Joachim Rukwied : "Milchwirtschaft mit guten Chancen"

Bauernpräsident Joachim Rukwied im Gespräch mit sh:z-Chefkorrespondent Rainer Mohrmann. Foto: Mormann
Bauernpräsident Joachim Rukwied im Gespräch mit sh:z-Chefkorrespondent Rainer Mohrmann. Foto: Mormann

Teller oder Tank? Für den Bundesbauernpräsidenten Joachim Rukwied stellt sich diese Frage nicht. "Wir können beides", sagt er unter anderem im Interview.

shz.de von
22. Januar 2013, 05:49 Uhr

Berlin | Den deutschen Landwirten bietet sich ein bedeutender Wachstumsmarkt außerhalb Europas. Das stellt Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, auf der Grünen Woche in Berlin fest. Die Regionalität will er dennoch nicht außer Acht lassen.
Wird die deutsche Landwirtschaft künftig beim Export nach Afrika und Asien wirtschaftlich Schritt halten oder wirkt der hohe Kontroll- und Kostenaufwand kontraproduktiv?
Ich bin überzeugt, dass wir wettbewerbsfähig bleiben. Das setzt aber voraus, dass wichtige politische Entscheidungen getroffen werden. Darunter verstehe ich Entscheidungen, die Entwicklungen, Innovation und Effizienzverbesserungen nach sich ziehen.
Der Milchbedarf wird in Zukunft weltweit wachsen und in vielen Regionen durch Eigenproduktion nicht zu decken sein. Was raten Sie der deutschen Milchwirtschaft, um diese Märkte zu erschließen? Ich rate ihr zum einen, den Binnenmarkt und hier nicht nur den deutschen, sondern den europäischen Markt zu nutzen. Ich meine, dass wir da gute Chancen haben, insbesondere, wenn wir den Fokus auf die Wachstumsmärkte außerhalb Europas setzen. Da bin ich der Meinung, dass wir gute Chancen haben, insbesondere, wenn wir veredelte Produkte anbieten.
Wir erleben eine Renaissance der Regionalität. Glauben Sie, dass regionale Produkte neben der bisherigen Produktion ein neues Standbein der Land- und Ernährungswirtschaft wird?
Wir müssen beides tun. Wenn Regionalität Chancen bietet, dann sollten wir sie nutzen.
Schleswig-Holstein ist Vorbild für Transparenz. Der Bauernverbands-Präsident Werner Schwärz lässt per Webcam in seinen Stall schauen und erntet dafür auf Facebook Kritik. Regen Sie Ihre Berufskollegen auch zu dieser Transparenz an?
Werner Schwarz war sehr mutig bei dem Schritt. Ich stehe voll und ganz hinter ihm. Man muss jetzt die weitere Diskussion abwarten und dann entscheiden, ob wir verstärkt weiter in dieser Form informieren.
Zum Landwirt als Energiewirt: In Schleswig-Holstein gab es zuletzt kritische Anmerkungen aus dem ländlichen Raum zu Biogas-An lagen. Sind solche Anlagen eine vorübergehende Erscheinung oder haben sie eine Zukunft?
Die Biogas-Anlagen haben meines Erachtens eine Zukunft, weil wir mehr Energie speichern können. Das ist der große Vorteil dieser Anlagen. Was wir allerdings im Rahmen der Novellierung des EEG beachten müssen, dass die Balance passt zwischen der Produktion für die Ernährung und der Energie.
Sind Sie für Teller oder Tank?
Teller und Tank, wir können beides.

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