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Trümmertorte : Ein Traum aus Trümmern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sie ist ein Blickfang und ein Genuss zugleich – Uta Janbecks Trümmertorte. Gäste aus ganz Deutschland reisen extra dafür an die Geltinger Bucht und verfallen dem süßen Baisertraum.

shz.de von
erstellt am 15.Feb.2014 | 06:00 Uhr

Gelting | Es begann mit einem Missverständnis. Als Uta Janbeck vor ein paar Jahren ihr Café an der Geltinger Bucht eröffnete, stand noch die Friesentorte auf der Karte – nach einem Rezept von ihrer Mutter. Doch die Einheimischen wollten die Leckerei nicht einmal probieren. Es dauerte Monate, bis Uta Janbeck den Grund dafür entdeckte. Das, was sie als Friesentorte bezeichnete, ist in Angeln als Trümmertorte bekannt und eine beliebte Spezialität. Also gab sie ihrem süßen Traum aus Baiser, Sahne und Obst einfach einen anderen Namen. Seither reisen Gäste von nah und fern an, nur um Utas Trümmertorte zu genießen.

„Sie sieht aus, als wäre sie schon einmal heruntergefallen“, beschreibt die 51-Jährige die verlockende Köstlichkeit. Vielleicht stammt daher der ungewöhnliche Name für die Trümmertorte. Andernorts heißt sie Gewittertorte oder Ozeantorte. Zudem ist es eine Kunst, sie in Stücke zu schneiden, ohne sie zu zerstören. Denn zwei luftig-feine Mandelbaiserschichten bilden die Grundlage für den Kuchen – einmal als Boden, einmal als Deckel, eine frisch-fruchtige Sahne-Pfirsich-Füllung umhüllend.

Doch es ist auch der Charme von Uta Janbeck, der verzaubert, ihr fröhliches Wesen, ihr herzliches Lachen – ob sie nun das Unkraut auf ihrem Hof rund um die uralte Linde jätet, ihre Gäste im Café verwöhnt oder in der Backstube steht, die braunen Locken von einem rot-weiß karierten Stirnband gebändigt. „Für mich ist Lachen normal, das Leben ist schon schwer genug“, sagt die Meisterin der Hauswirtschaft, die vor elf Jahren noch einmal von vorn begann. Jung waren sie und ihr Stephan, ein gelernter Tischler und Systemarchitekt, Eltern geworden. Vier Kinder in fünf Jahren.

„Als unsere drei Töchter und unser Sohn aus dem Gröbsten heraus waren, wollten mein Mann und ich noch einmal etwas anderes wagen. Jetzt oder nie“, sagt Uta. In Ahrensburg, nordöstlich von Hamburg, war es dem Paar um die Jahrtausendwende zu voll, zu laut, zu hektisch geworden. So dachten Uta und Stephan darüber nach, nach Schweden zu gehen. Ein Familienurlaub an der Schlei entfachte jedoch ihre Leidenschaft für die Ostseeidylle. 

„Die Gegend hat uns gefallen, weil sie viele skandinavische Einflüsse hat“, erklärt Uta Janbeck. Bei der Suche im Internet stießen sie schließlich auf den alten Bauernhof in Gelting im Kreis Schleswig-Flensburg, umgeben von mehr als vier Hektar Land. Ein Dreiseithof von 1759, im Ortsteil Lehbek gelegen, unweit der Geltinger Bucht mit ihren naturbelassenen Stränden. „Aus heutiger Sicht war das damals eine Ruine. Wir haben den Hof von Grund auf saniert“, blickt Uta Janbeck zurück.

Mittlerweile erinnert nichts mehr an die aufwändigen Bauarbeiten, bei denen nur die Außenwände stehen blieben. Heute erstrahlt das Anwesen in neuem Glanz, neben dem backsteinroten, reetgedeckten Gutshaus noch zwei Scheunen mit einer Pension und eben jenem zauberhaften Café. Besonders dort hat die Liebe der Janbecks zu Skandinavien doch noch einen Platz gefunden. Sparsam ist die duftende Oase eingerichtet, liebevoll dekoriert, auf hellen Dielen, mit sanft sich bewegenden Leinenvorhängen. Ohnehin umgibt einen das Gefühl, dass stets eine angenehme Brise durch Utas Café weht, die Terrasse vor der Tür, die Ostsee so nah. Nicht selten hoppelt ein Hase über das Feld, zeigt sich ein Fasan oder gar ein Reh. Natur pur.

Und wenn mal ein Gast keine Hilfe braucht, kein Telefon klingelt, kein Lieferant kommt, steht Uta Janbeck in ihrer Backstube. Weil sie selten Zeit hat, hat sie ihre Kuchenkreationen ihrem Tag angepasst: „Ich habe den Betrieb bis vor drei, vier Jahren ganz allein gemacht – vom Putzen der Ferienzimmer bis zum Brötchen- und Kuchenbacken für das Café. Da muss man sich Rezepte suchen, die schnell und unkompliziert sind, die man immer zwischendurch machen kann“, erklärt die 51-Jährige.

