Landfrauenschule Hademarschen : Die Sehnsucht nach den "Blaumeisen"

Der Grüne-Woche-Auftritt der "Blaumeisen" ist dem Sparpaket zum Opfer gefallen. Die Schülerinnen der Landfrauenschule in Hanerau-Hademarschen galten als die "Botschafterinnen des Nordens".

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26. Januar 2011, 11:23 Uhr

Berlin | "Wo ist denn in diesem Jahr die Tombola?" - "Wo sind die jungen Damen in ihren schicken blauen Kostümen?" Diese Fragen klingen häufig durch die Messehallen der Grünen Woche. Denn in Halle 20, in der sich traditionell fast alle Bundesländer kulinarisch präsentieren, fehlt in diesem Jahr ausgerechnet Schleswig-Holstein. Und damit fehlen auch die "Blaumeisen" - jene Schülerinnen und Schüler der Landfrauenschule in Hanerau-Hademarschen (Kreis Rendsburg-Eckernförde), die sonst mit ihrer stimmgewaltigen Werbung für eine Schinken-Tombola für mächtigen Trubel gesorgt haben.
Sie galten als die "Botschafterinnen des Nordens". Doch weil die Landesregierung an jeder Ecke spart, ist der Messestand in der Bund-Länder-Halle weggefallen - und damit auch das Zuhause der "Blaumeisen" auf der Grünen Woche. "Schleswig-Holstein bekommt 80 Millionen Euro von den anderen Bundesländern. Da schauen die ganz genau drauf, wofür wir die ausgeben", sagt Landwirtschaftsministerin Juliane Rumpf (CDU). Beim Schnüren des Sparpakets wurde deshalb genau verglichen: "Worauf können oder müssen wir verzichten? Das startet bei freiwilligen Leistungen", so Rumpf. Sie ist sicher, dass nach Schleswig-Holstein auch andere Länder ihr Engagement in der Bund-Länder-Halle einstellen werden, da sie - wie Schleswig-Holstein - weiterhin durch ansässige Unternehmen in anderen Hallen vertreten sind. Schon ist aus internen Kreisen zu hören, dass sich die Hallenplaner Gedanken über ein neues Konzept für die Nutzung der Halle 20 im kommenden Jahr machen. Konkrete Pläne gäbe es aber bislang nicht heißt es offiziell von der Pressestelle der Messe Berlin.
Suche nach den jungen Schülerinnen
Warum können die "Blaumeisen" nicht in Halle 21b - am Stand der AktivRegion Mittelholstein und der MarktTreffs - oder in der Schleswig-Holstein-Halle 22a eingesetzt werden? "Die Frauen haben ja auf den Stand des Landes aufmerksam gemacht. In den anderen Hallen präsentieren sich Einzelfirmen", erklärt Juliane Rumpf. So hätte eine Firma die Landfrauenschülerinnen engagieren müssen, damit diese für sie werben. Dass das nicht geschah, ist letztlich auch eine Kostenfrage. Ein Versuch der Schule, die Reise in die Bundeshauptstadt aus eigener Kraft zu finanzieren, scheiterte. "Wir bedauern sehr, dass die Blaumeisen nicht dabei sind, denn sie genießen eine sehr hohe Wertschätzung - in Schleswig-Holstein und bei den Berlinern", sagt Renate Gaethke-Sander, stellvertretende Vorsitzende der AktivRegion Mittelholstein, zu der Hanerau-Hademarschen gehört.
Den Kosenamen "Blaumeisen" bekamen die Oberklasse-Schülerinnen übrigens von den Berliner Messebesuchern. Seit 1964 waren sie jedes Jahr in blauen Kostümen dabei und sind von den Hauptstädtern schnell in ihre Herzen geschlossen worden. Das hat auch Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) festgestellt. Er berichtet nach seinem Messe-Wochenende, dass er häufig nach dem Verbleib der Schülerinnen gefragt worden sei. "Ich hatte erwartet, dass ich eher auf das andere unangenehme Thema angesprochen werde. Aber Fragen dazu stellte nur die Presse", sagt Carstensen.
Ob die "Blaumeisen" im Jahr 2012 wieder zum Einsatz kommen, ist fraglich. Denn es bedarf eines neuen Einsatzbereiches und Geld.
(hamo, shz)

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