eine gefälschte Bilanz." Er machte damals Defizite beim Risikomanagement und in der IT für die Fehler verantwortlich.

"Omega"-Projekt wurde von Nonnenmacher mit gebilligt


In Bezug auf das strittige "Omega"-Geschäft teilte das Gericht mit, eine allgemein von der Bank bezweckte Verbesserung bankaufsichtsrechtlicher Eigenkapitalkennziffern sei aufgrund der Struktur dieser Transaktion nicht zu erreichen gewesen. Ebenfalls habe die Kreditvorlage keine aussagekräftigen Angaben über die Ertrags- und Kostensituation des Geschäfts enthalten.
Nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft soll die Landesbank für Hamburg und Schleswig-Holstein angesichts der heraufziehenden Finanzkrise Risiken aus der Bilanz in eine Zweckgesellschaft verschoben haben. Die Banker glaubten dagegen, sie hätten ein bankübliches Geschäft mit ihrem französischen Partner BNP Paribas abgeschlossen, wie Nonnenmacher 2010 vor einem Untersuchungsausschuss der Hamburger Bürgerschaft zu erklären versuchte.
Das "Omega"-Projekt hatte Nonnenmacher als Finanzvorstand mit gebilligt, bevor er später Vorstandschef wurde. Der Mathematiker sollte ursprünglich einen HSH-Börsengang vorbereiten, aus dem wegen der Finanzkrise nichts wurde.
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