Wie die beliebte Trümmertorte, die „ganz einfach“ sei. Dabei vermischt Uta Janbeck zunächst Eigelb mit Zucker, gibt Butter, Mehl und Backpulver hinzu. Den Teig verteilt sie auf zwei Kuchenformen von jeweils 28 Zentimetern im Durchmesser. „Dann schlage ich das Eiweiß vom Ei mit Zucker zu einer Baisermasse auf, hebe Mandeln unter, verteile alles auf die zwei Böden und ab in den Ofen“, erklärt sie. Nach dem Backen löst Uta die ausgekühlten, zerklüfteten Böden aus der Form, verteilt die steifgeschlagene Sahne mit Pfirsichstücken auf einem davon und setzt den anderen als Deckel oben drauf. Fertig. In 45 bis 60 Minuten, ohne Kühlzeit.

„Man kann für die Sahnefüllung auch Stachelbeeren oder Erdbeeren nehmen. Ich gebe Pfirsiche hinzu, weil ich es so von zu Hause kenne“, sagt die gebürtige Hessin. Beliebt ist auch ihre Buchweizentorte mit Schokosahne und Preiselbeeren: „Das ist ein einfacher Biskuit, der mit Weizen- und Buchweizenmehl gemischt ist und dadurch eine leicht nussige Note erhält. Sowieso, ich arbeite sehr viel mit Vollkornmehl, dadurch schmeckt es einfach alles anders. Es macht mehr satt.“

In der Hauptsaison von Mai bis Oktober backt die Hausherrin täglich sechs Kuchen, am Wochenende mehr. Eine große Auswahl an umwerfenden Torten, dafür ist die Kuchenstraße zwischen Kappeln und Flensburg bekannt, entlang der Bundesstraße 199. „Wenn uns Gäste aus Nordrhein-Westfalen zum Beispiel besuchen, sind sie stets über die Fülle an Bauerncafés hier in der Region erstaunt. Das kennen sie aus ihrer Gegend nicht“, sagt Uta Janbeck. Einen Kampf unter den Cafés gebe es nicht. „Stattdessen macht jeder sein Ding. Ich versuche, die Gäste für einfache Rezepte zu gewinnen und mit Qualität zu punkten“, erklärt sie.

Es ist erfrischend, den bodenständigen Janbecks bei ihrem neuen Leben zuzuschauen. Das Paar hat sich beim Kauf des Hofes gut überlegt, was es damit anfangen will. So hat Stephan Janbeck auf dem umweltfreundlichen Anwesen Blockheizkraftwerke und eine Solarthermieanlage installiert und eine eigene Kläranlage entwickelt. Der von den Blockheizkraftwerken erzeugte Strom wird zu 95 Prozent selbst verbraucht, der Rest wird ins öffentliche Netz eingespeist. „Für uns steht ein vernünftiger Umgang mit Menschen, Tieren und der Natur im Vordergrund“, sagt Uta Janbeck.

Die Idee, auch noch ein Café zu eröffnen, hat sich mit der Zeit entwickelt. „Denn das, was ich kann, ist Leute zu betüddeln, mit ihnen zu schnacken, ihnen etwas über die Region zu erzählen. Das macht mir Spaß“, betont die vierfache Mutter und sechsfache Großmutter. Neben ihren köstlichen Torten macht die Seele des Hofes auch Gebäck wie die traditionellen britischen Scones selbst sowie Brot, Konfitüren und Essig. Sie achtet bei der Zubereitung auf Regionalität und saisonale Produkte, legt Wert auf Bio. Im hofeigenen Gewächshaus gedeihen Tomaten, Paprika, Zucchini, Kürbis und Kräuter.

Künftig möchte Uta noch mehr eigene Produkte herstellen, noch mehr Brot, noch mehr Marmeladen. „Ich sehe, dass das gut läuft“, sagt sie und möchte sich für die bevorstehende Saison mehr Freiräume schaffen. „Ich bin dabei, es so zu strukturieren, dass es für alle Seiten gut ist – für die Gäste und für die Familie“, erklärt die 51-Jährige. Zwei Auszubildende greifen ihr bereits unter die Arme. Und wenn „Not am Mann ist“ springen auch die Kinder der Janbecks immer wieder ein.

Natürlich sei der Umbau des Hofes noch nicht vollendet, sagt das Ehepaar. „Aber wir sind dabei, uns unseren Traum zu erfüllen“, lächelt Uta, während sie vom Café auf die Terrasse blickt. Groß ist das Stück Trümmertorte, breit und hoch, das sie kurz darauf auf den rot-weißen Teller hebt – so ist es üblich an der Kuchenstraße. Nur zehn Stücke schneidet Uta Janbeck aus jeder Torte. Wer sich nun sorgt, dem sei beruhigend gesagt, es ist zu schaffen, mühelos. Denn wer die Trümmertorte probiert, wird ihr verfallen.
 

Janbeck’s Café, Pension & mehr, Lehbek 10, 24395 Gelting, Telefon: 04643-185400, Internet: www.janbecks.de

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