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Ländliche Räume : Mit „Plietsch-Huus“ mehr Bildung in den Dörfern

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Politik auf der Grünen Woche: Welche Möglichkeiten gibt es, das Aussterben der Dörfer zu verhindern? Experten tauschen sich auf der Messe in Berlin aus.

Berlin | Was ist ein „Plietsch-Huus“? In schleswig-holsteinischen Dörfern soll darin Bildung vermittelt werden – vom Kindergarten bis zur Erwachsenenbildung, in dem auch Sozialarbeiter und Therapeuten zu finden sind. Es ist als zentrale Anlaufstelle für Regionen angedacht, in denen Dorfschulen schließen. Auf der Grünen Woche in Berlin haben Robert Habeck und Vertreter seines Ministeriums diese Idee zahlreichen Experten in verschiedenen Diskussionsrunden näher gebracht. Denn die weltgrößte Messe für Ernährung und Landwirtschaft befasst sich im Begleitprogramm auch mit der Entwicklung ländlicher Räume.

Abgeleitet ist die „Plietsch-Huus“-Idee von den Markttreffs: Sie beinhalten einen Dorfladen mit zahlreichen Dienstleistungen und die Möglichkeit, sich zu treffen.

Die zentrale Frage bei allen Projekten ist die der Finanzierung. Die Europäische Union (EU) stockt dieses Jahr zu Beginn der neuen siebenjährigen Förderperiode die Mittel für ländliche Räume auf. Deshalb hat Habeck 2014 auch zum „Jahr der ländlichen Räume“ erklärt. In der neuen Periode sollen Regionen einfacher an Geld kommen, erklärte Erich Campestrini von der EU-Kommission auf der Grünen Woche am Stand des Markttreffs und des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags: „Wir wollen es leichter machen, Test- und Erkundungsphasen zu realisieren. Ideen sollen nicht an Richtlinien scheitern.“ Aktiv werden müssen aber die Regionen selbst, mahnt Campestrini. „Die EU will kein Gießkannenprinzip. Was in Österreich funktioniert, muss nicht für Schleswig-Holstein gut sein.“

Bei der Diskussion um die Entwicklung ländlicher Räume müssen sich Dörfer von der Vorstellung verabschieden, alles bieten zu können, sagte Entwicklungsforscher Ulf Hahne von der Universität Kassel. Er rät zu freiwilligen Fusionen. „Die kleinen Dörfer müssen nachdenken, was sie in den nächsten zehn Jahren leisten können und was lieber ein Nachbardorf leisten sollte.“ Wenn Dörfer erhalten bleiben sollen, müssen sie sich also zu Regionen zusammenschließen.

Besonders akut sind die Probleme bereits in Mecklenburg-Vorpommern. Thomas Reimann, Referatsleiter für den ländlichen Raum beim Landwirtschaftsministerium in Schwerin, zeichnete ein düsteres Bild: „Nur noch jedes 30. Dorf hat überhaupt noch so etwas wie eine Schule oder einen Sportverein. Und wir sehen, dass bei erzwungenen Gemeindehochzeiten die letzten noch Engagierten auch wegbrechen.“ Seine Schlussfolgerung: Die kleinen Gemeinden müssen auch bei Fusion noch ihre Stimmen behalten und politisch mitentscheiden dürfen.

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erstellt am 24.Jan.2014 | 10:26 Uhr

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