Juliane Rumpf : "Qualität gibt es nicht zum Nulltarif"

Ruhigen Gewissens beißt Juliane Rumpf in eine Bratwurst aus Schleswig-Holstein - von Böklunder. Foto: Haensel
Ruhigen Gewissens beißt Juliane Rumpf in eine Bratwurst aus Schleswig-Holstein - von Böklunder. Foto: Haensel

Mit dem Thema Dioxin begann die Grüne Woche. Im Interview spricht Landesagrarministerin Dr. Juliane Rumpf über schärfere Futtermittelkontrollen.

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30. Januar 2011, 04:57 Uhr

Frau Rumpf, die Grüne Woche präsentiert in erster Linie Qualitätslebensmittel. Kann der Verbraucher den hier angebotenen Produkten sein Vertrauen schenken?
Auf jeden Fall. Den deutschen Verbraucherinnen und Verbrauchern steht nicht nur eine immense Vielfalt an verschiedenen Lebensmitteln ständig zur Verfügung, unsere deutschen Lebensmittel sind auch so sicher und hochwertig wie nie zuvor. Darüber sollten uns auch Skandale nicht hinwegtäuschen.
Es ist eine alte Erkenntnis, dass sich im Markt vieles durch den Preis regelt. Wird die "Geiz ist geil"-Mentalität nicht vieles von den guten Vorsätzen, die nach dem jüngsten Dioxin-Skandal geäußert wurden, relativieren?
Unsere Verbraucher haben sicher mehr Marktmacht als ihnen manchmal bewusst ist. Leider kann sich das auch negativ auswirken, wenn ausschließlich oder vorrangig nach dem Preis eingekauft wird. "Qualität hat ihren Preis" ist mehr als eine Binsenweisheit, und billig ist nicht automatisch auch gut.
Muss sich der Verbraucher auf höhere Preise durch verpflichtend geforderte Kontrollen einrichten oder reichen die bisherigen Maßnahmen aus?
Durch die vereinbarte höhere Kontrolldichte im Futtermittelbereich entstehen natürlich Mehrkosten. So weit diese die Unternehmensseite betreffen, werden diese wahrscheinlich auf die Produktpreise umgelegt.
Ist eine absolute Transparenz in der Kette der Nahrungsmittelherstellung überhaupt realisierbar?
Wir haben heute schon sehr erfreuliche Beispiele, die ich begrüße. Denken Sie nur an besondere freiwillige Systeme zur Qualitätssicherung von Herstellern und Handel. Ich denke, dem gehört die Zukunft, denn die Verbraucher wollen wissen, was auf ihren Teller kommt; sie wollen sichere, gesunde und genussvolle Lebensmittel. Doch noch einmal: Ein hohes Maß an Qualität ist nicht zum Nulltarif zu haben.
Anbieter, die diese Transparenz garantieren, verzeichnen zurzeit erhöhte Absatzwerte. Es ist also alles möglich, wenn man nur will. Können deren Erfolgssysteme nicht zur verpflichtenden Systematik aller erklärt werden?
Wir haben bereits heute ein hohes Maß an Transparenz und Sicherheit gerade im Lebensmittelbereich. Alleine in Schleswig-Holstein haben wir im letzten Berichtsjahr rund 754 000 Proben aus den Bereichen Tierseuchenbekämpfung, Lebensmittel- und Futtermittelüberwachung und des Umweltmonitorings amtlich untersucht und rund 5000 Kontrollen und Probenahmen in den Bereichen Tierarzneimittel-, Futtermittel- und Handelsklassenüberwachung durchgeführt. Damit gewährleistet der Staat einen sehr hohen Sicherheitsstandard, den wir weiter verbessern wollen. Daneben sind die freiwilligen Qualitätssicherungssysteme der Wirtschaft eine sehr wichtige Ergänzung, die den Wettbewerb positiv fördert, weil sie von den Verbrauchern auch honoriert wird.
Schwarze Schafe wird es möglicherweise immer geben, die die Kontrollinstanzen auszutricksen versuchen. Halten Sie höhere Mindeststrafen für deren kriminelle Machenschaften für ein geeignetes Mittel der Vorbeugung?
Ich habe gerade im aktuellen Futtermittelskandal ausdrücklich auch eine Überprüfung der strafrechtlichen Sanktionierung gefordert. Gerade als Verbraucherschutzministerin sehe ich solche Verstöße überhaupt nicht als Kavaliersdelikt an.

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