"Omega 55" : Bilanztrick oder normales Bankgeschäft?

Was steckt hinter "Omega 55"? Wie kam es zu 158 Millionen Euro Verlust? Warum fielen die in einem Zwischenbericht nicht auf? Hier sind die Antworten.

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21. Juli 2013, 09:45 Uhr

Hamburg | Gegenstand des Prozesses gegen den früheren Vorstand der HSH Nordbank ist ein Geschäft aus dem Dezember 2007, das unter dem Namen "Omega 55" bekannt ist. So hieß eine Zweckgesellschaft der französischen Bank BNP Paribas, die in Dublin für hochriskante Wertpapiergeschäfte außerhalb der Bilanzen mit der HSH Nordbank gegründet wurde.
Nach den bislang bekannten Informationen bestand das Geschäft aus zwei Teilen. Zum einen übertrug die HSH Nordbank Immobilienkredite von rund zwei Milliarden Euro an die französische BNP Paribas und zahlte dafür eine Art Versicherungsprämie. Für diese Kredite hätte die Bank 160 Millionen Euro Eigenkapital vorhalten müssen. Diese Pflicht entfiel nun. Die Bilanz der Bank war ein Stück entlastet. Die Immobilienkredite landeten in der Gesellschaft "Omega Capital Funding 55". Im Gegenzug investierte die HSH Nordbank in strukturierte Wertpapiere und übernahm damit Risiken von 400 Millionen Euro von BNP Paribas. Dazu gehörten auch isländische Staatsanleihen oder Zertifikate der US-Bank Lehman Brothers, die neun Monate später pleite gehen sollte.

Zwei der sechs Angeklagten zusätzlich angeklagt

Das war der zweite Teil des Geschäfts. Ein Teil der ursprünglichen Risiken und noch mehr war so wieder bei der HSH Nordbank gelandet. Ein Jahr später, als die Finanzkrise ihren Höhepunkt erreichte, musste die Bank auf "Omega 55" 334 Millionen Euro abschreiben. Das Engagement wurde im Januar 2010 endgültig aufgelöst. Als Verlust blieb ein dreistelliger Millionenbetrag übrig. Die Staatsanwaltschaft beziffert den Schaden auf 158 Millionen Euro. Deshalb stehen die sechs Ex-Vorstände vor Gericht. Sie haben das Geschäft abgezeichnet - für die Anklage ein klarer Fall von besonders schwerer Untreue.
Zwei der sechs Angeklagten müssen sich zudem wegen falscher Darstellung verantworten, das ist der juristische Begriff für Bilanzfälschung. Sie seien dafür verantwortlich, dass die HSH Nordbank in ihrem Zwischenbericht zum 1. Quartal 2008 einen Überschuss von 81 Millionen Euro ausgewiesen habe, während tatsächlich ein Verlust von 31 Millionen Euro angefallen sei.

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